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05.04.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Paroxysmales Vorhofflimmern

Ablationstherapie: Kryoballon zieht mit Goldstandard gleich

Autor:
Peter Overbeck

Katheterablationen mittels Hitze (Hochfrequenzstrom) und Kälte (Kryoballon) haben sich bei paroxysmalem Vorhofflimmern in der bis dato größten randomisierten Vergleichsstudie bezüglich ihrer Erfolgsraten als ebenbürtig erwiesen. Erfreulich ist dieses Ergebnis für Studienleiter Professor Karl-Heinz Kuck vor allem mit Blick auf die einfachere Kryoballon-Technik.

„Wir müssen die Elektrophysiologie aus der Nische der Spezialisierung herausholen“, forderte der Hamburger Kardiologe und amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) beim ACC-Kongress in Chicago. Kuck spielt damit auf die Hochfrequenzstrom-Ablation als derzeitigem Goldstandard der Ablationstherapie bei Vorhofflimmern an.

Das Dilemma: Einerseits hat sich in Studien klar gezeigt, dass rezidivierendes Vorhofflimmern per Katheterablation besser in den Griff zu kriegen ist als mit einer medikamentösen Prophylaxe mit Antiarrhythmika. Andererseits ist die Methode selbst eine Schranke dafür, dass sie für breitere Kreise von Patienten zugänglich wird. Denn wie kein anderes interventionelles Verfahren in der Kardiologie sei die Hochfrequenzstromablation eine äußerst komplexe Prozedur mit einer langen Lernkurve für den Anwender, betonte Kuck. Damit bleibe ihre erfolgreiche Anwendung wenigen hochspezialisierten Zentren vorbehalten.

Vereinfachung durch Single-Shot-Verfahren

Kuck schätzt, dass rund 30% aller Patienten mit Vorhofflimmern wegen Versagens einer medikamentösen Therapie potenzielle Kandidaten für eine Ablationstherapie sind. Doch de facto liege der Anteil der davon tatsächlich Behandelten nur bei etwa 4%. „Wenn wir die Ablation breiter nutzen wollen, brauchen wir einfachere Devices, deren Anwendung leichter und rascher erlernbar ist“, so der Kardiologe.

Alternativ sind deshalb sogenannte Single-Shot-Verfahren entwickelt worden. Die meisten Erfahrungen konnten mittlerweile mit der kryothermalen Ballontechnik gewonnen werden. Dabei wird über einen Führungsdraht ein Kälteballon am Ostium der zu behandelnden Pulmonalvene platziert, die gewünschte Läsion zur Isolierung der Pulmonalvene (bzw. der darin vorhandenen Trigger) vom atrialen Myokard wird dann durch Vereisung erzeugt. Auch die Kryoballon-Ablation ist inzwischen ein etabliertes Verfahren.

Methodenvergleich in FIRE AND ICE

Ziel der FIRE AND ICE benannten Studie war, Kryoballon- und Hochfrequenzstrom-Ablation als Methoden zur Pulmonalvenenisolation im Hinblick auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern zu vergleichen. Es ist die bislang größte randomisierte Studie dieser Art. Kuck hat die Ergebnisse der simultan in „New England Journal of Medicine“ publizierten Studie bei ACC-Kongress in Chicago in einer „Late-Breaker“-Sitzung vorgestellt.

Insgesamt 762 Patienten mit symptomatischen paroxymalem Vorhofflimmern, bei denen zuvor ein Therapieversuch mit Antiarrhythmika erfolglos geblieben war, sind randomisiert mit einem der beiden Ablationsverfahren behandelt worden. Der Behandlungserfolg wurde primär daran bemessen, ob binnen 12 Monaten Vorhofflimmern oder –flattern wiederkehrten oder Antiarrhythmika bzw. eine erneute Ablation erforderlich waren.

Endpunktrate in beiden Gruppen gleich

Wie Kuck berichtete, lagen die entsprechenden Ereignisraten mit 34,6% (Kryoballon) und 35,9% (Hochfrequenzstrom) nach einem Jahr sehr nahe beieinander. Der intendierte Nachweis der „Nicht-Unterlegenheit“ der Kryoballon-Ablation im Vergleich zu Goldstandard Hochfrequenzstrom-Ablation ist damit erbracht worden. Eine Überlegenheit konnte nicht gezeigt werden.

Beide Methoden erwiesen sich als sehr sicher, was Kuck nicht zuletzt auf die hohe Expertise der damit vertrauten Ärzte zurückführte. So war etwa die Inzidenz von Phrenikus-Läsionen nach Kälteballon-Ablation mit 2,7% wesentlich niedriger als in vorangegangenen Studien.

Beide Methoden hatten relative Vor- und Nachteile. So war die Prozedurdauer in der Kryoballon-Gruppe erwartungsgemäß signifikant kürzer (124 vs. 142 min), die Durchleuchtungszeit dagegen signifikant länger (22 vs. 17 min) als in der Gruppe mit Hochfrequenzstrom-Ablation.


Literatur

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