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26.01.2017 | Kardiologie | Nachrichten

Blick über den nationalen Tellerrand

Herzmedizin in Deutschland im europäischen Vergleich

Autor:
Philipp Grätzel

Der „Deutsche Herzbericht“ ist ein Schaufenster auf die positive Entwicklung der Versorgung von Herz-Kreislauf-Patienten in Deutschland. Darauf ausruhen sollte sich das deutsche Gesundheitswesen aber nicht.

So wies der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Thomas Meinertz, anlässlich der Vorstellung des neuen „Herzberichts“ in Berlin darauf hin, dass (einige) andere europäische Länder ähnlich gut, in Teilen sogar etwas besser sind als die Deutschen. Dies gelte zumindest dann, wenn Versorgungsdaten zugrunde gelegt würden, die von der British Heart Foundation und von Epidemiologen der Universität Oxford im vergangenen Jahr zusammengetragen worden waren (Townsend N et al. Eur Heart J 2016; 37:3232-3245).

Ein zentraler Parameter in dieser Arbeit war die altersstandardisierte Herz-Kreislauf-Sterblichkeitsziffer (ASDR). Sie beträgt in Deutschland 477 pro 100.000 Einwohner, deutlich besser als in den meisten osteuropäischen Ländern, aber schlechter als in Frankreich (275), den Niederlanden (332) oder auch Großbritannien (334).

Passend dazu bewege sich Deutschland auch bei den verlorenen gesunden Lebensjahren aufgrund von Tod oder kardiovaskulärer Erkrankung (DALY) nur im europäischen Mittelfeld, nämlich bei 67 DALY pro 1.000 Personen. In Frankreich bzw. den Niederlanden liegt dieser Wert bei 40 bzw. 42.

Auch bei der Letalitätsrate nach akutem Herzinfarkt liege Deutschland mit 8,7 % nicht vorn, so Meinertz. Schweden ist hier mit 4,5 % an der Spitze, und auch Frankreich und die Niederland sind geringfügig besser als Deutschland. Bei dieser Zahl gebe es allerdings ein Verzerrungspotenzial dadurch, dass sie sich auf stationäre Patienten beziehe. Mit anderen Worten: Je mehr Patienten mit schwerstem Infarkt das Krankenhaus erreichen, umso schlechter wird die Letalitätsrate sein, auch wenn die Herzinfarktversorgung insgesamt nicht schlechter ist. Allerdings: Bei der Letalitätsrate der Schlaganfallversorgung ist Deutschland europaweit führend, gleichauf mit Schweden. Der Unterschied kann also nicht nur an der Geografie liegen.

Interessant sind auch die europäischen Vergleichszahlen zu den stationären Liegezeiten. Seit der DRG-Einführung ist in Deutschland ja immer wieder zu hören, dass Patienten nur noch „durchgeschleust“ würden. Tatsächlich bleiben Patienten mit akutem Myokardinfarkt in Deutschland im Mittel 10,3 Tage im Krankenhaus. In Großbritannien sind es 7,1, in Österreich 8,1 und in Norwegen und Dänemark nur 4,0 bzw. 3,9 Tage.

Literatur

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