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03.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Vorhofflimmern plus Diabetes:

Ist Blutzuckereinstellung prädiktiv für das Schlaganfallrisiko?

Autor:
Peter Overbeck

Bei Patienten mit Vorhofflimmern erhöht ein gleichzeitig bestehender Diabetes mellitus bekanntlich das Schlaganfallrisiko. Ist dabei die Qualität der Blutzuckereinstellung von prädiktiver Bedeutung? Anscheinend nicht, wie neue Ergebnisse einer großen Beobachtungsstudie nahelegen. Wichtiger ist wohl die Diabetesdauer.

Bei Vorhofflimmern besteht erhöhte Gefahr für einen ischämischen Schlaganfall. Ein anerkannter Risikomarker, der in gebräuchlichen Scores wie CHAD2S2-VASc zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmern stets präsent ist, ist Diabetes mellitus. Allerdings ist nicht ganz klar, welche Aspekte der Diabeteserkrankung eigentlich mit der Zunahme des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmern assoziiert sind.

Ist es mehr die Diabetesdauer oder die dauerhafte Hyperglykämie infolge einer schlechten Blutzuckereinstellung? Diese Frage hat sich eine Gruppe von US-Forschern um Dr. Jeffrey Ashburner aus Boston gestellt – und nach Antworten auf der Grundlage von Daten der ATRIA-Kohorte (Anticoagulation and Risk Factors in Atrial Fibrillation) gesucht.

ATRIA umfasste insgesamt 13.557 erwachsene Patienten mit gesichertem nicht-valvulärem Vorhofflimmern. Im Fokus der aktuellen Analyse, für die Daten von 2.101 Patienten herangezogen wurden, standen Zeitperioden, in denen keine Antikoagulation erfolgte. Anhand von Daten dieser Patienten, die im Zeitraum zwischen 1997 und 2003 erhoben worden waren, ermittelten Ashburner und sein Team, wie hoch das Schlaganfallrisiko in Abhängigkeit sowohl von der Diabetesdauer als auch der Höhe der HbA1c-Werte war. Bei 40 Prozent der Teilnehmer betrug die Dauer der Erkrankung weniger und bei 60 Prozent mehr als drei Jahre. Die Blutzuckereinstellung wurde danach beurteilt, ob der HbA1c-Wert im Bereich über 9%, zwischen 7% und 8,9% oder unter 7% lag.

Diabetesdauer machte einen Unterschied

Die Diabetesdauer machte tatsächlich einen Unterschied aus: Patienten mit länger als drei Jahre bestehendem Diabetes hatten ein relativ um 74 Prozent höheres Schlaganfallrisiko als Patienten mit kürzerer Dauer (Hazard Ratio: 1,74). Diese Risikoerhöhung war bei älteren (75 Jahre und älter) als auch jüngeren Patienten zu beobachten.

Dagegen war weder eine schlechte Glykämiekontrolle mit HbA1c-Werten über 9% (adjustierte Hazard Ratio: 1,04) noch eine weniger stark ausgeprägte Hyperglykämie mit HbA1c-Werten zwischen 7% und 8,9% (Hazard Ratio: 1,21) in Relation zur Normoglykämie mit einem signifikant erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle assoziiert.

Abweichung von anderen Studien

In anderen Studien war hingegen sehr wohl eine signifikante Assoziation von erhöhten HbA1c-Werten mit einer Zunahme von Schlaganfällen beobachtet worden – allerdings vorwiegend bei Patienten ohne Vorhofflimmern. Ashburner und sein Team bieten als mögliche Erklärung für diese Inkonsistenz an, dass bei Personen mit und ohne Vorhofflimmern unterschiedliche Mechanismen der Entstehung von Schlaganfällen zugrunde liegen: Bei Personen ohne Vorhofflimmern seien es eher atherosklerotische Veränderungen, bei Personen mit Vorhofflimmern eher kardio-embolische Prozesse.

Literatur