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04.02.2017 | Kardiologie | Nachrichten

Kritische Statements

US-Kardiologen gegen Einreiseverbot durch Trump-Administration

Autor:
Prof. Dr. Thomas Klingenheben

Gegen das von US-Präsident Donald Trump verfügte – und mittlerweile von einem US-Bundesrichter zumindest vorläufig gestoppte – Einreiseverbot für Flüchtlinge und Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern haben auch Vertreter von kardiologischen US-Fachgesellschaften Stellung bezogen.

Mit teilweise deutlichen Statements distanzieren sich mittlerweile auch diverse wissenschaftliche Fachgesellschaften mit Sitz in USA und hoher internationaler Mitgliederzahl vom präsidialen Dekret eines Einreisestopps für Bürgen aus sieben selektierten Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung.

Das American College of Cardiology (ACC), mit weltweit über fünfzigtausend Mitgliedern und Sitz in Washington, weist am 30. Januar darauf hin, dass 25% aller Ärzte in USA ausländischer Herkunft seien. Das Infragestellen des Bleibestatus von bereits hinsichtlich ihres Aufenthaltes anerkannten Kollegen wie auch die Begrenzung der Möglichkeiten junger Wissenschaftler, ihre Ausbildung und Forschung in den USA zu beginnen oder fortzusetzen, berge daher die Gefahr einer Unterversorgung insbesondere auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

ACC-Präsident Professor Richard A. Chazal sieht daher sowohl die Patientenversorgung – insbesondere in ländlichen Gebieten, als auch die Aufrechterhaltung des wissenschaftlichen Forschungsbetriebs gefährdet. Eine Politik, die den freien Ideenfluss und internationalen wissenschaftlichen Austausch behindert, habe einen zerstörerischen Einfluss auf die Verbreitung des medizinischen Fortschritts insgesamt sowie die kontinuierliche Verbesserung von Patienten weltweit.

Noch deutlicher wird Professor Michael Gold, Präsident der Heart Rhythm Society (HRS), in einem tags darauf verbreiteten offiziellen Statement seiner Fachgesellschaft. Er bezeichnet die Anordnung des Präsidenten Trump zur Immigration als nicht vereinbar mit dem Geist der wissenschaftlichen Kooperation und als schädlich für die globale Mission zur Bekämpfung von Herzerkrankungen. Und  er fährt fort, dass die HRS unbeugsam gegen diese Politik steht und ihre internationalen Mitglieder jedweder Herkunft, Religion und Orientierung in jeder Hinsicht unterstützt.

Um ein Zeichen zu setzen, erhalten Wissenschaftler aus den sieben gebannten Ländern bis auf weiteres kostenlosen Zugang zu allen wissenschaftlichen online-Aktivitäten der Fachgesellschaft sowie das Angebot einer beitragsfreien Mitgliedschaft.

Es ist erfreulich, dass neben großen Teilen der Zivilgesellschaft, Bürgerrechtsbewegungen und  Künstlern auch die Wissenschaft nicht schweigt angesichts einer durch die Regierungsmacht verordneten Diskriminierung, die für ein „Mutterland der Demokratie‘“ beispiellos ist.

Literatur