Onlineartikel 16.01.2015

Ist längerfristige Prävention mit Ticagrelor von Vorteil?

Das Unternehmen AstraZeneca meldet den positiven Ausgang einer großen Interventionsstudie zur Wirksamkeit des Thrombozytenhemmers Ticagrelor. Diese Studie könnte das Potenzial haben, die medikamentöse Langzeitprävention nach Myokardinfarkt künftig zu verändern.

In der Megastudie PEGASUS-TIMI 54 ging es um die Frage, ob eine längerfristige antithrombotische Behandlung mit Ticagrelor , die über einen Zeitraum von 12 Monaten nach akutem Myokardinfarkt hinausgeht, die Prognose der Patienten verbessern würde.

Für die Studie sind zwischen Oktober 2010 und April 2013 insgesamt 21.162 KHK-Patienten rekrutiert worden, die mindestens ein Jahr und maximal drei Jahre vor Aufnahme in die Studie einen Herzinfarkt erlitten hatten. Im Median lag das Ereignis 1,7 Jahre zurück.

Zwei Dosisregime geprüft

Die Studienteilnehmer sind randomisiert drei Gruppen zugeteilt worden und in der Folge mit Ticagrelor (60 mg oder 90 mg zweimal täglich) oder Placebo behandelt worden – jeweils auf Basis einer Behandlung mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS, 75–150 mg/Tag).

Die Studie sollte den Nachweis erbringen, dass Ticagrelor im Vergleich zur alleinigen Plättchenhemmung mit ASS das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (primärer kombinierter Endopunkt: kardiovaskulär bedingter Tod, Reinfarkt, Schlaganfall) verringert. Dieses Ziel ist anscheinend erreicht worden.

„Wirksamkeitsendpunkt erreicht“

Wie der Studiensponsor AstraZeneca jetzt informiert, hat die Studie „ihren Wirksamkeitsendpunkt erreicht“, und zwar für beide Dosierungen.

Detaillierte Ergebnisse werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht präsentiert. Insofern lässt sich noch nicht beurteilen, in welcher Relation die vermutliche Reduktion ischämischer Ereignisse zum Blutungsrisiko steht. Bezüglich der Sicherheit teilt AstraZeneca lediglich mit, dass es keine unerwarteten Probleme gegeben habe.

Die vollständigen Ergebnisse sollen noch 2015 auf einem Medizinerkongress vorgestellt werden.

Diskussion über optimale Dauer der DAPT

Gerade in jüngster Zeit ist die Diskussion über die optimale Dauer der dualen Plättchenhemmung (Duale Anti-Plättchen-Therapie, DAPT) bei Koronarpatienten durch neue Studiendaten angefacht worden. Im Blickpunkt steht dabei vor allem die Mitte November 2014 beim Kongress der American Heart Association (AHA) vorgestellte DAPT-Studie.

In dieser Studie sind zwei DAPT-Regime (Clopidogrel oder Prasugrel plus ASS) von 12- oder 30-monatiger Dauer nach Stent-Implantation verglichen worden. Gezeigt wurde, dass die längerfristige im Vergleich zur kürzeren Behandlung nicht nur späte Stentthrombosen (0,4 versus 1,4 Prozent), sondern auch Herzinfarkte jeweils signifikant verringerte (2,1 versus 4,1 Prozent).

Kehrseite dieser Reduktion war aber eine signifikante Zunahme von Blutungskomplikationen. Ob die duale Plättchenhemmung nach Stent-Implantation besser von kürzerer oder längerer Dauer sein sollte, bleibt deshalb nach den Ergebnissen dieser Studie eine individuelle Entscheidung.

Hilfe bei individueller Therapieentscheidung?

Eine wichtige Entscheidungshilfe kann hier möglicherweise künftig die PEGASUS-TIMI-54-Studie liefern. Ihr jetzt bekannt gewordenes positives Ergebnis scheint dafür zu sprechen, dass vor allem Patienten mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte von einer Verlängerung der DAPT über 12 Monate hinaus profitieren.

Das hat sich übrigens schon in der 2006 publizierten CHARISMA-Studie angedeutet. In dieser großen Studie ist bekanntlich eine längerfristige DAPT, bestehend aus Clopidogrel plus ASS, in ihrer Wirksamkeit bei rund 15.600 Patienten mit koronarer, peripherer oder zerebrovaskulärer Gefäßerkrankung geprüft worden. Die mediane Behandlungsdauer betrug 28 Monate.

Insgesamt konnte im Vergleich zur ASS-Behandlung kein signifikanter Zusatznutzen der DAPT nachgewiesen werden. Eine Post-hoc-Analyse ergab aber im Nachhinein zumindest bei Patienten mit Herzinfarkt eine signifikante Reduktion von ischämischen Ereignissen.

Literatur

Pressemitteilung des Unternehmens AstraZeneca vom 14. Januar 2015