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01.09.2016 | Kardiologie | Nachrichten

KBV-Jahresbericht

268.000 Euro Honorarumsatz 2014 – Kardiologen verlieren leicht

Autor:
Hauke Gerlof

209.319 Euro Honorarumsatz aus vertragsärztlicher Tätigkeit haben Ärzte im Bundesdurchschnitt im Jahr 2014 erzielt. Der Zuwachs hielt sich mit 1,9 Prozent im Rahmen. Die Unterschiede zwischen den Fachgruppen und zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen sind teils erheblich. Die Kardiologen haben leicht verloren, stehen bei den Überschüssen im Vergleich mit anderen Fachgruppen aber weiterhin sehr gut da.

Moderates Wachstum beim vertragsärztlichen Honorar in fast allen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), aber weiterhin große Unterschiede zwischen den Regionen: Das zeigt der Jahresbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das Honorar des Jahres 2014.

Die KVen mit den umsatzstärksten Ärzten bleiben weiterhin die Ost-Flächenländer Mecklenburg-Vorpommern mit 249.435 Euro (+0,1 Prozent) vor Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, dann knapp gefolgt von den West-Flächenländern Niedersachsen und Westfalen-Lippe. Bei den Kardiologen lag der Bundesdurchschnitt beim Honorarumsatz je Arzt bei 267.733 und damit 2.403 Euro unter dem Honorarumsatz im Jahr 2013 (-0,9 Prozent).

Kardiologen: Bremen beim Honorarumsatz vorn

Bei den KVen ergab sich bei den Kardiologen ein ähnliches Bild wie bei allen Ärzten Den höchsten Honorarumsatz erzielten wiederum, trotz eines kräftigen Rückgangs um 7,1 Prozent, die Kardiologen in Bremen mit 376.659 Euro. Gefolgt wurden sie von den Kollegen in Thüringen (332.126 Euro oder minus 2,4 Prozent). Ganz hinten in der Umsatzskala rangierten die Kardiologen in Berlin mit 187.273 Euro, also halb so viel wie die in Bremen. Fast 27.000 Euro höher lagen die Fachkollegen in Nordrhein mit 214.135 Euro an vorletzter Position.

Der durchschnittliche Fallwert aller Ärzte lag 2014 bundesweit bei 62,15 Euro. Die höchsten durchschnittlichen Fallwerte erzielen Ärzte in Bayern (66,35 Euro), Baden-Württemberg (65,33 Euro) und Saarland (65,29 Euro). Die niedrigsten Fallwerte erzielten Ärzte in Brandenburg (57,25 Euro), Schleswig-Holstein (58,74 Euro) und in Thüringen (58,79 Euro). In diesen KVen lagen die Zuwächse beim Fallwert aber besonders hoch, sie holen also auf. Den Vogel schossen dabei die Ärzte in Thüringen ab – mit einem Zuwachs von 7,6 Prozent beim Fallwert.

Kardiologen auch beim Fallwert über Durchschnitt

Kardiologen liegen auch beim Fallwert über dem Durchschnitt aller Fachgruppen. Bundesweit erzielten sie im Jahr 2014 74,72 Euro je Fall – allerdings knapp ein Euro weniger als 2013 (-1,3 Prozent). Auf Platz 1 der Rangliste platzierten sich wie im Vorjahr die Bremer Kardiologen mit 134,40 Euro, bei denen offenbar eine Verzerrung durch Spezialversorger vorliegen dürfte. Denn erst 40 Euro je Fall dahinter folgten die Bayern mit 94,21 Euro (plus 0,9 Prozent).

Besonders niedrig fielen die Fallwerte in Thüringen (58,42 Euro, plus 12,5 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (57,85 Euro, plus 0,8 Prozent) aus. Ärzte in beiden KVen glichen das offenbar durch eine hohe Fallzahl aus, da sie beim Umsatz je Arzt ganz weit oben rangierten.

Auch unter den Fachgruppen sind die Unterschiede beim Honorarumsatz je Arzt hoch, wobei aufgrund der unterschiedlichen Kostensätze in den Arztgruppen hohe Umsätze von Ärzten nicht unbedingt gleichzusetzen sind mit hohen Überschüssen aus kassenärztlichem Honorar.

