Onlineartikel 02.09.2014

Junge Übergewichtige stehen unter Druck

Übergewichtige oder fettleibige Kinder und Jugendliche haben ein deutlich höheres Risiko für Bluthochdruck als Gleichaltrige mit normalem Gewicht. Das zeigen Ergebnisse aus der PEP Family Heart Study, die Professor Peter Schwandt aus München beim ESC-Kongress in Barcelona vorgestellt hat.

Übergewicht ist eine Hauptursache kardiovaskulärer Erkrankungen und nimmt in den meisten Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen weiter zu. Ausgewertet wurden die Daten von 22.051 jungen Menschen zwischen 3 und 18 Jahren im Prevention Education Program (PEP) der Family Heart Study, einer Nürnberger Beobachtungsstudie aus den Jahren 1994 bis 2008. Im Fokus stand die Frage nach dem Zusammenhang von Körperfettverteilung und Hypertonie.

Bei allen Teilnehmern wurden Blutdruck, Body Mass Index (BMI), Taillenumfang, Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße, Hautfaltendicke (SFT) und prozentualer Körperfettgehalt (BF) gemessen. Diese Werte sind einfach, risikofrei und kostengünstig zu ermitteln, müssen aber alters- und geschlechtsspezifisch ausgewertet werden, so Schwandt.

Höheres Risiko für Prä-Hypertonie

Gegenüber normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen im gleichen Alter zeigte sich bei erhöhtem BMI ein signifikant größeres Prä-Hypertonie-Risiko: Bei Jungen und Mädchen mit Übergewicht um den Faktor 1,6 bzw. 1,8 und bei adipösen Jungen und Mädchen um den Faktor 2,4 bzw. 3,3.

Noch stärker war eine ungünstige Fettverteilungsmusters mit dem Bluthochdruckrisiko assoziiert, dabei ergab sich für adipöse männliche Kinder und Jugendliche eine 4,3- und für weibliche Kinder und Jugendliche eine 5,9-fache Erhöhung des Risikos.
Die Prävalenz für Prähypertonie/Hypertonie stieg mit dem Körpergewicht und lag für Normalgewichtige, Übergewichtige und Adipöse bei 13,2/ 5,7%, 18,3/10,4% und 21,9/18,6% bei Jungen und 12,9/5,0%, 18,7/9,1% und 24,9/24,4% bei Mädchen.

Gewichtsreduktion kann helfen

Die Zunahme des Hypertonierisikos korrelierte ebenfalls mit der zunehmender Hautfaltendicke, höherem prozentualem Körperfettanteil und mehr abdominellem Fett. Allerdings ist im Gegensatz zu Daten von Erwachsenen abdominelles Fett bei Jüngeren kein größerer Risikofaktor als starkes Übergewicht insgesamt.
Schwandt betonte, dass bei den steigenden Prävalenzen von Übergewicht und Hypertonie und dem klaren Zusammenhang dieser beiden Faktoren bei jungen Menschen jede Form von Gewichtsreduktion durch einen gesünderen Lebensstil hilft, das Bluthochdruckrisiko zu senken.


Literatur

basierend auf: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC) vom 30.8.-3.9.2014 in Barcelona

Literatur: Schwandt P et al. Body fat distribution and elevated blood pressure in 22051 youths: The pep family heart study. Abstract Nr. P2992