Onlineartikel 29.03.2016

Kardiologie: Was der ACC-Kongress Neues bringen könnte

Am Samstag, den 2. April 2016 endet in Mannheim die Frühjahrstagung der DGK. Am selben Tag startet in Chicago der Kongress des American College of Cardiology (ACC). Wieder stehen viele „Late-Breaking Clinical Trials“ (LBCT) auf dem Programm. Sie könnten etwa in puncto kardiovaskuläre Primärprävention und Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) neue Perspektiven eröffnen.

Der Reigen neuer „heißer“ Studien beim ACC-Kongress beginnt am Samstag mit der Studie PARTNER II (Kohorte A). Mit mehr als 2000 Teilnehmern ist sie die bislang größte Studie zur Frage der Sicherheit und des klinischen Nutzens der katheterbasierten Aortenklappen-Implantation bei schwerer Aortenstenose.

In den bisherigen Studien ist diese neue Methode primär bei Patienten mit hohem Operationsrisiko mit dem herzchirurgischen Aortenklappenersatz verglichen worden. In PARTNER IIA stehen erstmals Patienten mit mittelgradigem Operationsrisiko (STS-Score 4 bis 8) im Fokus.

Aus Registerdaten geht hervor, dass nicht zuletzt in Deutschland in jüngster Zeit auch Patienten mit mittlerem Risiko bereits zunehmend eine TAVI-Behandlung erhalten. Das Mortalitäts- und Schlaganfallrisiko scheint nach diesen Daten relativ niedrig zu sein. Kardiologen hoffen, dass die bisherigen guten Erfahrungen bei dieser Patientengruppe in der Praxis nun durch die PARTNER IIA-Studie bestätigt werden.

HOPE-3: Neue Perspektiven in der Primärprävention?

Um den möglichen Nutzen einer blutdruck- und lipidsenkenden Behandlungsstrategie in der Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse bei Menschen ohne manifeste Herz-Kreislauf- Erkrankungen geht es in der 2007 gestarteten HOPE-3-Studie. Dafür sind in 21 Ländern rund 12.700 Probanden mit niedrigem kardiovaskulären Risiko rekrutiert worden, die entweder eine Lipidtherapie mit Rosuvastatin, eine antihypertensive Therapie mit Candesartan/HCTZ, eine Kombination aus beiden Behandlungen oder Placebo erhalten haben.

Die Frage soll beantwortet werden, ob es sich dabei um lohnenswerte Präventionsstrategien zur substanziellen Reduktion von erstmaligen kardiovaskulären Ereignissen handelt. Die Follow-up-Dauer betrug knapp sechs Jahre. In drei Präsentationen werden die Ergebnisse der jeweiligen Studienarme vorgestellt.

Neue Lipidtherapien im Fokus

Zwei am Sonntag präsentierte Studie stehen ganz im Zeichen der Lipidtherapie. In der Studie ACCELERATE sollte gezeigt werden, dass sich durch CETP-Hemmung mit Evacetrapib die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse wie Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall weiter senken lässt. Für die Studie wurden mehr als 12.000 Patienten mit hohem Koronarrisiko rekrutiert, darunter Patienten mit Diabetes, akutem Koronarsyndrom in der Vorgeschichte oder statinresistenter Dyslipidämie.

Große Spannung liegt nicht mehr über dieser Studie. Denn schon im Oktober 2015 hatte das Unternehmen Eli Lilly das vorzeitige Ende von ACCELERATE bekannt gegeben. Als Grund wurde „ungenügende Wirksamkeit" genannt. Die klinische Entwicklung des Lipidmodulators Evacetrapib zur Prävention atherosklerotisch bedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen werde eingestellt, hieß es damals.

Auch der Ausgang der Phase-III-Studie GAUSS-3 (Goal Achievement After Utilizing an Anti-PCSK9 Antibody in Statin Intolerant Subjects-3) zur Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit des PCSK9-Hemmers Evolocumab ist im Grundsatz schon bekannt. Im Februar 2016 hatte der Studiensponsor Amgen die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Studie ihr primäres Ziel erreicht habe.

Im Fokus der randomisierten kontrollierten Studie standen 519 Patienten mit Hypercholesterinämie, bei denen eine Behandlung mit Statinen sich als unverträglich erwiesen hatte. In der GAUSS-3-Studie ist der potente Cholesterinsenker Evolocumab aus der neuen Wirkstoffklasse der PCSK9-Hemmer bei dieser selektierten Patientengruppe mit dem Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib verglichen worden. Primäres Vergleichskriterium war die prozentuale Senkung des LDL-Cholesterins nach 24 Wochen in Relation zum Ausgangswert. Die dabei erzielten Ergebnisse werden beim ACC-Kongress erstmals anhand von Zahlen konkretisiert.

Neue Wege in der Infarkttherapie

Eine zweite LBCT-Sitzung am Sonntag beschäftigt sich mit dem Thema Infarkttherapie. So sollen neue Ergebnisse der DANAMI-3-Studie Aufschluss darüber geben, ob es bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) besser ist, einen Koronarstent sofort im Zuge der primären perkutanen Koronarintervention (PPCI) zu implantieren oder mit dieser Implantation zunächst noch zu warten (deferred stent placement).

In der EARLY-BAMI-Studie wollten Untersucher klären, ob Patienten mit STEMI von einer frühen intravenöse Therapie mit dem Betablocker Metoprolol vor einer primären PCI profitieren. Primäres Kriterium für den Behandlungserfolg ist die Abnahme der Infarktgröße im Vergleich zur Placebo-Behandlung.

Ablationsmethoden bei Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz sind thematische Schwerpunkte der LBCT-Sitzungen am Montag. Ein Highlight dürfte dabei die vom amtierenden DGK-Präsidenten Professor Karl-Heinz-Kuck aus Hamburg vorgestellte Studie FIRE & ICE sein. In dieser Studie sind zwei unterschiedliche Ablationsverfahren verglichen worden, die derzeit beide in der Praxis bei Patienten mit Vorhofflimmern zur Anwendung kommen: die Ablation mit der Kryoballon-Technik (Kälte) und mit Hochfrequenzstrom (Hitze).

Die Studie, an der knapp 770 Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern beteiligt waren, zielte auf den Nachweis der klinischen „Nicht-Unterlegenheit“ der Kryoballon-Ablation.
Innovative Therapie bei Herzinsuffizienz

Vagale Stimulation bei Herzinsuffizienz

Ausgehend von der Prämisse einer autonomen Dysregulation mit erhöhter Sympathikus- und reduzierter Parasympathikusaktivität bei Herzinsuffizienz ist die vagale Stimulation als innovatives Therapiekonzept entwickelt worden. Allerdings haben die bisherigen Studien zu diskrepanten Ergebnissen geführt.

Definitive Antworten auf ungelöste Fragen erhoffen sich Experten nun von der beim ACC-Kongress am Montag präsentierten INOVATE-HF-Studie. An dieser multizentrischen Studie waren 725 Patienten mit chronischer Herzinsuffizinez (NYHA-Klasse III), und erniedrigter Auswurffraktion (LVEF von 40% oder weniger) beteiligt. Der kombinierte primäre Studienendpunkt besteht aus Mortalität jeglicher Ursache und ungeplanter Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz.

Literatur

ACC.16, 65th Annual Scientific Session & Expo, 2. – 4. April 2016, Chicago