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17.05.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

EuroPCR 2017

Schatten über bioresorbierbarem Stent

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Neue „Real world“-Daten aus einem großen schwedischen Register bestätigen Ergebnisse randomisierter Studien, wonach der bioresorbierbare Absorb-Stent im Vergleich zu modernen Metallstents mehr Stentthrombosen zur Folge hat.

Die Entwicklung von bioresorbierbaren Scaffolds (BRS) wird als Meilenstein in der interventionellen Kardiologie gefeiert. Randomisierte kontrollierte Studien haben in der jüngeren Vergangenheit aber erhöhte Scaffoldthromboseraten offenbart, was aktuell zu erheblichen Einschränkungen in der Anwendung geführt hat.

Das SCAAR Register (Swedish Coronary Angiography and Angioplasty Registry) liefert nun neue Outcome-Daten nach Koronarinterventionen mit Implantation des Absorb-BRS im Vergleich zu den heute am häufigsten verwendeten modernen Drug-eluting Stents (DES) in Schweden. Es handelt sich hierbei um eine retrospektive Analyse von zwischen 2011 und 2016 erhobenen Daten eines prospektiv erstellten landesweiten Registers. Die Ergebnisse hat Dr. Per Grimfjärd beim Kongress EuroPCR 2017 in Paris vorgestellt.

Unzureichende Erfahrungen im Einsatz von BRS, zu geringe DES-Implantationsraten sowie ein Gefäßdiameter < 2,5 cm stellten Ausschlusskriterien dar. Die mittlere Nachbeobachtungsdauer betrug zwei Jahre. Es wurden insgesamt 810 Absorb-BRS und 145.294 DES implantiert. Absorb-BRS wurden im Vergleich zu den modernen DES in einem jüngeren und gesünderen Patientenkollektiv mit niedrigerem Risikoprofil implantiert.

Die Rate an definitiven Stentthrombosen betrug 1,5 % in der Absorb-BRS-Gruppe und 0,6 % in der DES-Gruppe. Drei der 12 definitiven Stentthrombosen nach Absorb-BRS-Implantation traten sehr spät auf.

Die Hälfte der definitiven Stentthrombosen wurde bei Patienten beobachtet, die eine duale Plättchenaggregation für weniger als 12 Monate erhalten hatten. Das adjustierte Restenoserisiko war in beiden Gruppen hingegen vergleichbar.

Zusammenfassend stellte Grimfjärd fest, dass in diesem „Real World Setting“ in Schweden eine Implantation des Absorb-BRS im Vergleich zu modernen DES mit einem erhöhten Risiko für definitive Stentthrombosen assoziiert war. Dies war unabhängig von der antithrombotischen Therapie und vom Zeitraum der Implantation.

In der nachfolgenden Diskussion wurden wichtige Fragen aufgeworfen. So wurde unter anderem die relativ geringe Zahl von Absorb-BRS-Implantationen im Gesamtkollektiv hinterfragt. Die derzeitige Diskussion über Ursachen der erhöhten Stentthromboseraten und die Bedeutung von Faktoren wie richtige Patientenselektion, exakte Größenevaluation des Zielgefäßes und optimale Implantationstechnik konnte aufgrund der limitierten Daten nicht wesentlich vorangebracht werden.

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