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13.08.2019 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Analyse von US-Registerdaten

Selten, aber zunehmend: Schlaganfall als Komplikation nach Koronarintervention

Autor:
Peter Overbeck

Ischämische Schlaganfälle sind eine relativ seltene Komplikation nach perkutaner Koronarintervention (PCI). Allerdings hat ihre Häufigkeit in jüngster Zeit zugenommen, wie neue US-Daten belegen. Was ist der Grund?

US-Untersucher haben in einer aktuellen Studie die zeitlichen Trends bezüglich der Häufigkeit von ischämischen Schlaganfällen nach PCI-Prozeduren in den USA genauer unter die Lupe genommen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Inzidenzrate für diese zerebrovaskuläre Komplikation im Zeitraum zwischen 2003 und 2016 in den USA insgesamt bei 0,56% lag.

Die spezifische PCI-Indikation machte dabei einen Unterschied. So war die Rate an Post-PCI-Schlaganfällen mit  0,97% bei interventionell behandelten Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) relativ am höchsten (Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt, NSTEMI: 0,81%) und mit 0,41% bei Patienten mit instabiler Angina oder stabiler KHK relativ am niedrigsten.

Signifikanter Anstieg der Inzidenzrate zwischen 2003 und 2016

In allen drei Gruppen war allerdings im analysierten Zeitraum mit Blick auf diese Komplikation eine signifikante Zunahme zu verzeichnen. So nahm die adjustierte Inzidenz von ischämischen Post-PCI-Schlaganfällen bei Patienten mit STEMI (9,8% aller Patienten) von initial  0,6% auf 0.96% zu. In der Gruppe mit NSTEMI (23,5%) wurde ein Anstieg von 0,5% auf  0,6% und in der Gruppe mit instabiler Angina/stabiler KHK (66,7%) von 0,3% auf 0,72% festgestellt (ptrend <0,001).

US-Forscher um  Dr. Mohamad Alkhouli von der West Virginia University School of Medicine in Morgantown haben für ihre Studie eine große US-Datenbank (National Inpatient Sample) genutzt. Dort gespeicherte Daten von mehr als 8,7 Millionen Patienten, die zwischen 2003 und 2016 an mehr als 1.000 Einrichtungen in den USA einer PCI unterzogen worden waren, gingen in die Analyse ein.

Als stärkste Prädiktoren für das Auftreten eines postprozeduralen Schlaganfalls erwiesen sich bei dieser Analyse Erkrankungen der Karotisarterie, kardiogener Schock, Vorhofflimmern und ein höheres Lebensalter der Patienten. Auch zeigte sich, dass die Inzidenz dieser Komplikation an Zentren mit einem hohen jährlichen PCI-Aufkommen und entsprechend hoher Expertise niedriger war als an Zentren mit einer geringeren Anzahl an durchgeführten PCIs.

Höhere In-Hospital-Sterblichkeit nach Schlaganfall

Es überrascht nicht, dass von Schlaganfällen betroffene PCI-Patienten eine deutlich schlechtere Prognose hatten als PCI-Patienten ohne entsprechende Komplikation. Eine „gematchte“ Analyse (Propensity Score) der Forscher um Alkhouli kommt zu dem Ergebnis, dass die In-Hospital-Sterblichkeit im Fall eines Schlaganfalls sowohl in der STEMI-Gruppe ((23,5% vs. 11,0%) als auch in der NSTEMI-Gruppe (9,5% vs. 2,8%) und der Gruppe mit instabiler Angina oder stabiler KHK (11,5% vs. 2,4%) im Vergleich jeweils deutlich höher war. Traurige Tatsache ist, dass sich daran im untersuchten Zeitraum bis 2016 kaum etwas zum Besseren geändert hat.

Eigentlich seien stationär versorgte PCI-Patienten mit Komplikationen wie Schlaganfall ideale Kandidaten, um in der Klinik rasch diagnostisch und therapeutisch zu intervenieren. Nicht zuletzt durch die mechanische endovaskuläre Thrombektomie ist die Therapie bei akutem ischämischem Hirninsult in jüngster Zeit weiter verbessert worden. Im von der Gruppe um Alkhouli untersuchten Zeitraum sind Möglichkeiten wie Thrombolyse, zerebrale Angiografie und Thrombektomie bei den analysierten PCI-Patienten mit Schlaganfall zwar zunehmend häufig, insgesamt aber noch selten genutzt worden. Die Forscher hoffen nun, dass sich das zum Wohle betroffener Patienten in Zukunft ändern wird.

Verändertes Risikoprofil als Grund vermutet

Was ist der Grund dafür, dass Post-PCI-Schlaganfälle nicht abgenommen, sondern tendenziell sogar zugenommen haben. Die Studienautoren um Alkhouli führen dies primär auf das veränderte Risikoprofil interventionell behandelter Patienten zurück.

Im Laufe der Zeit seien zunehmend auch ältere und kränkere Patienten mit zum Teil komplexen Koronarläsionen einer Revaskularisation per PCI unterzogen worden sind. Die Zahl häufig schwieriger PCI-Prozeduren etwa zur Wiedereröffnung chronischer Koronarverschlüsse (CTO) habe deutlich zugenommen.

Literatur

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