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26.05.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Große Kohortenstudie

Jeder vierte Herzinfarktpatient entwickelt eine Herzinsuffizienz

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Innerhalb von vier Jahren nach einem ersten Myokardinfarkt entwickelte ein Viertel der Patienten eine Herzinsuffizienz. Zu den Risikofaktoren gehörten Alter, sozioökonomischer Status und Komorbiditäten wie Diabetes oder Bluthochdruck.

In einer Kohortenstudie mit fast 25.000 Patienten wurden die Inzidenz sowie die prognostischen Faktoren für das Auftreten von Herzinsuffizienz nach primärem Myokardinfarkt analysiert. Das haben Untersucher auch schon in früheren Studien getan. Doch stammen diese zumeist noch aus der Ära der Thrombolyse-Therapie beim akuten Myokardinfarkt. Sie ist inzwischen von der frühen invasiven Revaskularisation mittels Herzkatheter und Stent als Standard abgelöst worden.

Alle in der aktuellen Studie erfassten Patienten (> 18 Jahre) hatten zwischen 1998 und 2010 zum ersten Mal einen Myokardinfarkt erlitten und wiesen in der Vorgeschichte keine Herzinsuffizienz auf. Basierend auf dem englischen Programm CALIBER (CArdiovascular research using LInked Bespoked studies and Electronic health Records) wurden Patientendaten aus Arztpraxen mit Hospitalisierungsraten und nationalen Registerdaten für Myokardinfarkte und Sterblichkeit korreliert.

Inzidenzrate lag bei 24,3 %

Die Ergebnisse dieser Analyse prospektiv gesammelter elektronischer Gesundheitsdaten hat Dr. Johannes Gho, Utrecht, Niederlande, beim Kongress Heart Failure 2016 der European Society of Cardiology (ESC) in Florenz vorgestellt. Danach trat bei 24,3 % der Patienten (n = 6.005) nach einer durchschnittlichen Follow-up-Dauer von 3,7 Jahren eine Herzinsuffizienz auf. Das entspricht einer Inzidenzrate von 66,1 Fällen pro 1.000 Patientenjahre (95%-Konfidenzintervall: 64,4–67,8).

Laut Gho blieb diese Quote im Beobachtungszeitraum relativ stabil, was nach seiner Ansicht auf zwei konkurrierende Trends zurückzuführen sein könnte: So sei die rasche interventionelle Revaskularisation bei Myokardinfarkt weiter verbessert worden, wodurch das Herzinsuffizienz-Risiko einerseits reduziert werde. Andererseits überlebten aufgrund dieser verbesserten Akuttherapie mehr Patienten selbst schwere Myokardinfarkte, die dann im weiteren Verlauf eine Herzinsuffizienz entwickeln können.

Alter und sozialer Status als Risikofaktoren

Als Risikofaktor für das Auftreten der Herzinsuffizienz nach primärem Myokardinfarkt spielte vor allem das Alter eine wichtige Rolle, mit einem Risikoanstieg um 45 % alle 10 Jahre. Auch der sozioökonomische Status beeinflusste das Risiko: Patienten mit einem niedrigerem Status (5. Quintile) hatten ein um 27 % höheres Risiko als solche mit besseren Lebensumständen (1. Quintile). Die Komorbiditäten Diabetes, Vorhofflimmern, PAVK, COPD, initialer Myokardinfarkt mit ST-Streckenhebung (STEMI) oder Bluthochdruck steigerten das Herzinsuffizienzrisiko um jeweils 44, 63, 38, 28, 21 oder 16 %.

Die gleichen Risikofaktoren hatten auch schon andere große Studien, die Herzinsuffizienz-Inzidenzen jeglicher Ursache untersuchten, identifiziert. Damit bestätigt die aktuelle Kohortenstudie die Bedeutung der entsprechenden Faktoren auch für Myokardinfarktpatienten. Gho hofft, dass sich mit diesen Prädiktoren künftig das Risiko Betroffener besser vorhersagen und damit eine frühzeitige Therapie zur Risikoreduktion einleiten lässt.

Literatur

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