Skip to main content
main-content

07.05.2018 | Kardiologische Notfälle | Nachrichten

Andexanet alfa

Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer: Die US-Zulassung ist da, in der EU dauert es noch

Autor:
Peter Overbeck

Der zur raschen Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Faktor-Xa-Hemmern entwickelte Wirkstoff Andexanet alfa  ist in den USA von der Gesundheitsbehörde FDA zugelassen worden. Auf die  EU-Zulassung muss  noch etwas gewartet werden.

Das in Kalifornien beheimatete  US-Unternehmen Portola Pharmaceuticals hat mit Andexanet alfa einen neuen Wirkstoff entwickelt, der als „Universal-Antidot"  in klinischen Notsituationen spezifisch die gerinnungshemmende Wirkung von Faktor-Xa-Hemmern rasch aufheben soll. Die FDA hat Andexanet alfa jetzt als erstes und bislang einziges Antidot für Faktor-Xa-Hemmer zugelassen, und zwar bei mit Rivaroxaban oder Apixaban behandelten Patienten, bei denen aufgrund von lebensbedrohenden oder unkontrollierten Blutungen eine rasche  Aufhebung der Antikoagulation notwendig erscheint.  

Zulassung nur für Rivaroxaban- und  Apixaban-Behandlung

Zwar  richtet sich die Wirkung von Andexanet alfa sowohl gegen alle direkten Faktor-Xa-Hemmer als auch gegen indirekte Faktor-Xa-Hemmer wie Enoxparin aus der Gruppe der niedermolekularen Heparine. Von der jetzt erteilten US-Zulassung bleiben aber die Behandlungen  mit den beiden Faktor-Xa-Hemmern Edoxaban und Betrixaban sowie mit Enoxaparin  ausgeschlossen.

Bereits im August 2016 hatte der Hersteller Portola Pharmaceuticals  den Erhalt  eines „Complete Response Letter“ (CRL) der FDA gemeldet, in dem die US-Gesundheitsbehörde zusätzliche  Informationen einfordert, die vor allem die Herstellung des Wirkstoffs betrafen. Es waren  aber auch weitere zulassungsrelevante Daten hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit im Fall einer Behandlung mit Edoxaban und Enoxaparin verlangt worden.  Anscheinend hat die FDA die diesbezügliche Datenlage noch immer als nicht ausreichend  erachtet.

Die US-Behörde  hatte Andexanet alfa zuvor als „Breakthrough“-Therapie ein beschleunigtes Zulassungsverfahren gewährt und zudem „Orphan Drug“-Status verliehen. Bislang war der spezifisch die Wirkung des direkten Thrombinhemmers Dabigatran aufhebende Wirkstoff Idarucizumab das einzige zugelassene Gegenmittel  bei  Behandlung mit einem NOAK.

Das rekombinante Molekül  von Andexanet alfa  ähnelt dem menschlichen Faktor Xa (FXa), ohne dessen für die Wirkung auf die Gerinnung nötige GLA-Domäne zu besitzen. Andexanet alfa wirkt als eine Art Köder (decoy) und bindet mit hoher Affinität und kompetitiv zu humanem FXa im Blut vorhandene Faktor-Xa-Hemmer.

Antrag bei der EMA wird noch geprüft

Grundlage der US-Zulassung bilden die Ergebnisse der Studien  ANNEXA-A und ANNEXA-R, in denen  Andexanet alfa bei mit Apixaban oder Rivaroxaban  behandelten gesunden Probanden die Wirkung dieser Faktor-Xa-Hemmer in kürzester Zeit  aufhob. Die Behörde hat zudem Daten der  Studie ANNEXA-4  bei Patienten mit schwerwiegenden Blutungen berücksichtigt.

Portola plant, Andexanet alfa  in den USA Anfang Juni 2016 im Rahmen eines „Early Supply Program” auf den Markt zu bringen. Anfang 2019 soll der Wirkstoff dann  auf breiterer Basis im Land  verfügbar sein.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft zurzeit noch den schon vor rund zwei Jahren  eingereichten Zulassungsantrag für Andexanet alfa. Mit einer endgültigen Entscheidung wird hier für Anfang 2019 gerechnet.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

Aus der Kardiothek

05.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

So führen Sie Sonden-Extraktionen erfolgreich durch

Eine Sonden-Explantation ist nicht einfach, vor allem, weil die Patienten immer älter und kränker werden. Mit welchen Hilfsmitteln Sie die Prozedur trotzdem erfolgreich durchführen können, erklärt Prof. Michael Knaut.

04.12.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Knifflige Situationen nach Sonden-Extraktionen

Was tun, wenn bei Anzeichen einer Sonden-Infektion kein Erreger nachweisbar ist. Und was macht man, wenn nach der Explantation Überbleibsel (Ghosts) zu sehen sind?  Dr. Götz Buchwalsky erklärt den richtigen Umgang mit solchen Problemsituationen. 

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise