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24.06.2017 | Kardiologie | Nachrichten

Multimediale Optionen

Qualitätsoffensive interventionelle Fortbildung

Autoren:
Albrecht Elsässer, Holger Nef

Neue Weiterbildungskonzepte in der interventionellen Kardiologie wie Web.PCI bieten ortsunabhängige Teilnahmemöglichkeiten.

Die Attraktivität des Web-PCI-Formats liegt darin, dass ein Thema in überschaubarem Zeitraum umfassend dargestellt wird und man ortsunabhängig über das Internet live partizipieren kann. Ein Fall lässt sich außerdem zu jedem beliebigen Zeitpunkt für Fortbildungsveranstaltungen nutzen. Web.PCI repräsentiert somit ein umfassendes und vor allem neues „Education-on-demand“-Format.

Mit dem uneingeschränkten Zugriff auf die Beiträge sind diese jederzeit nutzbar zur Inhaltsvermittlung, aber auch zur konkreten Vorbereitung auf Interventionen, wobei auch Konzepte zur Beherrschung von Komplikationen entwickelt werden können. Die evidenzbasierte Datenpräsentation, verbunden mit konkreter Umsetzung von Interventionskonzepten und der daraus resultierenden Diskussion, sind wichtige Voraussetzungen für eine Qualitätssteigerung.

Die vorgestellten Formate werden besonders von jungen Interventionalisten genutzt, während bei vielen langjährig interventionell Tätigen das Prinzip des „learning by doing“ weiter vorherrscht. Wie nachteilig dieses Vorgehen sein kann, zeigte sich kürzlich bei der Therapieimplementierung von bioresorbierbaren Scaffolds. Mit Datenanalysen ließ sich eindeutig dokumentieren, dass die initial negativen Ergebnisse bzgl. hoher Raten für akute Scaffoldthrombosen einer falschen Implantationstechnik geschuldet waren. Womöglich nicht vorhandene Kenntnis aktueller Studienergebnisse, unzureichende Auseinandersetzung mit neuen Techniken, zu geringe Anzahl durchgeführter Prozeduren sowie fehlende Objektivierung der Interventionsergebnisse und mangelnde kritische Diskussion darüber, können wichtige Ursachen für die inadäquate Behandlung oder Empfehlung von Therapieformen sein, die für Patienten größeren Aufwand und evtl. auch ein höheres Risiko bedeuten.

Solche Sachverhalte erklären die derzeit bestehende Inhomogenität bei der Therapiequalität in Deutschland. Erste Schritte diese unbefriedigende Situation zu ändern, sind gemacht. Jedoch müssen weitere Konzepte zur Fort- und Weiterbildung initiiert und etabliert werden. Die klassischen Veranstaltungskonzepte können hier einen Beitrag leisten, aber künftig sollten Multimediaplattformen routinemäßig genutzt werden. Z. B. könnten mit Online-Beiträgen von Expertenkonferenzen zeitnah neueste Studienergebnisse diskutiert, bewertet und unmittelbar in den klinischen Alltag implementiert werden. Auch unabhängige Foren ließen sich schaffen, in denen konkrete Befunde gemeinsam mit Spezialisten unterschiedlichster Disziplinen besprochen sowie Interventionsstrategien erarbeitet werden. Man könnte auch während komplexer Prozeduren einen externen Interventionalisten involvieren, der das Prozedere begleitet. Durch mehr Interaktion, Kommunikation und uneingeschränkte Partizipation ließen sich so eindeutiger Indikationen stellen, effizienter moderne Behandlungsstandards etablieren und Ergebnisse objektivieren. Jeder Einzelne könnte auf individuelle Fragen ad hoc Antworten von spezialisierten Experten erhalten.

Die vielfältigen Optionen von Multimediaplattformen sollten wir interventionellen Kardiologen nutzen, ausbauen und weiterentwickeln. Dadurch ist Aus- und Weiterbildung in ganz neuen Formen garantiert und die Netzwerkstrukturen könnten in maßgeblich dazu beitragen, eine Qualitätssteigerung für interventionelle Therapien zu erreichen, damit wir derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen gerecht werden. Entscheidend wird jedoch sein, ob die Mehrzahl der interventionellen Kardiologen diese Konzepte positiv annimmt, selbst auch Teil eines solchen Netzwerkes sein will und sich entsprechend einbringt. Die AGIK wird aktiv an der Implementierung von Multimediaplattformen mitarbeiten, zum Leben erwecken können wir sie aber nur gemeinsam!

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