Überdurchschnittliche Zuwächse beim Honorarumsatz je Arzt erzielten 2014 unter anderem die Augenärzte (plus 5,2 Prozent auf 255 965 Euro), Internisten ohne Schwerpunkt (plus 5,6 Prozent auf 272 946 Euro), Frauenärzte (plus 4,2 Prozent auf 198 018 Euro), Dermatologen (plus 5,2 Prozent auf 209 301 Euro), Psychiater (plus 5,1 Prozent auf 150 477 Euro) und HNO-Ärzte (plus 5 Prozent auf 195 332 Euro).

Über alle Internisten gingen die Honorare im Bundesschnitt leicht zurück (minus 0,4 Prozent auf 415 341 Euro). Im Vergleich zu allen Internisten fallen die Honorarumsätze der Kardiologen sogar unterdurchschnittlich aus – hier treiben die Nephrologen den Schnitt aber stark nach oben (883.911 Euro, minus 1,2 Prozent).

Hoher Umsatz nicht gleich hoher Gewinn

Hohe Umsätze bedeuten nicht notwendigerweise auch hohe Gewinne - und Umsatzsteigerungen bringen nicht unbedingt auch Gewinnsteigerungen mit sich. Die Kosten spielen dabei auch eine Rolle. Dass dies so ist, weiß natürlich auch die KBV. Zwar ist es nicht die Aufgabe des Honorarberichts, die Gewinnsituation in den Praxen zu analysieren. Dennoch nutzt die Körperschaft in den quartalsbezogenen Honorarberichten einen Kunstgriff, um auch einen Einblick in die Überschuss-Situation der Praxen zu vermitteln.

Zu diesem Zweck nimmt sie die Kostensätze der Fachgruppen aus den Praxispanels des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZiPP) und berechnet so die durchschnittlichen Kosten je Praxis. Die zieht sie vom durchschnittlichen GKV-Honorarumsatz der Fachgruppe ab und erhält so den Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit.

Methodisch bewegt sich die Honorarabteilung dabei auf dünnem Eis, da teilweise Kostensätze aus dem Praxispanel aus anderen Jahren genommen werden, als aus den Berichtsquartalen des Honorarberichts. Außerdem beziehen sich die Kostensätze auf die gesamte ärztliche Tätigkeit, nicht nur auf die Tätigkeit als Vertragsarzt. Doch ändern sich die Kostensätze von Jahr zu Jahr nicht so stark. Insofern geben die Zahlen einen relativ zeitnahen Überblick über die (Teil-)Überschüsse in den Praxen, schneller jedenfalls als die ZiPP-Zahlen.

Aus den vorliegenden Quartalsüberschüssen aus vertragsärztlicher Tätigkeit des Jahres 2014 lassen sich nun die Jahresüberschüsse der wichtigsten Fachgruppen und die Veränderungsraten errechnen. Das Ergebnis: Die Überschüsse aus vertragsärztlicher Tätigkeit sind 2014 im Vergleich zu 2013 um 1,9 Prozent auf 107.763 Euro gestiegen. Die Veränderungsrate ist also exakt so hoch wie bei den Honorarumsätzen je Arzt.

Überschüsse: Kardiologen an dritter Stelle

Unter den Facharztgruppen sind wie im Jahr zuvor (2013) die Internisten mit Schwerpunkt weit vorne gelandet. So verzeichneten die Gastroenterologen mit 164.633 Euro im Jahr 2014 den höchsten Überschuss aus vertragsärztlicher Tätigkeit (plus 2,4 Prozent), gefolgt von den Pneumologen mit 149.369 Euro (minus 0,7 Prozent).

Schon an dritter Stelle kommen dann die Kardiologen mit 141.802 Euro (minus 0,9 Prozent). Bei Internisten mit anderen Schwerpunkten wie Hämatologen/Onkologen und Nephrologen, die tendenziell höhere Überschüsse erzielen als die Kardiologen, gab es nicht für jedes Quartal belastbare Zahlen. Internisten ohne Schwerpunkt kamen auf 134 092 Euro (plus 5,7 Prozent).

Wie hoch die durchschnittlichen Überschüsse insgesamt sind, liegt am Ende natürlich auch am Privatanteil, und der kann je nach Fachgruppe und Standort erheblich sein. Laut Kostenstrukturanalyse des Statistischen Bundesamtes für 2011. Bei Internisten beträgt der Privatanteil demnach insgesamt 22,8 Prozent, Praxen mit Umsätzen zwischen 500.000 und einer Million Euro liegen demnach bei etwa einem Drittel, Kardiologen ebenso hoch.