Nachrichten 05.11.2021

Lässt sich Stentimplantation mit OCT-Bildgebung personalisieren?

Wurde die OCT-Bildgebung im Rahmen von PCI-Prozeduren bei ausgewählten Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) und nicht-obstruktiven Koronarläsionen genutzt, ging dies in der EROSION-III-Studie mit einer niedrigeren Rate an Stentimplantationen einher.  

Patienten mit akutem Myokardinfarkt bekommen bei der perkutanen Koronarintervention (PCI) einen Koronarstent ins Infarktgefäß implantiert, das ist unbestrittener Standard. Aber ist das wirklich immer zwingend? In der jetzt beim Kardiologenkongress TCT 2021 vorgestellten, randomisierten EROSION-III-Studie sind chinesische Forscher dieser Frage nachgegangen. Sie haben untersucht, ob mittels optischer Kohärenztomographie (OCT), die genaueren Aufschluss über die Mechanismen der Infarktentstehung geben kann, Patienten identifiziert werden können, bei denen auf einen Stent verzichtet werden kann.

Differenzierung zwischen Plaque-Rupturen und -Erosionen

Hintergrund der EROSION-III-Studie ist die Beobachtung, dass insbesondere junge Patientinnen und Patienten bei einem akuten Myokardinfarkt häufiger keine Plaque-Rupturen als Entstehungsmechanismus aufweisen, sondern Plaque-Erosionen, die nicht-obstruktiv sind und auch oft nicht mit Cholesterinstoffwechselstörungen assoziiert sind.

Dementsprechend habe sich die EROSION-III-Studie auf Patienten mit STEMI konzentriert, bei denen die infarktrelevante Koronarläsion (Culprit Lesion) nach Thrombusabsaugung einen Stenosegrad ≤ 70% aufwies, erläuterte Dr. Haibo Jia von der Medizinischen Universität in Harbin, China, beim TCT-Kongress 2021. Die Studienteilnehmer mussten außerdem hämodynamisch stabil sein und durften weder eine Hauptstamm- noch eine 3-Gefäßerkrankung haben. Zudem waren nur Infarkte im Kontext von De-novo-Stenosen „erlaubt“.

Keine Stenting im Fall von Plaque-Erosionen

Die im Mittel 55-jährigen Infarktpatienten, insgesamt 235, wurden randomisiert entweder einer konventionellen Behandlung allein auf Basis der Koronarangiografie oder einer OCT-geführten Versorgung zugeteilt, bei der im Fall von Plaque-Erosionen und außerdem bei Koronarspasmus und bei spontaner koronararterieller Dissektion (SCAD) auf eine Stentimplantation verzichtet wurde.

Primärer Endpunkt war die Rate an Stentimplantationen im Rahmen der primären PCI. Schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) bildeten den primären Sicherheitsendpunkt, definiert als kardialer Tod, erneuter Myokardinfarkt, Revaskularisierung der Zielläsion oder Krankenhauseinweisung wegen instabiler Angina pectoris innerhalb von 30 Tagen.

Signifikant weniger Stentimplantationen in der OCT-Gruppe

Im Ergebnis wurden in der OCT-Gruppe 44% der Patienten direkt mit einem Stent versorgt, in der Gruppe mit rein angiografischer Stenosebewertung waren es 59%. Die OCT-Bildgebung ging damit mit einer signifikant um 15% niedrigeren Rate an Stentimplantationen einher (p=0,024). Dieser Unterschied fand keinen Niederschlag im primären Sicherheitsendpunkt, wo sich Interventions- und Kontrollgruppe nicht statistisch signifikant unterschieden.

Jia wies allerdings darauf hin, dass die Studie nicht groß genug war, um die Häufigkeit klinischer Ereignisse zuverlässig abzuschätzen. Hierzu sei eine größere Studie nötig. Diese lohne sich, weil möglicherweise durch die OCT-Kontrolle bestimmten Infarktpatienten Stents und die anschließende duale Plättchenhemmung erspart werden könnten.

Literatur

Jia H. EROSION III: A Randomized Trial of OCT-Guided Intervention in STEMI Patients With Early Infarct Artery Patency. Late-Breaking Clinical Science Session I; TCT-Kongress 2021, Orlando, 4. – 6.  November 2021.

Highlights

Neuer Podcast: Kardiovaskuläre Prävention – zwischen Mythen und Fakten

Neuer Podcast auf Kardiologie.org! In der zweiten Ausgabe mit Prof. Ulrich Laufs geht es um gängige Irrtümer in der kardiovaskulären Prävention, um immer neue Empfehlungen zu Eiern und um die Frage: Statine – ja oder nein?

