Nachrichten 10.03.2021

Neuer Risikoscore für kardiogenen Schock genauer als bisherige Tools

Welche Patienten im kardiogenen Schock haben ein hohes Sterberisiko und benötigen ggf. weiterreichende Maßnahmen? Um dies besser einschätzen zu können, haben deutsche Wissenschaftler einen neuen Risikoscore entwickelt – der genauer ist als bisherige Tools.

Ein neuer Risikoscore kann die 30-Tages-Mortalität für Patienten mit einem infarktbedingten kardiogenen Schock offenbar besser vorhersagen als frühere Tools zur Risikostratifizierung. 

Score basiert auf vier Laborparametern

Der neue Score basiert auf den vier Laborparametern 

  • Cystatin C, 
  • Laktat, 
  • Interleukin-6 und 
  • NT-proBNP.

Er wird deshalb als CLIP abgekürzt. Entwickelt wurde er von Deutschen Wissenschaftlern und Kardiologen um Prof. Uta Ceglarek und Prof. Holger Thiele.

„Der CLIP-Score ist besser in seiner Vorhersage als andere klinische Scores und könnte als frühes Entscheidungstools beim kardiogenen Schock nützlich sein“, fassen die Wissenschaftler von der Uniklinik Leipzig dessen Performance im „European Heart Journal“ zusammen.

Entwickelt wurde der Score anhand von Daten der CULPRIT-SHOCK-Studie, konkret an 458 Patienten, deren Blut im Rahmen der Studie auf Biomarker untersucht worden ist. Zur Erinnerung: Die 2017 publizierte Primäranalyse der CULPRIT-SHOCK hatte gezeigt, dass eine sofortige Revaskularisation der alleinigen infarktrelevanten Stenose (Culprit Lesion Only-Strategie) sich auf die Prognose von Patienten im kardiogenen Schock vorteilhafter auswirkt als die Wiedereröffnung aller Stenosen, also auch die der nicht infarktverantwortlichen.

Genauer als klinische Scores

In der multivariablen Regressionsanalyse stellten sich die oben genannten vier Biomarker als stärkste Prädiktoren für die 30-Tages-Mortalität heraus. Der daraus graduierte Score wies eine hohe Vorhersagekraft auf, sowohl in einer internen Validierung (Fläche unter der Kurve [AUC] bzw. C-Index: 0,82) als auch in einer externen an 163 Patientendaten der IABP-SHOCK II-Studie (C-Index: 0,73). Auch eine weitere Überprüfung an einer frühen Patientenkohorte der CULPRIT-SHOCK-Studie ergab eine hohen prädiktiven Wert für die 30-Tages-Sterblichkeit (C-Index: 0,82).

Damit sagt der CLIP-Score die Prognose von Patienten mit infarktbedingten kardiogenen Schock besser voraus als bisher verfügbare klinische Scores wie der SAPS II und IABP-SHOCK II (deren Werte liegen bei entsprechend 0,62; p < 0,001 und 0,76; p = 0,03). 

Nach Ansicht der Studienautoren hat der neue Score darüber hinaus einen entscheidenden Vorteil: Er enthalte nur vier Biomarker, die routinemäßig verfügbar seien. Es müssten dafür also keine klinischen, anamnestischen oder PCI-bezogene Faktoren herangezogen werden, erläutern sie die Stärke des Biomarker-Scores. Das mache ihn sehr objektiv.

Entscheidungshilfe im Alltag

Wie kann der Score nun im Alltag helfen? „Beim kardiogenen Schock ist eine frühe Risikoeinschätzung ausschlaggebend für die Entscheidungsfindung“, erläutern die Wissenschaftler den Zweck eines solchen Tools. Daran ausgerichtet werden etwa weitere Therapiemaßnahmen wie der Beginn einer mechanischen Kreislaufunterstützung oder das Beenden einer Behandlung wegen fehlender Aussicht auf Wirkung.

Der CLIP-Score könnte also zu einer frühen Risikostratifizierung verhelfen und damit eine Entscheidungshilfe für weitere Therapieschritte bieten. Er allein sollten aber niemals die alleinige Entscheidungsgrundlage sein, betonen die Autoren. Für derart weitreichende Schritte sind ihrer Ansicht nach viele weitere individuelle Aspekte der Patienten zu berücksichtigen.

Literatur

Ceglarek U et al. The novel cystatin C, lactate, interleukin-6, and N-terminal pro-B-type natriuretic peptide (CLIP)-based mortality risk score in cardiogenic shock after acute myocardial infarction. Eur Heart J 2021; ehab110; DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab110

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