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12.10.2017 | DGK Herztage 2017 | Nachrichten

Individualisierte Medizin

DGK will Rolle der Patienten bei Therapieentscheidungen stärken

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

In der Kardiologie soll künftig die partizipative Entscheidungsfindung (PEF) stärker gefördert werden. Ziel ist, gemeinsam mit dem Patienten auf der Basis wissenschaftlich fundierter Leitlinien individuelle therapeutische und diagnostische Entscheidungen zu treffen.

Die sog. partizipatorische  Entscheidungsfindung (PEF) bzw. „shared decision making“ (SDM) fördert die Patientenautonomie bei wichtigen medizinischen Entscheidungen und hilft, die Wünsche der Betroffenen besser zu berücksichtigen. Dieser Trend hat sich in der Onkologie und in der Neurologie bei der Behandlung von MS-Patienten bereits etabliert und wird auch in der Schmerzmedizin diskutiert.

Dass er in der Herzmedizin ebenfalls seine Berechtigung hat und vorteilhaft ist, zeigen aktuelle Publikationen. Dort heißt es u.a.: „Gibt es mehrere vernünftige diagnostische oder therapeutische Alternativen, sollten diese auf der Basis der vorliegenden Evidenz explizit bezüglich relevanter Vor- und Nachteile in einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared decision making) verglichen werden.“

In der Kardiologie hat es in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gegeben, die dazu beitragen, das Leben herzkranker Patienten zu verbessern und zu verlängern. Ein gutes Beispiel ist die Aortenklappenstenose, die mit TAVI (Transkatheter-Aortenklappen-Implantation) minimalinvasiv behandelt werden kann. Studien wie PARTNER 2a und SURTAVI belegen, dass das schonendere TAVI-Verfahren, im Vergleich zum invasiven chirurgischen Klappenersatz auch bei Patienten mit intermediärem Risiko gleichwertig ist. Inzwischen hat sich auch gezeigt, dass die Haltbarkeit der Herzklappen in einem Beobachtungszeitraum von bis zu fünf Jahren nach minimalinvasiver Implantation nicht schlechter ist als nach chirurgischem Herzklappenersatz.

„Damit ist eine wunderbare Behandlungsmöglichkeit für ältere Patienten entstanden“, sagte der DGK-Präsident Prof. Hugo Katus, Heidelberg bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Berlin. Hier sollte ein Patient mit Aortenstenose nach Aufklärung  über Nutzen und Risiken beider Methoden mitentscheiden können, welchem Eingriff er sich unterziehen möchte.

Nach Ansicht von  Katus müssen gemeinsame  Entscheidungsfindungsprozesse auf der Basis folgender Kriterien stattfinden: Sowohl Arzt und Patient sind an der Entscheidung beteiligt, der Informationsaustausch findet in beide Richtungen statt, jeder betont seine Empfehlungen und Wünsche, die Alternativen werden besprochen und die Entscheidung wird vom Patienten mit dem Arzt getroffen.

Grundsätzlich bestehe bei der PEF kein Konflikt mit der evidenzbasierten Medizin, so Katus. Denn es komme in der Praxis darauf an, eine Therapie nicht nur nach bestmöglicher Evidenz aus der systematischen Forschung umzusetzen, sondern Leitlinien auch dahingehend zu überprüfen, ob sie dem klinischen Zustand, der Situation und den Vorstellungen des Patienten gerecht werden.

Auch wenn noch einige kritische Details zu klären sind, muss sich die Kardiologie der partizipativen Entscheidungsfindung öffnen, um eine stärkere Individualisierung in den medizinischen Alltag zu implementieren und mehr personalisierte Therapieoptionen zu ermöglichen. Ein wichtiger Schritt wäre es dabei, die Berücksichtigung der Patientenwünsche demnächst ausdrücklich in den Leitlinien zu verankern, resümierte Katus.

Literatur

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