Nachrichten 01.12.2016

US-Bevölkerung: Das Lipidprofil wird immer besser

In den letzten anderthalb Jahrzehnten ist das Lipidprofil in der US-Bevölkerung anscheinend immer besser geworden. Seit 2011 hat sich der Rückgang der Cholesterin- und Triglyzeridwerte neuesten Daten zufolge sogar noch beschleunigt. Und das liegt nicht allein an der vermehrten Einnahme von Lipidsenkern.

In den USA zeichnet sich bei den Lipidwerten in der Bevölkerung schon seit geraumer Zeit ein günstiger Trend ab. Gesamt- und LDL-Cholesterinwerte sind ebenso wie die Triglyzeridwerte seit mehr als einem Jahrzehnt rückläufig. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Lipiddaten aus der NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey)-Erhebung bei einer repräsentativen Stichprobe der US-Bevölkerung hervor.

Zeitraum von 1999 bis 2014 erfasst

Ziel dieses Surveys ist, den Gesundheits- und Ernährungszustand der Bevölkerung in den USA sowie dessen Veränderungen über die Zeit zu dokumentieren. Seit 1999 sind in insgesamt acht jeweils zweijährigen Erhebungszyklen unter anderem auch Lipiddaten von fast 40.000 erwachsenen US-Bürgern erfasst worden. Auf Basis dieser Daten hat eine Forschergruppe um Dr. Asher Rosinger aus Hyattsville nun die zeitlichen Trends für Gesamt- und LDL-Cholesterin- sowie Triglyzeridspiegel zwischen 1999 und 2014 ermittelt.

Erfreuliche Trends

Diese Trends sind sehr erfreulich. Lag etwa der mittlere Gesamtcholesterinwert im Erhebungszeitraum 1999/2000 noch bei 204 mg/dl, betrug er 2013/2014 nur noch 189 mg/dl – ein signifikanter Unterschied. Mit Blick auf das LDL-Cholesterin war in der selben Zeit ein ebenfalls signifikanter Abfall von 126 mg/dl auf nur noch 111 mg/dl zu verzeichnen. Und auch der mittlere Triglyzeridspiegel war mit 123 mg/dl vs. 97 mg/dl am Ende signifikant niedriger als zu Beginn der vorgenommenen Erhebungen.

In den letzten vier Jahren des Beobachtungszeitraums scheint sich der Trend in Richtung günstigere Lipidwerte sogar noch beschleunigt zu haben. Allein in der Zeit zwischen 2011/2012 und 2013/2014 sanken der mittlere Gesamtcholesterinspiegel um 6 mg/dl, der LDL-Spiegel um 4 mg/dl und der Triglyzeridspiegel um 13 mg/dl.

Verbesserung auch unabhängig von Lipidsenker-Verordnung

Wer glaubt, dass sich in diesen Trends vor allem die zunehmende Verordnung von Lipidsenkern wie  Statine widerspiegelt, liegt wohl falsch. Denn eine für entsprechende Medikamenteneinnahme adjustiere Analyse ergab keine Unterschiede in den linearen Trend. In der Gruppe ohne Lipidsenker-Verordnung war die in den letzten vier Jahren festgestellte Verbesserung des Lipidprofils sogar ausgeprägter als bei cholesterinsenkend behandelten Personen.

Die Gründe hinter den beobachteten Trends lassen sich aus der Studie selbst nicht erschließen. Gleichwohl spekulieren die Autoren, dass etwa die Eliminierung von Trans-Fettsäuren aus Lebensmitteln eine mögliche Erklärung sein könnte.

Die Frage ist nun, ob den günstigen Trends bei den gemessenen Laborwerten ebenso günstige Trends in der Entwicklung von kardiovaskulären Erkrankungen in der Bevölkerung folgen werden. Die Studienautoren sehen jedenfalls gute Gründe, dass sich der bereits sichtbare Trend zur Abnahme der durch Koronarerkrankungen bedingten Mortalität weiter fortsetzen wird.

Literatur


Rosinger A, et al.: Trends in total cholesterol, triglycerides, and low-density lipoprotein in US adults, 1999-2014. JAMA Cardiol. 2016; online 30. November

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Das könnte Sie auch interessieren

Sollte man sehr alte NSTEMI-Patienten invasiv behandeln?

Bei über 80-jährigen Patienten mit einem Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) ist der Nutzen einer Revaskularisation bisher wenig erforscht. Eine randomisierte Studie sollte diese Evidenzlücke schließen. Das Ergebnis lässt allerdings Raum für Interpretation.

Welche Vorteile eine verlängerte VTE-Prophylaxe mit Rivaroxaban bietet

Eine verlängerte Prophylaxe mit Rivaroxaban senkt bei wegen internistischen Akuterkrankungen hospitalisierten Patienten signifikant das Risiko sowohl für venöse als auch arterielle thrombotische Ereignisse, ergab eine neue Analyse der MARINER-Studie. 

Schmerzen von Herzinfarkt-Patienten besser mit Paracetamol behandeln?

Patienten mit akutem Koronarsyndrom erhalten häufig Opioide gegen ihre Schmerzen. Doch diese Analgetika können mit der Antiplättchentherapie interagieren. Wissenschaftler haben nun die Eignung eines alternativen Schmerzmittels geprüft.  

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind kardiovaskulär vorerkrankte Patienten besonders gefährdet, welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker nun wirklich und was passiert mit dem Herz-Kreislaufsystem im Rahmen eines schweren COVID-19-Verlaufs? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité in diesem Webinar.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH