Nachrichten 01.02.2021

Schutz vor Stentthrombosen speziell in der Frühphase nach PCI nötig

Welche KHK-Patienten haben in welcher Phase nach einer Stent-Implantation ein erhöhtes Stentthrombose-Risiko und benötigen deshalb einen effektiven Schutz durch Thrombozytenhemmung? Eine aktuelle Registeranalyse gibt darüber Aufschluss.

Stentthrombosen treten als potenziell lebensbedrohliche Komplikationen nach perkutanen Koronarinterventionen (PCI) mit Implantation moderner „Drug-eluting“-Stents (DES) heute relativ selten auf. Allerdings variiert das Risiko je nach klinischer Präsentation der Koronarerkrankung, es verändert sich zudem im zeitlichen Verlauf.

Eine internationale Arbeitsgruppe um Dr. Ajay J. Kirtane vom Columbia University Medical Center in New York wollte dazu mehr in Erfahrung bringen. Auf Basis einer Post-hoc-Analyse von Daten des ADAPT-DES-Registers (Assessment of Dual Antiplatelet Therapy With Drug-Eluting Stents) kommt die Gruppe zu folgenden Ergebnissen:

  • Je nachdem, ob sich die KHK-Patienten klinisch mit einem akuten Myokardinfarkt (STEMI, NSTEMI), mit instabiler Angina pectoris oder ohne akutes Koronarsyndrom (Non-ACS = stabile ischämische Herzerkrankung) präsentiert hatten, nahm das Stentthrombose-Risiko nach PCI graduell ab: Am relativ höchsten war es bei den STEMI-Patienten, am niedrigsten in der Non-ACS-Subgruppe.
  • Die Risikoperiode, in der die Gefahr von Stentthrombosen relativ am größten war, waren die ersten 30 Tage nach PCI.
  • Die Risikoerhöhung für frühe Stentthrombosen beschränkte sich weitgehend auf Patienten mit erhöhter Plättchenreaktivität unter Clopidogrel-Behandlung. Dagegen bestand bei Patienten ohne erhöhte Plättchenreaktivität im Plättchenfunktionstest zu keinem Zeitpunkt eine Assoziation zwischen klinischer Präsentation und dem Auftreten von Stentthrombosen.

Diese Ergebnisse führen nach Ansicht der Studienautoren vor Augen, wie wichtig die Sicherstellung einer adäquaten Thrombozytenhemmung mit einem P2Y12-Hemmer vor allem in den ersten 30 Tagen nach DES-Implantation bei Patienten mit Myokardinfarkt ist – etwa durch Behandlung mit potenten P2Y12-Hemmern wie Prasugrel oder Ticagrelor in Kombination mit ASS in der subakuten Phase.

Stentthrombose-Rate lag bei 1,1%

Die Analyse der Gruppe um Kirtane stützt sich auf Daten von 8.582 Koronarpatienten, die an elf Zentren in den USA und Deutschland in das ADAPT-DES-Register aufgenommen worden. Davon hatten sich 2.063 Patienten (24,0%) klinisch mit einem Myokardinfarkt (814 mit STEMI und 1.249 mit NSTEMI), 2.370 Patienten (27,6%) mit instabiler Angina pectoris und 4.149 (48,3%) mit stabiler Koronarerkrankung präsentiert.

Die Nachbeobachtung erstreckte sich über zwei Jahre. In dieser Zeit waren bei insgesamt 92 Patienten (1,1%) gesicherte oder als wahrscheinlich erachtete Stentthrombosen aufgetreten, die bei 39 Patienten (0,5%) als frühe, bei 33 Patienten (0,4%) als späte und bei 20 Patienten (0,2%) als sehr späte Thrombosen eingestuft worden waren.

Höchstes Risiko im Fall hoher Plättchenaktivität unter Clopidogrel

Im Zeitraum der ersten 30 Tage nach PCI hatten Patienten mit Myokardinfarkt ein signifikant höheres relatives Risiko für Stentthrombosen als Patienten mit stabiler KHK (Hazard Ratio [HR]: 4,52; 95% Konfidenzintervall [KI]: 2,01-10,14; p < 0,001). Nach Ablauf des ersten Monats nahm das relativ Risiko dann progredient ab, der Unterschied zwischen beiden Gruppen war in dieser Phase nicht mehr signifikant (31 Tag bis 1 Jahr nach PCI: HR: 1,97; 95% KI: 0.80-4,85; >1 Jahr nach PCI: HR: 0,89; 95% KI: 0,27-2,92).

Das erhöhte Stentthrombose-Risiko bei Patienten mit Myokardinfarkt in der Zeit der ersten 30 Tage war weitgehend einer signifikanten Risikoerhöhung in der Subgruppe der Infarktpatienten mit erhöhter Plättchenaktivität unter Clopidogrel geschuldet (HR: 5,77; 95% KI: 2,13-15,63; p < 0,001).

Literatur

Chau K.H. et al.: Stent Thrombosis Risk Over Time on the Basis of Clinical Presentation and Platelet Reactivity: Analysis From ADAPT-DES. J Am Coll Cardiol Cardiovasc Interv. 2021, online 27. Januar. DOI: 10.1016/j.jcin.2020.12.005.


Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Was die Cholesterinwerte von Schwangeren über Herzinfarkte der Nachkommen verraten

Hypercholesterinämie in der Schwangerschaft könnte die kardiovaskuläre Gesundheit der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinträchtigen. Forscher entdeckten unter anderem signifikante Korrelationen mit dem Auftreten schwerer Herzinfarkte.

Bestimmte Antibiotika könnten Herztod-Risiko von Dialysepatienten erhöhen

Dialysepflichtige Patienten sind besonders gefährdet, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Eine aktuelle Analyse legt nun nahe, dass bestimmte Antibiotika das Risiko erhöhen könnten. Was heißt das nun für die Praxis?

Screening von Sportlern: Wann eine Echokardiografie Sinn macht

Von den Leitlinien wird eine Echokardiografie als Screeningmethode bei Athleten bisher nicht empfohlen. Bei den DGK-Herztagen erläuterte ein Experte, warum ein zusätzlicher Einsatz dieser Methode Sinn machen kann – und wie sie sich sinnvoll implementieren lässt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg