Nachrichten 27.07.2018

Stabile KHK: Was uns D-Dimere sagen können

Bei Patienten mit stabiler KHK könnte es sich lohnen, die D-Dimere zu bestimmen. Denn hohe Werte sagen viel über die Langzeitprognose der Patienten aus.

D-Dimere werden klassischerweise bei Verdacht einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie zurate gezogen. Fällt der Test negativ aus, können solche Ereignisse mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.

Eine aktuelle Analyse spricht nun dafür, dass es sich auch bei Patienten mit stabiler KHK lohnen könnte, die D-Dimere zu bestimmen.

„Bei Patienten mit stabiler KHK gingen hohe D-Dimer-Level mit einem signifikant erhöhtem Risiko für sowohl arterielle als auch venöse Gefäßerkrankungen nach sechs Jahren einher“, berichten Dr. John Simes und Kollegen in der Fachzeitschrift „Circulation“. Diese Assoziation war unabhängig von traditionellen kardiovaskulären und thromboembolischen Risikofaktoren –  insgesamt 30 an der Zahl – und auch unabhängig von anderen Biomarkern wie BNP, hs-CRP, Troponin I, Cystatin C und MR pro-ADM.

Zur Risikostratifizierung und Therapieentscheidung

In den Leitlinien wird die D-Dimer-Bestimmung in der Diagnostik eines akuten Koronarsyndroms aktuell nicht empfohlen, da es bis dato nicht ausreichend erwiesen war, dass der Thrombosemarker bei solchen Patienten einen unabhängigen Prognosefaktor darstellt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Daten könnten sich Simes und Kollegen vorstellen, die D-Dimere bei Patienten mit stabiler KHK zur Risikostratifizierung und als klinische Entscheidungshilfe heranzuziehen.

Ganz neu sind die Erkenntnisse aus dieser Analyse zwar nicht. Viele Studien hätten bereits hohe D-Dimer-Werte mit diversen Erkrankungen in Verbindung gebracht, geben die Studienautoren zu. Eindrucksvoll an der aktuellen Analyse ist aber, dass sich die D-Dimere über einen Zeitraum von 16 Jahren als unabhängiger hochsignifikanter Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod erwiesen haben.  

Die in Australien tätigen Mediziner haben sich die Daten der randomisierten LIPID-Studie zunutze gemacht. In dieser Studie wurden bei 7.863 Teilnehmer zu Studienbeginn und ein Jahr darauf die D-Dimere mittels eines hochsensitiven Assays bestimmt. Eigentliche Intention der Studie war die Wirksamkeit von Pravastatin 5 bis 38 Monate nach einem Herzinfarkt oder einer instabilen Angina gegenüber Placebo zu prüfen.

Wichtiger Hinweis auf Langzeitprognose

Bei einem hohen D-Dimer-Wert (> 273 ng/ml) war das Risiko für die Patienten, innerhalb der nächsten sechs Jahre ein schwerwiegendes koronares oder kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, um 45% höher als bei Patienten mit niedriger D-Dimer-Konzentration (≤ 112 ng/ml). Das Risiko für eine venöse Thromboembolie stieg um mehr als das Vierfache an.

Darüber hinaus ließ sich anhand der D-Dimer ablesen, wie hoch das Risiko der Patienten ist, innerhalb der nächsten 16 Jahre an einer kardiovaskulären Erkrankung, einer Tumorerkrankung oder weder an der einen noch der anderen Ursache zu versterben (Hazard Ratio für oberste vs. niedrigste Quartile; HR: 1,59; 1,58 und 1,70); die Gesamtsterblichkeit war um 65% erhöht.  

Statine und NOAKs bei hohen Werten?

Die Studienautoren vermuten deshalb, dass D-Dimere vor allem etwas über die Langzeitprognose eines Patienten verraten könnten und diesbezüglich gegenüber anderen Risikofaktoren einen Vorteil haben. Zudem könne man anhand des Biomarkers vielleicht besser einschätzen, welcher Patient von einer bestimmten Behandlung profitiert.

So war die „Number Needed to Treat“ für eine Pravastatin-Therapie bei Patienten mit hohen D-Dimer-Werten geringer als bei solchen mit niedrigen Werten. Patienten mit hohen Spiegeln würden wahrscheinlich auch von den neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) mehr profitieren, weil diese Medikamente an dem zugrunde liegenden Pathomechanismus ansetzen und ischämische wie auch thromboembolische Ereignisse verhindern könnten, argumentieren die Studienautoren. 

Sie weisen aber darauf hin, dass hohe D-Dimer-Werte wahrscheinlich eher nicht kausal an der Entstehung solcher Erkrankungen beteiligt sind, sondern eine Konsequenz der zugrunde liegenden Pathomechanismen darstellen, also z. B. die Folge einer erhöhten Gerinnungsaktivität, von Inflammationsprozessen und oxidativem Stress oder einer unkontrollierten Zellproliferation.

Wie Sie  D-Dimer-Tests in der Praxis korrekt einsetzen, erfahren Sie hier.

Literatur

Simes J, Robledo K, White H et al. D-dimer Predicts Long-Term Cause-Specific Mortality, Cardiovascular Events and Cancer in Stable Coronary Heart Disease Patients: The LIPID Study; Circulation. 2018 https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.117.029901

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