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07.10.2016 | Kardiologie | Nachrichten

Für Kardiologen

Zwei Punkte je Fall für den Medikationsplan

Autor:
Hauke Gerlof

Das für die Erstellung von Medikationsplänen aufgerufene Honorar hat in der Ärzteschaft teils heftige Reaktionen hervorgerufen. Kardiologen beispielsweise sollen pro Fall 21 Cent für ihren Zusatzaufwand erhalten. 

Erst kurz vor Start des bundeseinheitlichen Medikationsplans am 1. Oktober haben Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband die Höhe der Vergütung geklärt. Insgesamt erhalten die Vertragsärzte zusätzlich163 Millionen Euro für die Erstellung von Medikationsplänen – extrabudgetär.

Die Vergütung auf Arztebene erfolgt weitgehend pauschal, unabhängig davon, ob tatsächlich ein Medikationsplan erstellt wurde oder nicht. Bei Kardiologen wird die EBM-Position 13547 als Zuschlag zur Grundpauschalen automatisch von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt. Sie ist mit 2 Punkten, umgerechnet 21 Cent (extrabudgetär) berechnet und soll letztlich den Zusatzaufwand, den Kardiologen aufgrund von Medikationsplänen bei eigenen Patienten haben, pauschal abdecken. Die Höhe des Zuschlags sei nach der Verordnungsfrequenz der Fachgruppen und damit nach der Wahrscheinlichkeit, dass ein Arzt Arbeit mit einem Medikationsplan hat, gewählt worden, heißt es von der KBV.

Ein Kardiologe etwa, der 1.500 Patienten im Quartal hat, bekommt durch den Zuschlag ein zusätzliches Honorar von etwa 300 Euro (zwei Punkte je Fall mit Grundpauschale), die sozusagen pauschal für einen angenommenen Aufwand durch Medikationspläne vergütet werden. Facharztinternisten ohne Schwerpunkt erhalten 9 Punkte je Fall (EBM-Nr. 13227).

Außerdem legten KBV und Kassen fest, in welchen Fällen Patienten einen Medikationsplan erhalten sollen. Demnach sind Hausärzte zum Ausstellen von Medikationsplänen verpflichtet, wenn die Patienten ihren Anspruch, den sie laut Gesetz haben, erheben.

KBV und Kassen haben die Voraussetzung für den Anspruch insofern präzisiert, als Patienten „drei verordnete systemisch wirkende Medikamente“ über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen anwenden. Fachärzte sind nur dann verpflichtet, den Medikationsplan zu erstellen, wenn der Versicherte keinen Hausarzt hat.

Haben Patienten keinen Hausarzt, sind auch Fachärzte in der Pflicht. Dabei sollte den Medikationsplan der Facharzt erstellen, der für den Patienten anstelle des Hausarztes die überwiegende Koordination der Arzneimitteltherapie übernimmt, beispielsweise bei herzkranken Patienten der behandelnde Kardiologe.


Als Einzelleistung können Kardiologen für den Medikationsplan die EBM-Nr. 01630 berechnen – allerdings nur bei Patienten nach Transplantation, bei onkologischen Patienten und bei Schmerzpatienten. Für Kardiologen trifft das also fast ausschließlich für Patienten nach Herztransplantation zu. Die Nr. 01630 ist mit 39 Punkten (4,07 Euro) bewertet und kann einmal im Krankheitsfall (im Jahr) abgerechnet werden. Die Zuschlagsziffer EBM-Nr. 13547 ist neben der 01630 im Krankheitsfall ausgeschlossen.

Der Vertragsarzt nimmt laut KBV grundsätzlich die Medikamente auf, die er selbst verordnet hat. Andere führt er auf, sofern er davon ausreichend Kenntnis hat. Dies können auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente sein. Die Verantwortung für die verschriebenen Arzneimittel liegt nach Information der KBV unverändert beim jeweils verschreibenden Arzt.

Der erstausstellende Arzt ist zur weiteren Aktualisierung verpflichtet. Aktualisierungen durch andere Ärzte sind ebenfalls möglich. Laut Gesetz können auch Apotheker den Plan auf Wunsch des Versicherten aktualisieren.

Die Reaktionen auf die Entscheidung zum Honorar fallen teils drastisch aus. „Lachhaft“ sei ein Honorar von maximal einem Euro im Quartal, äußerte sich zum Beispiel Dr. Hans-Friedrich Spies, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), auf Anfrage, ganz zu schweigen von den 21 Cent pro Behandlungsfall für Kardiologen.

„Das Honorar für den Medikationsplan müsste bei den Ärzten ankommen, die auch die Arbeit damit haben“, so Spies, der selbst Kardiologe ist. Bei dieser Systematik sei das aber überhaupt nicht gegeben. Gerade Internisten bekämen häufig Überweisungsfälle zur Mitbehandlung, um die Medikation zu überprüfen. Das werde nicht abgebildet. 

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