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18.01.2018 | Kardiologie | Nachrichten

Umstrittener US-Präsident

Kardiologen zweifeln an „exzellenter“ Gesundheit von Donald Trump

Autor:
Peter Overbeck

In der von Donald Trump so ungeliebten „New York Times“ äußern renommierte Kardiologen große Zweifel am kurz zuvor  vom  Arzt des Weißen Hauses  offiziell bescheinigten „exzellenten“ Gesundheitszustand des US-Präsidenten  –  was  Letzterer  vermutlich in gewohnter Manier wieder als „fake news“ brandmarken dürfte.

Donald Trump steht mit der Presse auf Kriegsfuß. Er sieht sich von ihr verfolgt. Überall  entdeckt er  seiner Meinung nach verlogene Berichte über seine Person, seine Geschäfte und seine Politik. Ganz oben auf der Liste der von Trump gegeißelten Medien steht die „New York Times“.

Ihr hat der US-Präsident deshalb aus Abneigung  jetzt eine ganz besondere „Ehre“ erwiesen. Am 17. Januar veröffentlichte  er auf der Website seiner Republikaner-Partei  seine schon länger angekündigte Liste mit der Rangfolge der aus seiner Sicht zehn unfairsten und übelsten Medienbeiträge. Nicht überraschend  hat er mit seinen „Fake News Awards“ gleich mehrere in der „New York Times“  erschienene Beiträge „ausgezeichnet“.

Ein kurz danach erschienener NYT-Beitrag  könnte ein möglicher Kandidat für Trumps nächste „Awards“ sein, sollte er seine von vielen heftig kritisierten „Auszeichnungen“  weiter fortsetzen. Die beiden Autoren dieses Beitrags   lassen darin einige renommierte und mit dem Weißen Haus nicht verbundene US-Kardiologen mit Einschätzungen speziell zum kardiovaskulären Gesundheitszustand Trumps zu Wort kommen. Dieser Zustand war kurz zuvor auf einer Pressekonferenz von Dr. Ronny L. Jackson, dem für das Weiße Haus zuständigen Arzt, für  rundum „exzellent“ befunden worden. Jackson betonte dabei vor allem die Tatsache, dass der US-Präsident weder Raucher sei noch an Diabetes leide.

LDL-Wert von 143 mg/dl

Andere Befunde der Gesundheitsuntersuchung des US-Oberhauptes  werden von Kardiologen allerdings als bedenklich angesehen – vor allem das Ergebnis der Cholesterin-Messung. Danach  hatte Trump einen LDL-Cholesterinwert von 143 mg/dl –  und das, obwohl sein Arzt ihm die Einnahme von 10 mg Rosuvastatin pro Tag verordnet hatte. Dr. David Maron von der Stanford University  hält dieses Ergebnis „definitiv“ für beunruhigend. Wäre der Präsident sein Patient, würde er sich als Arzt Sorgen wegen eines möglichen Herzinfarktes machen, wird Maron zitiert.

Sein Kollege Dr. Eric Topol, Kardiologe am Scripps Research Institute,  pflichtet ihm bei: „Das ist wirklich ein hoher LDL-Wert“.  Topol weist auch darauf hin, dass Trump nicht mehr der Jüngste und Sachen körperliche Bewegung und  Körpergewicht nicht  gerade ein Vorbild sei. „Wie kann man bei diesen Indizes von exzellenter Gesundheit reden? Das steht im völligen Widerspruch“, so Topol.

„Gefährliche Höhe“

Dr. Daniel Rader von der University of Pennsylvania schätzt, dass 10 mg Rosuvastatin das LDL-Cholesterin um mindestens 30% senken dürften. Demnach habe der LDL-Ausgangswerte Trumps vor der Statin-Therapie vermutlich bei  über 200 mg/dl gelegen – eine „gefährliche Höhe“, so der Experte. Die Frage sei, wie lange  der US-Präsident vor der Therapie einem so hohen Cholesterin-Spiegel  ausgesetzt war.

Dr. Sanjay Gupta wird mit Hinweis auf die Tatsache zitiert, dass der koronare Kalzium-Score  beim US-Präsidenten seit 2009 von 34 auf 133 angestiegen sei.  Mit der Einschätzung, dass dies besorgniserregend sei, steht er allerdings wohl allein: Weder Maron noch Topol oder Rader halten diesen Befund  für bedenklich.

Literatur