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16.10.2017 | Ischämische Herzerkrankungen/Koronare Herzkrankheit, KHK | Nachrichten

Keine Option für künftige Lipidtherapie

Trotz positiver Studiendaten: CETP-Hemmer Anacetrapib am Ende

Autor:
Peter Overbeck

Der CETP-Hemmer Anacetrapib  wird in der Lipidtherapie künftig wohl keine Rolle spielen. Trotz positiver klinischer Ergebnisse der Mega-Studie REVEAL will der Hersteller  keine Marktzulassung  für sein Produkt bei den zuständigen Behörden beantragen.

Das US-Unternehmen Merck – in Deutschland MSD – hat sich dagegen entschieden, einen Zulassungsantrag für seinen CETP-Hemmer Anacetrapib  einzureichen. Diese Entscheidung sei „nach einer gründlichen Überprüfung des klinischen Profils von Anacetrapib, einschließlich Diskussionen mit externen Experten“ getroffen worden, teilt das Unternehmen mit.

Die Entscheidung  ist keine wirkliche Überraschung. Zwar war in der jüngst beim ESC-Kongress vorgestellten  Mega-Studie REVEAL  gezeigt worden, dass Anacetrapib – ein Wirkstoff, der das Cholesterinester-Transferprotein (CETP) hemmt und darüber das HDL-Cholesterin massiv erhöht und zugleich das LDL-Cholesterin reduziert – bei Risikopatienten mit atherosklerotischen  Gefäßerkrankungen die Inzidenz von Koronarereignissen signifikant verringert. Die additiv zu einer intensiven Statin-Therapie erzielte Risikoreduktion war jedoch relativ moderat

REVEAL offenbart nur moderaten Nutzen

In  REVEAL war durch  Anacetrapib im  Verlauf von rund vier Jahren die Inzidenz von  schwerwiegenden Koronarereignissen (Primärer Endpunkt: koronar verursachter Tod, Myokardinfarkt, koronare Revaskularisation) im Vergleich zu Placebo relativ um 9% verringert worden. Ausschlaggebend  dafür war die signifikante Abnahme von Myokardinfarkten um 13%  Die Rate für koronar bedingte Todesfälle bleib unbeeinflusst. . Angesichts dieser Ergebnisse hat sich der Hersteller  wohl nur relativ geringe Marktchancen für sein Produkt ausgerechnet.

In REVEAL hatte Anacetrapib  die HDL-Spiegel der damit behandelten Teilnehmer in etwa verdoppelt. Als relevant  für die klinische Wirkung wird allerdings die gleichzeitige Reduktion des mittleren LDL-Wertes von initial  61 mg/dL auf  38 mg/dL erachtet.

Anacetrapib ist der einzige unter mehreren klinisch getesteten CETP-Hemmern, der in einer großen Endpunktstudie erfolgreich war. Mit Torcetrapib, Dalcetrapib und Evacetrapib hatten zuvor drei andere CETP-Hemmer hinsichtlich ihrer klinischen Wirksamkeit allesamt enttäuscht.

Kapitel CETP-Hemmung noch nicht ganz beendet

Ganz beendet ist das Kapitel CETP-Hemmung in der klinischen Lipidforschung mit dem Ende von Anacetrapib aber noch nicht. Denn zumindest das nach den enttäuschenden Ergebnissen der dal-OUTCOME-Studie vermeintlich wirkungslose Dalcetrapib wird auf Initiative eines Start-up-Unternehmens noch weiter erforscht. Hier besteht die Hoffnung, dass bestimmte Gene den Weg zu den „richtigen“ Patienten für diese Therapie weisen könnten.

Nach Gentypisierung von Teilnehmern der dal-OUTCOME-Studie hat sich nämlich herausgestellt, dass zumindest eine Subgruppe – es handelt sich um Patienten, die homozygot für eine Variante (rs1967309) im ADCY9-Gen sind – von der Dalcetrapib-Therapie profitiert hatten. In einer laufenden Phase-III-Studie (dal-GenE) wird deshalb bei rund 5.000 Patienten mit akutem Koronarsyndrom und entsprechendem Genotyp geprüft, ob eine auf Genbasis entsprechend individualisierte Dalcetrapib-Therapie von substanziellem Nutzen ist.

Literatur

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