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19.02.2019 | Kardiologie | Nachrichten

Digitalisierung in der Kardiologie

Big Data regiert, Stethoskop stirbt aus?

Autor:
Philipp Grätzel

Einen Blick in die digitale Zukunft der Versorgung von Herzpatienten gab es bei einem politischen Abend des Kardionetzwerks in Berlin. Werden Algorithmen die Kardiologie von Grund auf verändern?

Digitale Kardiologie, das war in den letzten Jahren im Wesentlichen das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz. Studien wie die deutsche TIM-HF2-Studie, die US-amerikanische CHAMPION-Studie und die ebenfalls deutsche IN-TIME-Studie haben gezeigt, dass unterschiedliche Telemonitoring-Ansätze bei Herzinsuffizienz die Lebensqualität und teilweise auch die Sterblichkeit senken können, wenn das Telemonitoring entsprechend rigoros umgesetzt, vor allem mit klaren Handlungsanweisungen hinterlegt, wird.

Am Herzzentrum der Universität Leipzig und dem Telemedizinzentrum des Helios-Konzerns seien aus den Ergebnissen der IN-TIME-Studie mittlerweile Standard Operating Procedures (SOP) entwickelt worden, die jetzt bei der telemedizinischen Betreuung von Schrittmacher- und ICD-Patienten in die Umsetzung kämen, sagte der Ärztliche Direktor des Herzzentrums Leipzig, Prof. Dr. Gerhard Hindricks. Der Kardiologe kündigte auch, dass geplant sei, die CHAMPION-Studie unter den Bedingungen des deutschen Gesundheitswesens noch einmal aufzulegen. In der CHAMPION-Studie war für die Therapiesteuerung bei schwer herzinsuffizienten Patienten ein Implantat genutzt worden, das den pulmonalarteriellen Druck misst.

Telemonitoring nur der Anfang

Da Telemedizinstudien letztlich Versorgungsstudien sind, sind viele Gesundheitssysteme zögerlich, Ergebnisse aus anderen Versorgungskontexten einfach zu übernehmen. Es gibt deswegen einen gewissen Trend, Telemedizinstudien jeweils mehrfach in unterschiedlichen Gesundheitssystemen zu reproduzieren. Für Hindricks ist das Telemonitoring ohnehin nur der Anfang eines sehr viel weitergehenden Umbruchs, den die Kardiologie durch die Digitalisierung erfährt. Intelligente Algorithmen dürften künftig nicht nur bei der Risikoprädiktion, sondern auch bei Diagnose und Therapie eine zentrale Rolle spielen, ist der Kardiologe überzeugt.

„ … schon ein stückweit bitter“

Letztlich werde das dazu führen, dass sowohl der Echokardiographien auswertende als auch der das Stethoskop nutzende Kardiologe über kurz oder lang der Vergangenheit angehört. So ließen sich Herzultraschalluntersuchungen schon heute durch Maschinenlernalgorithmen teilweise deutlich besser diagnostisch beurteilen als selbst durch erfahrene Ärzte: „Das ist schon ein stückweit bitter, aber ich sehe darin auch enorme Chancen, die Medizin qualitativ hochwertiger zu machen.“

Hindricks selbst will demnächst mit dem EU-Projekt PROFID („Personalised Risk Prediction for Sudden Cardiac Death“) die digitale Kardiologie weiter vorantreiben. Bei PROFID gehe es um eine Neuanalyse existierender Evidenz zum plötzlichen Herztod unter Einsatz von Maschinenlernalgorithmen.

Ziel sind bessere Prädiktionsalgorithmen für bedrohliche Herzrhythmusstörungen. Die könnten dann vielleicht irgendwann genutzt werden können, um zum Beispiel kardiale Implantate gezielter einzusetzen.

Literatur

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