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29.12.2016 | Kardiologie | Nachrichten

Kardiotoxizität

Chemotherapie: Vor allem für Diabetiker-Herzen gefährlich?

Autor:
Philipp Grätzel

Toxische Myokardschäden durch Anthrazyklin-haltige Chemotherapien sind bei Diabetespatienten ausgeprägter als bei Nichtdiabetikern. Auch eine Hypertonie könnte das Herz empfindlicher machen.

Um den Effekt unterschiedlicher kardiovaskulärer Risikofaktoren auf das Ausmaß der Kardiotoxizität von Chemotherapien zu untersuchen, haben Kardiologen um Dr. Ana Catarina Gomes vom Hospital Garcia de Orta in Almada, Portugal, eine Echokardiografiestudie durchgeführt. Die Ergebnisse stellten sie bei der Konferenz EuroEcho-Imaging 2016 in Leipzig vor.

Die Studie umfasste 83 Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, überwiegend Mammakarzinome, außerdem Magenkarzinome und Lymphome. 39 dieser Patienten erhielten Doxorubicin-basierte Chemotherapien, bei den übrigen 44 kam Epirubicin zum Einsatz. Knapp jeder dritte Patient hatte als Komorbidität eine arterielle Hypertonie, 7 % waren Diabetespatienten, 16 % wiesen Fettstoffwechselstörungen auf und 16 % rauchten. Die Patienten hatten keine vorbestehende Herzinsuffizienz.

Subklinische funktionelle Veränderungen

Über das Gesamtkollektiv hinweg nahmen als Folge der Anthrazyklin-haltigen Therapien erwartungsgemäß die linksventrikuläre Ejektionsfraktion und die longitudinale Belastung (global longitudinal strain, GLS) ab. Die subklinische Verringerung der GLS gilt als ein früher Parameter der Herzinsuffizienz.

Die Detailanalyse zeigte dann, dass die GLS-Abnahme bei Diabetespatienten signifikant ausgeprägter war als bei Nichtdiabetikern, obwohl das Ausgangsniveau in dieser (kleinen) Kohorte gleich war. Die hypertensiven Patienten hatten außerdem im Trend eine stärkere Abnahme der EF, allerdings wurde das Signifikanzniveau hier nicht erreicht. Raucherstatus und Fettstoffwechselstörung hatten keinen Einfluss auf den Echo-Befund.

Sind auch Tumoren selbst kardiotoxisch?

Interessanterweise fanden die Wissenschaftler auch Unterschiede in der Kardiotoxizität in Abhängigkeit von der Art des Tumors. Bei Patientinnen mit Brustkrebs waren die toxischen Myokardveränderungen im Vergleich zu Patienten mit Magenkrebs oder Lymphom eher mild ausgeprägt: „Unsere Hypothese ist, dass nicht nur die Anthrazyklin-Therapie, sondern auch der Tumor selbst kardiotoxische Effekte hat, die durch Zytokine induziert werden, die sich von Tumor zu Tumor unterscheiden“, so Gomes.

Literatur

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