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01.01.2018 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Koronare Herzerkrankung

Sauna, Sport und Sex – gut oder gefährlich für den KHK-Patienten?

Autor:
Dr. med. Peter Stiefelhagen

Freizeitaktivitäten und Intimleben sind wichtige Themen für Patienten mit koronarer Herzerkrankung (KHK), ja sie sind entscheidend für ihre Lebensqualität. Was kann man empfehlen und was ist riskant?

Herr Doktor, darf ich jetzt weiter in die Sauna gehen? Mit dieser Frage werden Sie nicht selten von Patienten konfrontiert, die ein kardiovaskuläres Ereignis überstanden haben. Die Angst vor der Sauna, die auch bei Ärzten weit verbreitet ist, resultiert daraus, dass die dort vorherrschende Wärme die Gefäße erweitert und somit den Gefäßwiderstand senkt, das Herzminutenvolumen (HZV) steigert, den Blutdruck senkt und die Pulsfrequenz anhebt. Dies erfordert, dass der Patient über entsprechende Kompensationsmechanismen verfügt.

Sauna als „Apotheke der Armen“

„Ein finnisches Sprichwort sagt: Die Sauna ist die Apotheke der Armen“, berichtet PD Dr. med. Felix Post aus Koblenz auf der Jahrestagung der niedergelassenen Kardiologen (BNK). In einer finnischen Studie habe man nämlich zeigen können, dass das Risiko für den akuten Herztod umgekehrt mit der Häufigkeit eines Saunabesuchs steigt.

Patienten, die  vier- bis siebenmal wöchentlich in der Sauna waren, hatten eine deutlich bessere Prognose als jene mit einem Saunabesuch pro Woche. Das gleiche gilt für die Zeit in der Sauna: Personen, die sich länger als 19 Minuten in der Sauna aufhielten erlitten seltener einen akuten Herztod als solche, deren Saunagang weniger als 11 Minuten dauerte.

In der Literatur wurde zwischen 1992 und 2003 über 77 Todesfälle berichtet, die mit einem Saunabesuch einhergingen, wobei davon 71% mit > 1,5 Promille alkoholisiert waren und 9 Fälle sich während sexueller Aktivität in der Sauna ereigneten. Auch traten in Schweden nur 1,7% der 6.175 Fälle von plötzlichem Herztod innerhalb der ersten 24 Stunden nach einem Saunabesuch auf.

Herzparameter werden günstig beeinflusst

In einer Studie ließ sich bei Patienten, die regelmäßig eine Sauna aufsuchten, nach zwei Wochen ein günstiger Effekt auf ventrikuläre Arrhythmien nachweisen, die Rate an ventrikulären Tachykardien wurde um den Faktor 4 reduziert und auch das NYHA-Stadium verbesserte sich,. von 15 Patienten mit NYHA III erreichten durch die Sauna 10 Patienten ein NYHA-Stadium II. Gleichzeitig fand sich eine deutliche Abnahme der BNP-Werte.

Darüber hinaus nahm nach regelmäßigen Saunabesuchen der systolische und diastolische Blutdruck ab, die Endothelfunktion verbesserte sich, und die Häufigkeit an Angina pectoris-Anfällen sowie das Körpergewicht sanken.

„Nach diesen Daten scheint Sauna für Patienten nach einem Myokardinfarkt nicht gefährlich zu sein“, so Post. Doch müssten Kontraindikationen beachtet werden. Dazu gehören akutes Koronarsyndrom, Aortenstenose, hyperthrophe Kardiomyopathie, floride Endokarditis und Medikamente wie Nitrate und PDE-5-Hemmer.

Sport mit Augenmaß

„Sport ist nicht immer gesund“, betonte Post. Bei jungen Menschen werde durch Sport das Risiko für einen akuten Herztod um mehr als das Doppelte erhöht. 5% aller Fälle von plötzlichem Herztod ereigneten sich beim Sport. Bei Personen in einem Alter über 35 Jahre ist das Risiko für einen akuten Herztod beim Sport um das Fünffache höher als bei jüngeren. „Interessant ist, dass Frauen sehr viel seltener betroffen sind, der Frauenanteil liegt bei nur 5%“, so Post.

Überraschend sind die Ergebnisse einer Studie, bei der drei Gruppen gebildet wurden: Gruppe 1 trieb weniger Sport als empfohlen, Gruppe 2 hielt sich an die Empfehlungen und Gruppe 3 war sportlich aktiver als empfohlen. Bei einer Beobachtung über 25 Jahre schnitt Gruppe 3 im Hinblick auf den koronaren Kalkscore schlechter ab als die beiden anderen Gruppen.

Auch zeigen Daten von Marathonläufern, dass die letzten 8 bis 10 km am gefährlichsten sind, hier ereignen sich die meisten Todesfälle. Und bei einem Vergleich der Sportarten ist Schwimmen mit dem geringsten und Fahrradfahren mit dem höchsten Todesrisiko assoziiert, das Risiko steigt um das Siebenfache. Joggen liegt dazwischen.

„Die Frage, ob Ausdauersport gesund ist, muss man mit einem JEIN beantworten“, so Post. Zu einem fatalen Ereignis komme es vor allem dann, wenn der Betroffene sich zu viel abverlange bzw. nicht ausreichend trainiert sei. Sport sei gesund, aber nicht immer und Sport sei auch nicht gleich Sport. Sport sei so potent wie ein Medikament und müsse deshalb wie ein Medikament individuell dosiert werden und man müsse den Beipackzettel kennen.

Seltener als ein Blitzschlag

Viele KHK-Patienten leiden unter einer Störung der Sexualfunktion oder haben Angst vor sexueller Aktivität. Bei über 50% aller KHK-Patienten besteht eine erektile Dysfunktion, bei der Herzinsuffizienz sind sogar 80% betroffen. Doch für viele Patienten ist das Thema tabu.

„Das Risiko einer sexuellen Aktivität wird jedoch überschätzt“, so Post. Beim Sexualakt steige der Blutdruck nur auf 160/90 mmHg, die Pulsfrequenz auf 120/min und es dauere auch nur zwei bis drei Minuten, bis sich Herzfrequenz und Blutdruck wieder erholt haben. Die Sex-assoziierte Infarktrate liegt bei 1%, wobei das größte Risiko ein bis zwei Stunden nach dem Geschlechtsverkehr besteht.

„Das Risiko für einen akuten Herztod beim Sex ist deutlich niedriger als das Risiko von einem Hai angegriffen oder von einem Blitz getroffen zu werden“, so Post. Beim sexuellen Vorspiel sei die körperliche Belastung vergleichbar mit der beim Geige spielen und beim Orgasmus mit der beim Golfen. Gartenarbeit sei gefährlicher als Sex.

70% aller Todesfälle ereignen sich im Rahmen eines außerehelichen Sexualerlebnisses. Auch scheint nach den Ergebnissen einer Studie die monatliche Geschlechtsverkehr-Frequenz sogar umgekehrt mit dem Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis zu korrelieren. „Sexuelle Aktivität ist sinnvoll für Patienten die drei bis fünf METs ohne Angina pectoris, Dyspnoe, Zyanose, Hypotension, Arrhythmien oder ST-Streckensenkungen leisten können, ebenso für herzinsuffiziente Patienten im Stadium NYHA I und II  und auch für Träger von implantierbaren Kardioverterdefibrillatoren“, so das Fazit von Post.

Literatur

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