Nachrichten 09.05.2016

Weniger Komplikationen mit kabellosem Herzschrittmacher

Die Vorteile von miniaturisierten Herzschrittmachern, welche als Miniaggregat komplett in die Spitze des rechten Ventrikels implantiert werden und keine Schrittmacherkabel mehr benötigen, sind offensichtlich. Eine neue Studie gibt Aufschluss über die Häufigkeit von Komplikationen im Vergleich zu transvenösen Schrittmachern.

Das Konzept der kabellosen Herzschrittmacher ist zumindest in der Theorie überzeugend. Allerdings haben in letzter Zeit Berichte über Komplikationen wie Perforation der Aggregate durch die rechtsventrikuläre Spitze zur Verunsicherung geführt. Dementsprechend wurden die Ergebnisse eines Vergleichs des kabellosen Nanostim VVIR Schrittmacher mit klassischen transvenösen VVI-Schrittmachern mit Spannung erwartet. Dr. Vivek Reddy aus New York hat die Ergebnisse beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) in San Francisco vorgestellt.

Grundlage der Studie waren die Daten der LEADLESS-II-Studie auf der einen Seite und Daten der Truven MarketScan-Datenbank auf der anderen Seite. Bei letzterer handelt es sich um eine Versicherungs-Datenbank, die medizinische Daten von 20% der US Bevölkerung verwaltet. Den 718 Patienten aus der LEADLESS-II-Studie wurden nach entsprechendem Matching von 120.556 Trägern herkömmlicher Schrittmacher eine passende Kohorte von 2.154 Vergleichspatienten gegenüber gestellt.

Als Komplikationen des kabellosen Schrittmachers wurden Herzperforation, Gefäßkomplikation, Schrittmacherdislokation, Anstieg der Reizschwelle und weitere Komplikationen definiert. Bei den transvenösen Schrittmachern wurden folgende Komplikationen evaluiert: Sondendislokation, Thrombose oder Thrombembolie, Herzperforation, Sondenkomplikationen, Infektionen und Schrittmachertaschen-Komplikationen.

Komplikationsrate von 5,8% nach einem Monat

Die Komplikationsrate lag im Fall des Nanostim-Schrittmachers innerhalb des ersten Monats insgesamt bei 5,8% und bei den transvenösen Schrittmachern bei 12,7%. Die Rate für die gefürchtete Komplikation der Herzperforation betrug beim kabellosen Schrittmacher nur 1,5%. Insgesamt konnte eine relative Reduktion der Komplikationsrate um 65% durch die kabellosen Schrittmacher gezeigt werden.

Betrachtet man zudem die Kurven der Komplikationsraten im weiteren Verlauf bis zu 540 Tagen, so fällt eine zwar nur geringe, aber stetig zunehmende Zahl an Komplikationen bei den transvenösen Systemen auf, wohingegen die Komplikationsrate im Fall des Nanostim-Systems nach einigen Monaten nahezu sistierte.

Natürlich ist diese Studie, die „Äpfel mit Birnen“ vergleicht und auf ganz unterschiedlichen Datenquellen beruht, mit Vorsicht zu genießen. Und selbstverständlich wünschen wir uns alle eine prospektive randomisierte Vergleichsstudie, um wirklich harte Daten zu bekommen. Ob es allerdings dazu angesichts der aktuell gelieferten Ergebnisse tatsächlich noch kommen wird, konnte auch Vivek Reddy nicht beantworten.


Der Autor, PD Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Herausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
 

Literatur

Präsentation durch Dr. Vivek Reddy beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS), 4.-7. Mai 2015 in San Francisco