Skip to main content
main-content

19.01.2018 | Kardiologie | Nachrichten

Herztherapie in Deutschland

Herzbericht 2017: Katheterinterventionen legen zu, Herzoperationen auf stabilem Niveau

Autor:
Philipp Grätzel

Immer mehr Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und Koronarerkrankungen erhalten in Deutschland eine Kathetertherapie. Gleichzeitig können sich herzchirurgische Eingriffe sowohl an Klappen als auch an Herzkranzgefäßen behaupten.

Wer macht was und wie häufig? Das ist in jedem Jahr wieder die spannende Frage, wenn Kardiologen und Herzchirurgen unter dem Dach der Deutschen Herzstiftung gemeinsam den Herzbericht präsentieren. Seit Jahren zeigt sich dabei, dass die Zahl der therapeutischen Katheterinterventionen in den unterschiedlichen Indikationen mal mehr, mal weniger deutlich zunimmt, während gleichzeitig die Zahl der chirurgischen Eingriffe relativ konstant bis leicht rückläufig ist.

Dieser Gesamttrend hielt auch im Jahr 2016 an, wie die jetzt von der Deutschen Herzstiftung im Deutschen Herzbericht 2017 ausgewerteten Statistiken belegen. Bei der koronaren Herzerkrankung war die Gesamtdynamik dabei am geringsten. Die Zahl der Linksherzkatheter-Untersuchungen ist demnach von 911.841 im Jahr 2015 auf 897.939 im Jahr 2016 dezent um 1,5 Prozent gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der perkutanen Interventionen (PCI) von 365.038 auf 377.763 und damit um 3,5 Prozent an. Insgesamt nimmt der Anteil der rein diagnostischen Herzkatheter damit (etwas) ab, was DGK-Präsident Prof. Dr. Hugo Katus vom Universitätsklinikum Heidelberg als begrüßenswerte Entwicklung bezeichnete.

Koronarchirurgische Eingriffe leicht rückläufig

Die Zahl der koronarchirurgischen Eingriffe war im Jahr 2016 erneut leicht rückläufig. Insgesamt gab es 50.114 koronarchirurgische Eingriffe, davon 37.614 Eingriffe, bei denen nur die Koronarien operiert wurden. Im Jahr davor waren es noch knapp 52.000. Bei der Altersverteilung legte neben dem Anteil der über 80-Jährigen, der jetzt 9,4 Prozent aller operierten Patienten beträgt, auch der Anteil der jüngeren Patienten etwas zu. Dies zeige, dass der langfristige Nutzen der Bypasschirurgie wieder stärker erkannt werde, sagte DGTHG-Präsident PD. Dr. Wolfgang Harringer vom Klinikum Braunschweig. Nach wie vor sei es außerdem so, dass Patienten mit Diabetes mellitus überproportional vom operativen Eingriff profitierten.

Erneuter Anstieg bei den TAVI-Prozeduren

Auch bei den Aortenklappeneingriffen setzten sich die Trends der vorausgehenden Jahre tendenziell im Jahr 2016 fort. Die Zahl der Transkatheter-Aortenklappen-Implantationen (TAVI) betrug nach IQTIG-Statistik 17.097. Im Jahr 2015 waren es 15.594. Weit überwiegend sind das endovaskuläre Eingriffe, die Zahl der transapikalen Eingriffe ist weiter gesunken.

Beim konventionellen chirurgischen Aortenklappenersatz (AKE) gab es gemäß der hier zuverlässigeren DGTHG-Statistik im Jahr 2016 insgesamt 10.961 Eingriffe, nach 11.183 im Jahr 2015. „Der Rückgang war damit geringer als erwartet“, so Harringer. Was weiter zulegt, ist die Mitralklappenchirurgie. 2016 wurden 6.217 derartige Eingriffe durchgeführt, knapp zwei Drittel davon Rekonstruktionen. Zu den katheterinterventionellen Mitralklappentherapien enthält der Herzbericht keine Statistiken.

Ein Plus auch bei den Ablationen

Bei den elektrophysiologischen Untersuchungen und Therapien sind die Zahlen aufgrund anderer Datenquellen nicht ganz so hart wie bei den Herzklappeneingriffen. Es handelt sich nur um Hochrechnungen. Auf Basis von DGK-Befragungen geht der Herzbericht davon aus, dass im Jahr 2016 insgesamt 69.703 elektrophysiologische Untersuchungen in Deutschland durchgeführt wurden, ein Plus von gut 5 Prozent gegenüber 2015. Bei den Ablationen werden für 2016 insgesamt 81.956 Eingriffe angegeben, ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber 2015. Bei Schrittmachern und ICD-Implantaten hat sich wie in den Jahren davor wenig verändert.

„Nicht das, was wir haben wollen“

Im Zusammenhang mit den rhythmologischen Interventionen und Operationen wies Katus darauf hin, dass eine stärkere Konzentration der Eingriffe wünschenswert sei und von der DGK über Qualitätsindikatoren auch angestrebt werde: „Den Nutzen von Mindestmengen wissenschaftlich nachzuweisen ist schwer, aber es sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass wer weniger macht auch weniger Erfahrung hat.“ Wenn etwa bei den ICDs im Schnitt pro Klinik pro Jahr 38 Neuimplantationen vorgenommen würden, dann sei das „nicht das, was wir haben wollen.“ Auch bei den Ablationen könne eine Intervention pro Woche nicht das letzte Wort sein.

Im Jahr 2016 führte in Deutschland die Hälfte der Ablationen anbietenden Einrichtungen 150 Eingriffe oder weniger durch. Jede dritte Einrichtung kam nur auf 100 Ablationen oder weniger, rund jede sechste auf weniger als 50.

Literatur