Nachrichten 13.08.2020

So viele Deutsche leiden an ischämischen Herzerkrankungen

Mehr als 4 Millionen Deutsche leiden an einer ischämischen Herzerkrankung. Männer sind viel stärker betroffen und noch immer gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle.

Ischämische Herzerkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Doch nicht alle Deutschen sind davon gleichermaßen betroffen, wie die neuesten Ergebnisse der Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) deutlich machen.

Männer doppelt so häufig betroffen

So erkranken Männer viel häufiger an Angina, Herzinfarkt und anderen akuten wie chronischen ischämischen Herzerkrankungen wie Frauen: Die altersstandardisierte Prävalenz ist bei der männlichen Bevölkerung mit 8,0% im Jahr 2018 mehr als doppelt so hoch gewesen als bei der weiblichen Bevölkerung mit 3,9%.

Die geschlechterspezifischen Unterschiede haben sich in den letzten zehn Jahren weiter verstärkt. Seit 2009 sind ischämische Herzerkrankungen bei den Frauen kontinuierlich um 14% zurückgegangen (von 4,5% auf 3,9%), bei den Männern hingegen ist die Prävalenz bis 2014 weiter angestiegen (von 8,0% auf 8,2%). In den Folgejahren ist wieder ein Rückgang – wenngleich marginal – zu verzeichnen (auf 8,0% im Jahr 2018).

Starkes Ost-West-Gefälle

Große Unterschiede gibt es aber nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch regional. So sind die Menschen in den neuen Bundesländern überproportional häufig von ischämischen Herzerkrankungen betroffen. Selbst nach Altersstandardisierung war die Prävalenz in den östlichen Bundesländern am höchsten: mit 6,7% (ohne Berlin) gegenüber 5,3% im Westen Deutschlands.

Mit einer alters- und geschlechtsstandardisierten Prävalenz von 8,03% belegt Sachsen-Anhalt den traurigen Spitzenplatz, danach folgen Thüringen (6,80%), Brandenburg (6,72%) und Mecklenburg-Vorpommern (6,69%),

Wie lassen sich die regionalen Unterschiede erklären? Eine mögliche Ursache ist die Verteilung von Risikofaktoren. In den ostdeutschen Regionen seien lebensstilbezogene Risikofaktoren wie körperliche Inaktivität, erhöhter Alkoholkonsum und Adipositas häufiger vorzufinden, heißt es in dem Bericht.

Aber regionale Unterschiede werden kleiner

Als weiteren Grund weisen die Verfasser darauf hin, dass die Prävalenz in Baden-Württemberg und Bayern, die mit 4,52% und 5,06% am niedrigsten war, in dem Versorgungsatlas wahrscheinlich unterschätzt worden ist. In beiden Bundesländern würde eine derzeit nicht genau bestimmbare Zahl an gesetzlich Versicherten ambulant selektivvertraglich im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) versorgt, die in dieser Versorgungsform kodiert nicht in den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten erfasst werden, erläutern die Autoren um Jakob Holstiege eine Limitation ihrer Analyse.

Als positive Entwicklung zu vermelden ist, dass sich das Ost-West-Gefälle über die Jahre zunehmend abgeschwächt hat, da der Anteil Erkrankter im Osten in den letzten zehn Jahren stärker zurückgegangen ist als im restlichen Bundesgebiet.

Datenbasis der aktuellen Analyse sind die krankenkassenübergreifenden vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von 2009 bis 2018. Berücksichtigt wurden dabei Versicherte, die in mindestens zwei Quartalen eines Kalenderjahres eine als gesichert kodierte ischämische Herzerkrankung aufwiesen. Im Jahr 2018 traf das auf insgesamt 4,42 Millionen Deutsche zu.

Literatur

Holstiege J et al. Die ischämische Herzerkrankung in der vertragsärztlichen Versorgung Deutschlands – Zeitliche Trends und regionale Variationen; Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 20/04. DOI: 10.20364/VA-20.04

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Bildnachweise
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Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org