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31.07.2018 | Kardiologie | Nachrichten

Ungewöhnliche Strategie

Wie Gruppenzwang die Statin-Verordnungspraxis verbessern könnte

Autor:
Veronika Schlimpert

Nicht wenige Patienten erhalten keine Statin-Therapie, obwohl sie diese bräuchten. US-Forscher haben nun versucht, die Verordnungspraxis mit ein klein wenig Druck anzukurbeln. 

Was macht denn der Kollege? Das Wissen darum könnte Ärzte dazu veranlassen, Patienten Statine zu verschreiben, die nach den Leitlinien eine solche Therapie auch benötigen. In den USA hat diese Art von Gruppenzwang jedenfalls ein klein wenig Wirkung gezeigt.

Prof. Mitesh Patel und Kollegen haben im Rahmen der randomisierten PRESCRIBE-Studie eine sicherlich etwas diskussionswürdige Verhaltensintervention ausprobiert; insgesamt 96 Hausärzte, die in 32 Praxiskliniken in Pennsylvania und New Jersey tätig waren, und 4.774 von ihnen behandelte Patienten nahmen an der Studie teil.  

In Konkurrenz mit den Kollegen

Eine Gruppe von Ärzten erhielt eine Mail mit einer automatischen Patientenübersicht (LDL, BMI, Vorgeschichte usw.) aller Patienten, die laut AHA-Leitlinie von 2013  ein Statin benötigen, dieses aber bis dato nicht verordnet bekommen hatten. Über dieses Dashboard konnten die Ärzte aktiv entscheiden, ob sie diesem Patienten ab sofort ein Statin verschreiben wollen, falls ja welches und in welcher Dosis. Eine zweite Gruppe erhielt  darüber hinaus noch eine E-Mail, die ihnen Rückmeldung gab, wie sie bzgl. ihrer Statin-Verordnungspraxis im Vergleich zu ihren Kollegen abschneiden: z. B. „statin prescribing rate: 50%; average of your peers at Penn: 64%“ oder „among your peer physicans at Penn, you are a top performer“. Die dritte Gruppe ging ihrem normalen Praxisalltag nach.

Der Vergleich mit den Kollegen hat offenbar einigen Ärzten Ansporn gegeben, es ihnen gleichzutun:  In dieser Interventionsgruppe verwendeten 12 der 32 Ärzte (37,5%)  die ihnen zugesandten Übersicht und bei 8 von 32 Patienten (25%) entschieden sie sich dann für eine Statintherapie. In der Interventionsgruppe ohne die Feedback-Mail begannen die Ärzte bei 2 von 32 Patienten (6,3%) eine Statintherapie (50% nutzten das Dashboard). In der Kontrollgruppe war das bei 40 von 1.566, also 2,6%, der Patienten der Fall.

Bescheidene Wirkung

Signifikant war dieser Unterschied nur für die Intervention, in der die Patientenübersicht mit einer Feedback-Mail kombiniert wurde.

„Eine automatische Patientenübersicht, die eine aktive Entscheidung erfordert, kombiniert mit einem Peergruppen-Vergleich hat zu einem bescheidenen, aber signifikanten Anstieg der leitlinienkonformen Statinverordnungs-Rate geführt“, resümieren die Studienautoren. Da die Ärzte aktiv begründen mussten, warum sie kein Statin verschreiben, obwohl das laut Leitlinien empfohlen werde, habe man sie durch diese Intervention vielleicht zum Umdenken bewegen können.

Patel und Kollegen müssen allerdings zugeben, dass die Effektivität ihrer Strategie bescheiden ausgefallen war und viele Ärzte die automatische Patientenübersicht erst gar nicht verwendet hatten. Laut einer Teilnehmerbefragung standen viele Ärzte dem Angebot wohl skeptisch gegenüber, da dieses nicht aus ärztlicher Hand stammte, sondern von der Forschergruppe verschickt wurde. Die Intervention lasse sich womöglich optimieren, wenn sie in das elektronische Patientendatensystem implementiert und an dieses angepasst werden, hoffen die US-Mediziner.  

Interessant wäre es gewesen, zu erfahren, aus welchen Gründen sich die Ärzte gegen eine Statintherapie entschieden. Dazu gab es in der Publikation keine Informationen.

Literatur