Onlineartikel 29.01.2015

Kardiale Versorgung auf hohem Qualitätsniveau

Auf hohem Niveau stabil – so lässt sich nach den neuesten Zahlen im „Herzbericht 2014“ die kardiologische und herzchirurgische Versorgung von Patienten in Deutschland charakterisieren.

Aufgrund der in den vorangegangenen zwei Jahrzehnten erzielten Erfolge habe man bei der medizinischen Versorgung von herzkranken Patienten hierzulande „ein hohes Niveau erreicht“, konstatierte Professor Christian Hamm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), bei der Vorstellung des „Herzberichts 2014“ in Berlin.

Der „Herzbericht“ analysiert Jahr für Jahr die Morbidität und Mortalität bei ausgewählten kardiologischen Erkrankungen sowie die Angebots- und Leistungsstrukturen kardiologischer und herzchirurgischer Einrichtungen in Deutschland. Er wird von der Deutschen Herzstiftung gemeinsam mit der DGK, der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK) erstellt.

Angesichts der bereits erreichten hohen Qualität der erbrachten medizinischen Leistungen sieht Hamm „wenig Luft“ für außerordentliche Fortschritte in nächster Zeit. Nach seiner Ansicht wäre es aber bereits ein großer Erfolg, wenn das derzeitige gute Versorgungsniveau auch in naher Zukunft erhalten werden könnte.

Der Erfolg der modernen Herzmedizin lässt sich nicht zuletzt am Rückgang der durch ischämische Herzerkrankungen verursachten Todesfälle ablesen. Zwar stehen kardiovaskuläre Erkrankungen in der Statistik der häufigsten Todesursachen nach wie vor an der Spitze. Jedoch hat die Sterblichkeit etwa des akuten Myokardinfarktes seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich abgenommen.

Zahl der tödlichen Herzinfarkte hat sich deutlich verringert

Ablesbar ist das an der sogenannten Sterbeziffer (Todesfälle pro 100.000 Einwohner): Sie ist laut „Herzbericht“ von 108,9 im Jahr 1992 auf 65,2 im Jahr 2012 zurückgegangen – eine Reduktion um 40 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten. Allerdings habe sich dieser positive Trend in jüngster Zeit abgeschwächt, berichtete Hamm. Es sei davon auszugehen, dass nunmehr ein Plateau erreicht worden ist.

Auch die Zeitkurve für die Sterbeziffer der Herzinsuffizienz weist bei dieser an Häufigkeit zunehmenden Herzerkrankung eine Abnahme der Mortalität aus.

Zunahme bei der Morbidität

Anders verhält es sich bei der Morbidität, wo zum Teil deutliche Zunahmen zu verzeichnen sind. Als Maßstab dient dabei im „Herzbericht“ die sogenannte stationäre Morbiditätsziffer, ein Indikator für die vollstationären Krankenhausfälle pro 100.000 Einwohner.

Danach ist zwischen 1995 und 2012 mit Blick auf Herzinsuffizienz eine stetige Zunahme bei den stationären Behandlungen zu beobachten. Einen „rasanten Anstieg“, so Hamm, hat es seit etwa 2005 auch bei der durch Herzklappenerkrankungen bedingten Morbidität gegeben. Dies gilt auch für die durch Herzrhythmusstörungen und insbesondere durch Vorhofflimmern verursachte Morbidität.

Eine Triebkraft für diese Entwicklung ist nach Ansicht von Hamm schlicht die immer höhere Lebenserwartung der Bevölkerung. Die nach Lebensalter aufgeschlüsselten Zahlen zeigen nämlich klar, dass die Anstiege bei der Morbidität vor allem in der Altersklasse der über 75-jährigen Patienten zu finden sind.

Zahl der Herzkatheter-Eingriffe leicht gestiegen

Eine leichte Zunahme gegenüber 2012 ist erneut bei den aus diagnostischen oder therapeutischen Gründen vorgenommenen Herzkatheter-Eingriffen zu verzeichnen. Deren Zahl liegt 2013 bei 885.131, darunter 337.171 perkutane Koronarintervention (PCI) etwa bei Patienten mit Herzinfarkt.

Diese hohe Zahl ist aber in den Augen von Hamm kein Ausdruck von Überversorgung. Allerdings hofft er, dass in Zukunft verstärkt die nichtinvasive Diagnostik mittels CT und MRT zum Zug kommen wird.

Rund 100.000 Herzoperationen

Auch die herzchirurgische Versorgung ist hierzulande nach Aussage von DGTHG-Präsident Professor Jochen Cremer aus Kiel „exzellent“. An 79 herzchirurgischen Zentren wurden 2013 erneut rund 100.000 Herzoperationen durchgeführt.
Den größten Anteil daran hatten isolierte und kombinierte koronare Bypass-Operationen mit rund 55.000 Eingriffen. Deprimierend ist allerdings nach wie vor die Situation bei den Herztransplantationen, deren Zahl mit nur 313 im Jahr 2013 einen historischen Tiefstand erreicht hatte.

Literatur

Vorstellung des Deutscher Herzberichts 2014, Pressekonferenz am 28. Januar 2015 in Berlin