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13.10.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Internationale Registerstudie

Schwangere mit Aortenstenose – mehr Komplikationen, aber nicht mehr Todesfälle

Autor:
Veronika Schlimpert

Bei Schwangeren mit schwerer Aortenstenose ist einer internationalen Registerstudie zufolge vor allem auf kardiale Komplikationen zu achten. Die Studienleiter betonen deshalb die Notwendigkeit einer optimalen Diagnostik und Beratung von betroffenen Schwangeren.

Schwangere mit Aortenstenose scheinen kein erhöhtes Sterberisiko zu haben, selbst bei schwerer Aortenstenose nicht. Die Herausforderung bei diesen Frauen scheint vor allem in der erhöhten Komplikationsrate zu liegen, wie sich in einer internationalen Registerstudie nun gezeigt hat.

Bei der von der Europäischen Kardiologie-Gesellschaft initiierten ROPAC-Kohorte handelt es sich um ein weltweites prospektives Register, in das seit 2008 insgesamt 2.966 Schwangere mit Herzerkrankungen aufgenommen wurden; 96 Frauen litten an einer moderaten bis schweren Aortenstenose; 34 von ihnen wiesen eine schwere Form auf (maximaler Druckgradient: ≥64 mmHg). 

Mehr Klinikeinweisungen bei schwerer Aortenstenose

Keine der betroffenen Frauen starb während der Schwangerschaft oder innerhalb der ersten Woche nach der Geburt. Doch 20,8% sind in dieser Zeit in eine Klinik aufgrund kardialer Komplikationen eingewiesen worden. Das Risiko hierfür war für Frauen mit schwerer Aortenstenose signifikant höher als für jene mit moderater Aortenstenose (35,3% vs. 12,9%; Odds Ratio: 2,88). Besonders gefährdet waren Frauen mit symptomatischer schwerer Aortenstenose; 42,1% von ihnen waren wegen kardialer Komplikationen in ein Krankenhaus aufgenommen worden. Die häufigste Komplikation stellte hierbei eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz während der Schwangerschaft dar, gefolgt von Arrhythmien.

Niedrigeres Geburtsgewicht 

An einer Herzinsuffizienz litten 26,3% der Patientinnen mit symptomatischer und 6,7% mit asymptomatischer Aortenstenose bereits vor der Schwangerschaft, die sich bis auf einen Fall aber bei allen Frauen medikamentös behandeln ließ.

Auffällig war zudem, dass ein Drittel der Frauen mit schwerer Aortenstenose eine Frühgeburt hatten und auch das Geburtsgewicht des Neugeborenen häufig niedriger war als das der Kinder von Frauen mit moderater Aortenstenose (3000 vs. 3200 Gramm). 

Eine Schwangerschaft von Frauen mit schwerer Aortenstenose sei somit mit einer relativ hohen Morbidität verbunden, schlussfolgern die Studienautoren um Stefan Orwat von der Universitätsklinik in Münster. Das Mortalitätsrisiko gehe hingegen gegen Null.

Optimierungsbedarf 

Alarmierend ist ihrer Ansicht nach aber vor allem die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Frauen mit schwerer Aortenstenose schon vor der Schwangerschaft symptomatisch waren, also eigentlich einen Aortenklappenersatz benötigt hätten. Dieser Fund verdeutliche die Notwendigkeit, die kardiale Diagnostik und Beratung betroffener Frauen zu optimieren, führen die Wissenschaftler an. 

Die aktuellen Leitlinien empfehlen bei Schwangeren mit asymptomatischer Aortenstenose, einen Belastungstest mit Erfassung der Leistungsfähigkeit und dem Blutdruckverhalten vorzunehmen, wobei dieses Vorgehen aufgrund nur eingeschränkter Daten bzgl. der Aussagekraft kritisch gesehen wird. Eine symptomatische Aortenstenose stufen die Leitlinien als Hochrisiko-Situation ein, weshalb betroffenen Frauen empfohlen wird, eine Schwangerschaft zu meiden. 

Aber selbst Frauen, deren Aortenstenose während der Schwangerschaft asymptomatisch bleibe, seien zusätzlichem hämodynamischen Stress bei der Geburt und auch in der Zeit danach ausgesetzt. „Diese Frauen könnten daher zum Zeitpunkt der Geburt symptomatisch werden und sollten daher in einem Team bestehend aus einem Kardiologen, einem Geburtshelfer und einem Anästhesisten betreut werden“, schreiben die Studienautoren.

Trotz allem spreche die niedrige Komplikationsrate bei asymptomatischen Patientinnen – selbst bei hämodynamisch schwerer Aortenstenose – für ein konservatives Vorgehen und gegen eine prophylaktische Operation bei diesen Frauen.  

Literatur

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