Skip to main content
main-content

20.06.2016 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Endovaskuläre Therapie

Stent-Graft-Implantation auch bei unkomplizierter Aortendissektion sinnvoll?

Autor:
Prof. Dr. Holger Eggebrecht

Ergebnissen einer aktuellen Studie aus China zufolge könnte eine prophylaktische Stent-Graft-Implantation auch bei jüngeren Patienten mit unkomplizierter Aortendissektion im Hinblick auf die Lebenserwartung von Vorteil sein.

Bei Patienten mit komplizierter Dissektion der descendierenden Aorta (Typ Stanford B) sind sich die Experten einig: Bei Zeichen einer Organ- oder Extremitätenmalperfusion, drohender Ruptur, refraktärer Hypertonie oder rekurrierenden Schmerzen wird die Stent-Graft-Implantation zum Verschluss der proximalen intimalen Einrissstelle (sog. TEVAR-Prozedur) in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft von 2014 klar empfohlen (Klasse I, Expertenkonsens).

Versorgung bei „unkomplizierter“ Dissektion noch unklar

Die optimale Versorgung von Patienten mit „unkomplizierter“ Typ-B-Dissektion ist dagegen weiterhin nicht klar geregelt. Eine aktuelle Analyse aus China liefert nun neue Langzeit-Daten, die für den prophylaktischen, minimalinvasiven Kathetereingriff sprechen könnten.

Die randomisierte INSTEAD Studie konnte im 2-Jahres-Verlauf keinen Vorteil für den Kathetereingriff gegenüber einer alleinigen medikamentösen Therapie bei Patienten mit unkomplizierter Dissektion zeigen [1]. In der Langzeitnachbeobachtung über 5 Jahre (INSTEAD-XL) wendete sich das Blatt zugunsten der mit Stent-Graft behandelten Gruppe. Sowohl die Gesamtsterblichkeit als auch eine Progression der Aortendissektion waren nach 5 Jahren seltener als in der medikamentös therapierten Gruppe [2].

Daten von 338 Patienten retrospektiv analysiert

Die nun im Journal of the American College of Cardiology publizierten Daten einer nicht randomisierten, retrospektiven Analyse aus China [3] könnten in eine ähnliche Richtung deuten. Quin und Kollegen haben insgesamt 338 Patienten mit unkomplizierter Aortendissektion bis zu 11 Jahre nachverfolgt, die in 3 chinesischen Zentren entweder mittels Stent-Graft (n = 184) oder medikamentös (n = 154) behandelt wurden. Stent-Graft Patienten waren jünger als medikamentös behandelte Patienten (58,8 vs. 62,9 Jahre; p = 0,12). Hinsichtlich der Komorbiditäten und Ausdehnung der Aortendissektion unterschieden sich die Patientengruppen nicht.

Die Durchführung der Stent-Graft-Implantation war überraschend sicher, was insbesondere vor dem Hintergrund des letztlich prophylaktischen Eingriffs von besonderer Bedeutung ist. Die Eingriffs-assoziierte Sterblichkeit (30 Tage) betrug 0,5 % (1 von 184 Patienten). Schwere Komplikationen waren selten (Schlaganfall: 0,5 %).

Langzeitsterblichkeit nur halb so hoch

Die Langzeitsterblichkeit war in der Stent-Graft-Gruppe nahezu um die Hälfte niedriger als in der medikamentös behandelten Gruppe (10,2 vs. 20,1 %; p = 0,030). Dabei waren vor allem Todesursachen in Bezug zur Aortendissektion seltener als in der medikamentösen Gruppe (4,3 vs. 12,3 %). Auch die Rate an schwerwiegenden aortenbezogenen Ereignissen/Komplikationen war in der Stent-Graft-Gruppe signifikant niedriger als in der alleinig medikamentös behandelten Gruppe (23,9 vs. 38, 3%; p = 0,005). Vor allem die Aortenruptur trat in der Stent-Graft-Gruppe deutlich seltener auf (3,3 vs. 12,3 %).

Die Autoren fassen entsprechend zusammen, dass die prophylaktische Stent-Graft-Implantation für jüngere Patienten mit unkomplizierter Aortendissektion im Hinblick auf die längere Lebenserwartung günstig sein könnte. 

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

Aus der Kardiothek

04.02.2019 | Quiz | Onlineartikel

Mann mit Dyspnoe – was sehen Sie im CT?

Kardiale Computertomographie bei einem 63-jährigen Patienten mit Dyspnoe. Was ist zu sehen?

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Non-Compaction-Kardiomyopathie oder nicht? Knifflige Fälle aus dem klinischen Alltag

Non-Compaction-Kardiomyopathien sind nicht immer eindeutig von anderen Formen abzugrenzen. In seinem Vortrag geht Prof. Dr. Benjamin Meder, Heidelberg, auf die unterschiedliche Ätiologie und Diagnostik ein und stellt verschiedene schwierige Fälle vor. 

23.01.2019 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Das Wichtigste in Kürze zur hypertrophischen Kardiomyopathie

2014 wurde erstmals eine ESC-Leitlinie zur hypertrophischen Kardiomyopathie (HCM) publiziert. Prof. Dr. Nobert Frey, Kiel, fasst das Wichtigste zu Differentialdiagnose und Therapie der HCM zusammen, erläutert die Kriterien für den Einsatz eines ICD-Systems und gibt Tipps für den ärztlichen Alltag. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise