Onlineartikel 03.06.2015

Kardiologen 2013: Stagnation beim Umsatz, leichter Rückgang bei Fallwerten

Der Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für 2013 bietet keinen Anlass zum Jubel, weder bei allen Vertragsärzten insgesamt noch speziell bei den Kardiologen. Doch auch Depression über die Honorarentwicklung ist nicht angesagt, blickt man ein wenig tiefer in das Zahlenwerk der KBV, das im vergangenen Monat veröffentlicht worden ist.

Mit dem Zusammenführen ihrer Honorardaten lassen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen traditionell viel Zeit. Nach etwa fünf bis sechs Monaten, also spät genug, erfahren Vertragsärzte in der Regel, wie ihr Honorar in einem Quartal ausgefallen ist. Doch bis die Daten auf Bundesebene aggregiert sind, vergeht in der Regel nochmals ein Jahr, ihre Gewinn- und Verlustrechnungen haben die Ärzte dann längst gemacht.

Dennoch ist es immer wieder spannend, die Honorarentwicklung nach Kassenärztlichen Vereinigungen und Fachgruppen in Ruhe zu vergleichen, auch wenn es bei den Honorarberichten ausschließlich um die Kassenhonorare geht. Die Kardiologen stehen dabei traditionell nicht am Ende der Umsatz-Skala der Fachgruppen, allein schon wegen des intensiven Technikeinsatzes.

So ist es auch im Jahr 2013 gewesen. Im hausärztlichen Versorgungsbereich stiegen die Honorarumsätze je Arzt 2013 im Jahresvergleich um 3,9 Prozent auf 205.180 Euro. Das Umsatzwachstum je Arzt bei den Fachärzten fiel etwas langsamer aus als im hausärztlichen Versorgungsbereich (plus 1,3 Prozent). Der absolute Wert liegt ebenfalls knapp darunter (198.291 Euro), allerdings gibt es hier je nach Fachgruppe erhebliche Abweichungen vom Durchschnitt nach oben und nach unten.

Heterogenes Bild bei den Internisten

Sehr heterogen ist das Bild bei den Internisten. Insgesamt kommen Vertreter dieser Fachgruppe laut Bericht auf einen durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt von 416.967 Euro - das entspricht einem Rückgang um 0,6 Prozent. Ärzte in Thüringen erreichten hier mit durchschnittlich 542.045 Euro den Spitzenwert, in Rheinland-Pfalz lag der Umsatz je Internist dagegen bei 376.359 Euro.

Beim Blick in die Subdisziplinen ergeben sich ebenfalls große Unterschiede: Fachinternisten ohne Schwerpunkt kamen im Bundesschnitt auf 258.232 Euro (plus 0,3 Prozent), bei einer regionalen Spreizung zwischen 336.231 Euro (Sachsen) und 158.043 Euro (Berlin). Bei den Internisten mit Schwerpunkten nahmen die Nephrologen mit einem durchschnittlichen Honorarumsatz je Arzt von 894.499 Euro (minus 1,3 Prozent) einsam die Spitze ein - ihre Kosten sind allerdings auch besonders hoch.

Es folgten beim Umsatz die Hämatologen/Onkologen mit 402.132 Euro Kassenumsatz (plus 3,7 Prozent), die Endokrinologen (367.788 Euro, minus 0,1 Prozent), die Gastroenterologen (340.784 Euro, plus 2,9 Prozent), Pneumologen (338.869 Euro, plus 2,0 Prozent), Kardiologen (269.987 Euro, plus 0,1 Prozent), Rheumatologen (262.877 Euro, minus 1,9 Prozent) und die Angiologen (251.452 Euro, minus 1,1 Prozent).