Herzkongress mit wöchentlichen Vorträgen

Der DGK.Online-Kongress 2022 geht weiter: Jede Woche erwarten Sie wieder spannende Live-Vorträge aus der Herz-Kreislauf-Medizin, viele davon CME-zertifiziert. Nehmen Sie teil und sammeln Sie live CME-Punkte!

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Myokarditis nach COVID-19-Impfung: Viel bessere Prognose als nach Virusmyokarditis

Myokarditis ist nicht gleich Myokarditis – das zeigen neue Daten aus Hongkong: Das Sterberisiko nach impfassoziierten Myokarditiden war nämlich um ein vielfaches geringer als nach viralbedingten Herzmuskelentzündungen. Das ist beruhigend, wenngleich sich über die Vergleichsgruppe streiten lässt.

Metaanalyse: ADHS-Medikamente bergen keine Gefahr für das Herz

Der Verdacht steht im Raum, dass Medikamente zur ADHS-Therapie das kardiovaskuläre Risiko erhöhen könnten. Die Ergebnisse einer Metaanalyse mit knapp 4 Millionen Teilnehmern sorgen nun für Beruhigung, wenngleich die Autoren nicht alle Unsicherheiten klären konnten. 

Neue TAVI-Aortenklappe mit gutem Leistungsprofil in der Praxis

Ein neues und technisch verbessertes Klappensystem für die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) hat im Hinblick auf Sicherheit und Effektivität in einer Registeranalyse gute Leistungsmerkmale gezeigt.

Aus der Kardiothek

Influenzaimpfung in der kardiologischen Praxis: Tipps zur Umsetzung und Abrechnung

Auch in der kardiologischen Praxis können Patienten/Patientinnen gegen Influenza geimpft werden. Prof. Jörg Schelling erläutert, was Sie bei der Umsetzung beachten sollten und gibt Tipps zur Abrechnung.

Update Amyloidose: Red Flags, Diagnose und Therapie

Die Dunkelziffer bei der ATTR-Amyloidose ist groß. Umso wichtiger ist es, dass Kardiologen/Kardiologinnen die typischen Beschwerden kennen und erkennen. Prof. Wilhelm Haverkamp gibt Tipps zur Diagnosestellung und Behandlung und klärt wichtige Fragen zur Erstattung.

Hätten Sie es erkannt?

Intravaskuläre koronare Bildgebung mittels optischer Kohärenztomografie eines 46-jährigen Patienten nach extrahospitaler Reanimation bei Kammerflimmern. Was ist zu sehen?

Neueste Kongressmeldungen

Welche Antikoagulation bei Dialyse-Patienten mit Vorhofflimmern?

Apixaban scheint in der Antikoagulation bei Patienten mit dialysepflichtigem Nierenversagen und Vorhofflimmern ebenso wirksam und sicher zu sein wie ein Vitamin-K-Antagonist. Das legen Ergebnisse der deutschen AXADIA-AFNET-8-Studie nahe.

Schwere PAVK: Ist Bypass-OP hier vorteilhafter als endovaskuläre Therapie?

Ohne Revaskularisation droht PAVK-Patienten mit kritischer Extremitätenischämie die Amputation. Welches Verfahren – chirurgischer Bypass oder endovaskuläre Therapie – ist dann die beste Wahl? Die randomisierte BEST-CLI-Studie liefert dazu jetzt evidenzbasierte Entscheidungshilfe.

Was nützt spezielles Fischöl ergänzend zur Statintherapie?

Neue Daten zur Wirksamkeit eines speziellen Fischöls (Icosapent-Ethyl) heizen die Debatte um diese Therapieoption erneut an. In der RESPECT-EPA-Studie deutet sich ein prognostischer Nutzen an, das Ergebnis dürfte in Deutschland aber erstmal keine bedeutsame Rolle für die Praxis spielen.

Neueste Kongresse

DGK.Herztage 2022

Vom 29.9.-1.10.2022 finden die DGK.Herztage in Bonn statt.

TCT-Kongress 2022

Hier finden Sie die Highlights der Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference 2022, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

DGK-Jahrestagung 2022

„Neue Räume für kardiovaskuläre Gesundheit“ – so lautet das diesjährige Motto der 88. Jahrestagung. Alle Infos und Berichte im Kongressdossier.

Podcast-Logo
DGK.Online 2022/© DGK
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org
Kardio-Quiz Oktober 2022/© PD Dr. Daniel Bittner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
DGK.Herztage 2022/© DGK
TCT-Kongress 2022/© mandritoiu / stock.adobe.com
DGK Jahrestagung 2022/© m:con/Ben van Skyhawk