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11.07.2017 | Kardiologie | Nachrichten

Finale Ergebnisse der RE-VERSE-AD-Studie

Dabigatran-Antidot bewährt sich in Notfallsituationen

Autor:
Peter Overbeck

Mit dem spezifischen Antidot Idarucizumab lässt sich in Notfallsituationen die gerinnungshemmende Wirkung des Thrombinhemmers  Dabigatran binnen Minuten aufheben. Das bestätigen die finalen Ergebnisse der RE-VERSE-AD-Studie.

Die RE-VERSE-AD-Studie hatte zum Ziel, Wirksamkeit und Sicherheit von Idarucizumab als spezifisches Dabigatran-Antidot in klinischen Notfallsituationen zu untersuchen, in denen eine rasche Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung des Thrombinhemmers geboten erschien. Im Fokus standen dabei zwei mit Dabigatran behandelte Patientengruppen: Zum einen Patienten mit nicht beherrschbaren schweren Blutung unter Dabigatran (Gruppe A), zum anderen Patienten, die sich dringenden Operationen oder Interventionen unterziehen mussten und bei denen demzufolge eine rasche Normalisierung der Hämostase erforderlich war (Gruppe B).

Klinische Prüfung bei 503 Patienten

Die abschließende Analyse basiert auf den  Daten von 503 älteren und zumeist multimorbiden Patienten (301 in Gruppe A und 202 in Gruppe B), die an 173 Zentren in 39 Ländern in die Studie aufgenommen worden waren. Die vollständigen Ergebnisse sind aktuell beim ISTH-Kongress (International Society on Thrombosis and Haemostasis) in Berlin vorgestellt und simultan im „New England Journal of Medicine“ publiziert worden. 

Die Studienteilnehmer erhielten 5 mg Idarucizumab, verteilt auf zwei Bolus-Infusionen im kurzen Abstand von maximal 15 Minuten. Primärer Endpunkt hinsichtlich der Wirksamkeit war die maximale prozentuale Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Dabigatran  in den ersten vier Stunden nach Ende der Infusion. Bestimmt wurde der Effekt auf die gerinnungshemmende Aktivität anhand der beiden Laborparameter verdünnte Thrombinzeit (diluted Thrombin Time, dTT) und Ecarin-Gerinnungszeit (ECT, Ecarin Clotting Time).

Gerinnungshemmung zu 100% aufgehoben

Im vorgegebenen Zeitraum  betrug die mit Idarucizumab erreichte mediane maximale Aufhebung der durch Dabigatran bewirkten Gerinnungshemmung 100 Prozent, so das Hauptergebnis. Die Wirkung  des Dabigatran-Antidots war bereits innerhalb von Minuten nachweisbar und unabhängig von Alter, Geschlecht, Nierenfunktion und zu Beginn gemessener Dabigatran-Konzentration.

Von den Patienten der Gruppe A hatten 137 (45,5%) gastrointestinale,  98 (32,6%) intrakranielle und 78 (25,6%) traumatisch bedingte Blutungen. Bei Patienten mit extrakraniellen Blutungen – nur bei ihnen war eine Beurteilung der Blutstillung in den ersten 24 Stunden  möglich - betrug  die Zeit  bis zum Stillstand der Blutung nach Idarucizumab-Gabe im Median 2,5 Stunden.

In Gruppe B wurde der intendierte operative oder interventionelle Eingriff de facto bei 197 von 202 Patienten (97,5%) durchgeführt. Die periprozedurale Hämostase wurde bei 93,4%  aller Patienten als normal beurteilt. Zwischen Idarucizumab-Gabe und Beginn der notfallmäßigen Operation oder Intervention vergingen im Median 1,6 Stunden.

Bei 34 von 503 Studienteilnehmern (6,8 Prozent) kam es innerhalb von 90 Tagen zu thrombotischen Ereignissen. Die Mortalitätsraten lagen zum Zeitpunkt nach 30 Tagen bei 13,5% (Gruppe A) und 12,6% (Gruppe B) und nach 90 Tagen bei 18,8% (Gruppe A) und 18,9% (Gruppe B).

Die Analyse ergab  keine relevanten Anhaltpunkte für Bedenken bezüglich der Sicherheit des Dabigatran-Antidots.

Nach Angaben der Herstellers Boehringer Ingelheim ist Idarucizumab mittlerweile weltweit an mehr als 8.200 Kliniken in 61 Ländern verfügbar. 

Literatur