Skip to main content
main-content

03.09.2019 | Kardiologie | Nachrichten

Andexanet alfa

Erstes Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer jetzt in Deutschland verfügbar

Autor:
Peter Overbeck

Andexanet-alfa, das erste in der EU zugelassene Faktor-Xa-Inhibitor-Antidot zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen bei Antikoagulation mit  Rivaroxaban oder Apixaban, ist seit dem 1. September verfügbar, teilt die Portola Deutschland GmbH mit.

Bislang war der Thrombinhemmer Dabigatran der einzige Wirkstoff aus der Riege der Nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (NOAKs), für den es ein Antidot gab. Mit der jetzt bekanntgegebenen Markteinführung von Andexanet alfa (Warenzeichen: Ondexxya®) in Deutschland steht nun  auch für die beiden Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban oder Apixaban eine Gegenmittel zur Verfügung, das im Fall lebensbedrohlicher oder unkontrollierbarer Blutungen zur raschen Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung eingesetzt werden kann.  Seit 1. September 2019 kann das Präparat von deutschen Klinikapotheken bestellt werden, informiert die Portola Deutschland GmbH in einer aktuellen Pressemitteilung.

Andexanet alfa ist das erste und einzige für erwachsene Patientinnen und Patienten zugelassene Antidot gegen die Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban und Apixaban. Es kann eingesetzt werden, wenn die durch diese Medikamente induzierte Antikoagulation wegen schwerwiegender Blutungen rasch aufgehoben werden muss.

Am 26. April 2019 erteilte die Europäische Kommission eine auflagengebundene Zulassung für Andexanet alfa zur Anwendung bei erwachsenen Patienten, die mit einem direkten Faktor-Xa(FXa)-Inhibitor (Apixaban oder Rivaroxaban) behandelt werden, wenn aufgrund lebensbedrohlicher oder nicht kontrollierbarer Blutungen eine Aufhebung der Antikoagulation erforderlich ist.

Mittlerweile wird das Antidot nach Angaben des Herstellers in insgesamt neun Leitlinien verschiedener europäischer Fachgesellschaften, darunter die der European Society of Cardiology (ESC)  und der European Stroke Organisation (ESO), berücksichtigt.

Die Anwendung ist nur in Kliniken erlaubt  Andexanet alfa wird  intravenös als Bolus mit einer angestrebten Rate von etwa 30 mg/min über 15 Minuten (niedrige Dosis) oder 30 Minuten (hohe Dosis) appliziert, gefolgt von einer Dauerinfusion von 4 mg/min (niedrige Dosis) oder 8 mg/min (hohe Dosis) über 120 Minuten. Die maximale Aufhebung der Anti-FXa-Aktivität wird innerhalb der ersten zwei Minuten nach Bolus-Verabreichung erreicht. Die Gabe von Andexanet alfa als Bolus, gefolgt von einer Dauerinfusion, führt zu einer anhaltenden Abnahme der Anti-FXa-Aktivität für zwei Stunden nach der Infusion.

Die EU-Zulassung basierte auf Daten aus den Phase-III-Studie ANNEXA-R und ANNEXA-A, in welchen die Sicherheit und Wirksamkeit des Antidots bei gesunden Probanden untersucht wurden, sowie auf Ergebnissen der offenen, einarmigen Phase-IIIb/IV-Studie ANNEXA-4, in der Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffs bei Patienten, die mehrheitlich mit Apixaban oder Rivaroxaban behandelt wurden und bei denen es zu Blutungskomplikationen kam, geprüft worden sind.


Literatur