Kardiologen: Unterschiedliche Entwicklung je nach KV

Im Vergleich der Schwerpunktinternisten liegen die Kardiologen damit beim Umsatz relativ weit hinten. Hinzu kommt, dass der Fallwert im Bundesschnitt um 1,3 Prozent auf 75,63 Euro gesunken ist. Die Unterschiede in der Entwicklung je nach KV sind auch bei den Kardiologen groß: Die Kardiologen in Bremen erzielten 2013 durchschnittlich einen Honorarumsatz von 405.392 Euro, bundesweit an zweiter Stelle standen Kardiologen in Thüringen mit 340.007 Euro. Ganz am Ende der Skala kommen die Kardiologen in Berlin mit 182.230 Euro, also weniger als die Hälfte vom Honorarumsatz der Kollegen in der Hansestadt an der Weser.

Bremer Kardiologen bei Fallwerten vorn

Bei den Fallwerten liegen ebenfalls die Bremer vorne mit 135,66 Euro Honorarumsatz je Fall. In Bayern beläuft sich der Fallwert dann schon auf 93,39 Euro, in Hamburg auf  90,85 Euro. Am Ende der Skala kommen die Kardiologen in Thüringen mit einem Fallwert von 51,91 Euro – hier kompensieren offenbar sehr hohe Fallzahlen einen sehr niedrigen Fallwert, denn beim Honorarumsatz liegen die Thüringer Kardiologen im regionalen Vergleich ja weit vorne. In Thüringen ist beim Fallwert offenbar zudem ein Aufholprozess im Gange, dort legte der Fallwert um 9,1 Prozent zu, in Hamburg ging er dagegen um 10,9 Prozent zurück. Die großen Unterschiede sind letztlich durch die Honorarverteilungsmaßstäbe verursacht.

Nicht nur die Honorarumsätze des Gesamtjahres 2013 wurden mit dem jüngsten Honorarbericht veröffentlicht, sondern auch die des vierten Quartals des Jahres. Und für dieses Quartal geht die Auswertung auch etwas weiter ins Detail. Bei den Internisten insgesamt ergab sich in diesem Zeitraum im Vorjahresvergleich ein leichter Rückgang um 0,2 Prozent auf 104.238 Euro, der Fallwert sank im Bundesschnitt um 1,3 Prozent auf 136,33 Euro.

Der Fallwert ist bei den Internisten vor allem durch die Dialysepatienten der Nephrologen (819,10 Euro Fallwert im Durchschnitt) so hoch. Bei den Kardiologen lagen die Fallwerte in QIV/13 dagegen bei 77,22 Euro – immerhin sind sie gegen den Trend leicht gestiegen, um 1,1 Prozent. Der Honorarumsatz wuchs bei Kardiologen in dem Berichtsquartal um 2,6 Prozent auf 68.720 Euro, vor allem in den östlichen Bundesländern gab es Steigerungen, besonders in Thüringen mit einem Plus von 13,6 Prozent. In Hamburg und Baden-Württemberg beispielsweise gingen die Umsätze dagegen um 3,3 beziehungsweise 4,5 Prozent zurück.

Kardiologie bleibt finanziell attraktiv Fachdisziplin

Dass die Kardiologie für Vertragsärzte nach wie vor zu den finanziell attraktiven Fachdisziplinen gehört, zeigt die Auswertung der KBV zu den Überschüssen je Arzt aus vertragsärztlicher Tätigkeit: Hier liegen die Internisten – bis auf die Rheumatologen – im vierten Quartal 2013 alle oberhalb von 30.000 Euro, an der Spitze die Hämatologen/Onkologen mit 46.553 Euro, und die Kardiologen mit 35.819 Euro (plus 2,6 Prozent im Vorjahresvergleich) knapp hinter den Angiologen, Gastroenterologen und Pneumologen, aber vor den Internisten ohne Schwerpunkt. Überschüsse aus privatärztlicher Tätigkeit kommen natürlich noch hinzu. Im Vergleich: Der durchschnittliche Überschuss je Arzt über alle Fachgruppen stieg im vierten Quartal 2013 um vier Prozent auf knapp 27.000 Euro.