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22.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Herzinfarkt

Kardiogener Schock: Kritische Phase kurz nach Klinikentlassung

Autor:
Veronika Schlimpert

Mit der Prognose des infarktbedingten kardiogenen Schocks setzen sich gleich zwei Untersuchungen auseinander. Während sich in der einen Studie zeigte, dass die Überlebenschancen für Betroffene unmittelbar nach Klinikentlassung schlechter sind als für andere Infarktpatienten, lässt eine zweite Arbeit hinsichtlich der Kurzzeitprognose hoffen.


Für Überlebende eines infarktbedingten kardiogenen Schocks scheint die erste Zeit unmittelbar nach Klinikentlassung für die weitere Prognose kritisch zu sein. Hinweise auf eine solche poststationäre vulnerable Phase liefert eine aktuelle Registerstudie aus den USA. Hier zeigte sich, dass deutlich mehr Infarktpatienten mit kardiogenem Schock innerhalb der ersten 60 Tage nach Entlassung versterben als Patienten ohne Schock: nämlich 33,9% versus 24,9% (adjustierte Hazard Ratio, HR: 1,28). Nach einem Jahr war das Risiko für Tod und Rehospitalisierung nach Adjustierung auf diverse Patienten- und Klinikcharakteristika nicht mehr signifikant unterschiedlich (59,1 vs. 52,3%; HR: 0,95).

Gezielte Interventionen

Für diese Analyse haben Wissenschaftler um Rashmee Shah von der Universität in Utah Daten von 112.668 über 65-jährige Patienten, die einen Infarkt in der Klinik überlebt haben, aus dem ACTION Register-GWTG („Acute Coronary Treatment and Intervention Outcomes Network Registry – Get With The Guidelines“) ausgewertet; 5% hatten im Krankenhaus einen kardiogenen Schock erlitten.

Für die Überlebenden des infarktbedingen kardiogenen Schocks sei das Risiko für Tod und Rehospitalisierung unmittelbar nach der Entlassung am höchsten gewesen, schreiben die Studienautoren. Womöglich würden Interventionen benötigt, die genau auf diese kritische Phase abzielen, um die langfristige Prognose von Schockpatienten weiter zu verbessern und gefährdete Personen früher zu identifizieren.

Intrahospitale Überlebensraten steigen

Für einen positiven Trend bei der kurzfristigen Prognose von Schockpatienten sprechen die Ergebnisse einer weiteren bevölkerungsbasierten Studie. Die Autoren dieser Untersuchung haben den zeitlichen Verlauf der intrahospitalen Sterblichkeit nach infarktbedingten kardiogenen Schock in elf Kliniken in Massachusetts untersucht. 

Demnach sind die Überlebensraten während des Krankenhausaufenthaltes in den letzten Jahren deutlich angestiegen: 2001/2003 verstarben noch 47,1% der Schockpatienten in der Klinik, 2005/2007 waren es 42,0% und 2009/2001 nur noch 28,6%. Die Häufigkeit eines infarktbedingten kardiogenen Schocks hat in diesem Zeitraum allerdings nicht abgenommen; im Schnitt erlitten 3,7% der 5.686 Infarktpatienten in der Klinik einen kardiogenen Schock.

Fortschritte in der Therapie

Auffällig ist, dass in den letzten Jahren auch immer mehr Infarktpatienten eine evidenzbasierte Medikation und Koronarintervention zuteilwurde. Aufgrund dieser Beobachtung sei es natürlich nicht möglich, einen kausalen Zusammenhang zwischen der verbesserten Kurzzeitprognose und Fortschritten in der Therapie herzuleiten, schreiben die Studienautoren um Robert Goldberg von der Universität Massachusetts. Allerdings würden auch andere Studien darauf hindeuten, dass eine frühe Revaskularisierung die Prognose von Patienten mit infarktbedingtem kardiogenen Schock verbessern könne.

Als Fazit machen wohl beide Studien deutlich, dass der kardiogene Schock noch immer eine ernstzunehmende Komplikation mit hoher Sterblichkeit darstellt. Doch es scheint offenbar möglich, die kurz- und womöglich auch langfristige Prognose von Schockpatienten durch ein adäquates Therapiemanagement zu verbessern.

Literatur

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