Onlineartikel 11.11.2015

Kardio-MRT zeigt: Schon früh Herzschäden bei dicken Kindern

Bei Kindern und Teenagern die übergewichtig sind, treten bereits früh pathologische Veränderungen des Herzmuskels auf, wie Ergebnisse einer kleinen MRT-Studie aus den USA.

Jedes fünfte Kind in den USA ist übergewichtig. Definiert wird das nach dem Body-Mass-Index, der dann außerhalb der 95. Perzentile liegt.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Liyuan Jing aus Danville, Pennsylvania, wollte per Magnetresonanztomografie des Herzens (Kardio-MRT) nun klären, ob Übergewicht bei Kindern das Remodelling des Herzens – also ungünstige kardiale Strukturveränderungen – begünstigt und dadurch im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern die Herzfunktion beeinträchtigt wird.

Verglichen wurden je 20 gesunde Kinder (Alter 13+3 Jahre) mit 20 übergewichtigen Kindern (Alter 12+3 Jahre). Unter letzteren waren Teenager mit einem Body-Mass-Index über 35, einige hatten Asthma, Bluthochdruck oder Depressionen. Ausgeschlossen wurden Kinder mit Diabetes und überraschenderweise solche, die schon eine solche Leibesfülle hatten, dass sie nicht in das MRT-Gerät passten.

Dickere Herzmuskel, mehr Muskelmasse

Bei den Übergewichtigen fanden sich als Anzeichen einer Herzschädigung 12 Prozent dickere Herzmuskeln und 27 Prozent mehr Muskelmasse im linken Ventrikel. 40 Prozent der schwergewichtigen Kinder hatten eine konzentrische Hypertrophie, 40 Prozent zeigten eine normale Geometrie und bei 20 Prozent lag entweder eine exzentrische Hypertrophie oder eine konzentrisches Remodelling vor. Hinweise auf ein Remodelling des Herzens gab es auch schon bei 8-Jährigen.

Im Vergleich zu den Normalgewichtigen wurden jedoch keine Unterschiede bei der linksventrikulären Ejektionsfraktion gemessen. Obwohl die dicken Kinder symptomfrei waren, wurde 40 Prozent von ihnen ein hohes Risiko attestiert, weil bereits erste Anzeichen für eine funktionelle kardiale Beeinträchtigung bestanden.

Ursachen für die Gewichtsproblemen der Kinder sind vor allem Ernährungsgewohnheiten (große Mengen an Pommes frites und stark gezuckerte Fruchtsäfte) sowie Bewegungsmangel bzw. erhöhte Verweildauer vor TV- und Computerbildschirmen.

Unklar ist, inwieweit die gezeigten Veränderungen am Herzen für eine permanente Schädigung sorgen oder ob sie womöglich reversibel sind. Die Studienautoren appellieren in jeden Fall an die Eltern, ihren Kindern dabei zu helfen, ein gesundes Gewicht zu halten.

Literatur

Dr. Linyuan Jing et al., Posterpräsentation S 2022 / Abstract 15439, im Rahmen des AHA-Kongresses,7.–11.11.2015 in Orlando, USA