Onlineartikel 16.09.2015

Kardiale Bio-Matrix ohne Wirkung auf LV-Remodelling nach Infarkt

Die mechanische Stärkung der geschwächten Ventrikelwand nach großen Herzinfarkten durch Injektion einer bioabsorbierbaren kardialen Matrix kann das pathologische Remodelling nicht verhindern, so das beim ESC-Kongress 2015 in London publizierte Ergebnis der sogenannten PRESERVATION-Studie.

Ab einer bestimmten Größe kommt es nach einem Herzinfarkt zu adaptiven Umbauvorgängen, welche die linksventrikuläre Funktion erheblich beeinträchtigen können und deshalb als pathologisches Remodelling bezeichnet werden. In vielen Fällen entwickelt sich eine Herzinsuffizienz; das Remodelling ist mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert, erklärte Prof. Uwe Zeymer, Klinikum Ludwigshafen und Institut für Herzinfarktforschung am Klinikum Ludwigshafen.

Extrazelluläre Biomatrix soll Herzwand der Infarktzone stärken

In der PRESERVATION-Studie hat eine von Zeymer präsidierte Autorengruppe einen ungewöhnlichen Ansatz untersucht, diesen Umbauprozessen vorzubeugen. Ausgehend von der Überlegung, dass große Herzinfarkte mit einem Abbau der extrazellulären Matrix sowie mit einer Kalzium-Überladung einhergehen, testete sie eine experimentelle Therapie, bei der eine bioabsorbierbare kardiale Matrix (BCM) in das Infarktgefäß injiziert wird.

Es handelt sich dabei um eine flüssige Mischung aus Natrium-Alginat und Kalzium-Glukonat, die biologisch und immunologisch inert ist. Sie wird im geschädigten Myokard angereichert und transformiert sich dort in der Gegenwart von freiem Kalzium zu einem flexiblen Hydrogel, welches die degenerierte extrazelluläre Matrix ersetzt.

Auf diese Weise wird die Ventrikelwand in der Infarktzone gestärkt und der Wandstress reduziert, erklärte Zeymer. Im Tiermodell sowie in einer Pilotstudie beim Menschen konnte eine solche mechanische Unterstützung das kardiale Remodelling verhindern.

Doppelblindstudie mit 6-monatiger Nachbeobachtung

Nun wurde der therapeutische Ansatz in einer klinischen Doppelblindstudie bei 303 Patienten mit großen Herzinfarkten getestet. Die Patienten waren im Schnitt 58 Jahre alt, litten zu 93% an großen anterioren Infarkten mit hohen Biomarker-Werten (NT-proBNP 500 vs. 376) und einem hohen enddiastolischen Volumenindex (85 vs. 82).

Alle Patienten wurden vor dem Hintergrund optimaler medikamentöser Therapie interventionell behandelt, ein TIMI3-Fluss im Infarktgefäß war Aufnahmebedingung. 2–5 Tage nach der Akut-PTCA erfolgte eine zweite Herzkatherisierung. Dabei wurde entweder BCM oder eine Salzlösung injiziert. Primäre Endpunkte waren die Veränderung des linksventrikulären enddiastolischen Volumen-Index (LVEDVI) nach sechs Monaten sowie die echokardiografisch ermittelte LV-Dilatation.

Keinerlei Wirksamkeit auf primäre oder sekundäre Endpunkte

Leider ließ sich in diesen Endpunkten kein Unterschied zwischen Behandlungs- und Kontrollgruppe feststellen. Auch bezüglich Belastbarkeit, Lebensqualität, klinischer Komplikationen oder Mortalität ergab sich kein Vorteil für die experimentelle Therapie. Die Injektion der BCM war sicher und zeigte sowohl akut als auch im Verlauf bis zu 12 Monaten keine unerwünschten Nebenwirkungen. Möglicherweise verhinderte die mikrovaskuläre Obstruktion oder das myokardiale Ödem, das die BCM in das Infarktgebiet gelangte. Außerdem kann es sein, dass die Infarkte zu groß waren, oder wir mit der Behandlung zu spät kamen, so Prof. Zeymer bei der Ursachensuche für das negative Ergebnis.

Literatur

Hotline V, Kongress der European Society of Cardiology, London 29.08.–02.09.2015