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23.06.2017 | Kardiologische Notfälle | Nachrichten

Laienreanimation

Bringt bald die Drohne den Defi?

Autor:
Philipp Grätzel

In einer Machbarkeitsstudie haben schwedische Ärzte Drohnen eingesetzt, um Ersthelfer bei Patienten mit Herzstillstand mit einem automatischen externen Defibrillator zu versorgen. Prinzipiell geht das – auch ohne Menschen am Lenker.

Eine kurze Zeit bis zur Defibrillation gilt bei der kardiopulmonalen Reanimation als einer der wichtigsten Prädiktoren für das Überleben von Patienten mit Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses. Vor diesem Hintergrund haben schwedische Kardiologen vom Center for Resuscitation Science am Karolinska Institut in Stockholm untersucht, ob es sinnvoll sein könnte, Defibrillatoren per Drohne zu den Ersthelfern am Ort eines kardialen Notfalls zu bringen.

So könnte die Zeit überbrückt werden, die es dauert, bis ein Rettungswagen vor Ort ist. Im teilweise dünn besiedelten Schweden kann das mitunter relativ lange dauern. Das Pilotprojekt fand in einer Region nördlich von Stockholm statt, in der die Anfahrtszeiten der Rettungswägen relativ lang sind und in der im Sommer viele Schweden ihre Wochenenden oder Urlaubswochen verbringen.

Über insgesamt 18 Flüge berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA. Zum Einsatz kam keine „Supermarktdrohne“, sondern ein professionelles Gefährt, das über acht Rotoren verfügt, knapp 6 Kilogramm wiegt und bis zu 75 km/h schnell fliegen kann. Der Defibrillator wog nochmal gut 700 Gramm, sodass in Summe 6,5 Kilogramm durch die Luft sausten.

Drohne war schneller als das Auto

Was die Wissenschaftler eindeutig zeigen konnten ist, dass die Drohne schneller ist als das Auto. Die 18 Testflüge wurden zu Orten hin unternommen, an denen in der Vergangenheit reale Unglücksfälle passiert waren und bei denen die Zeiten, die der Rettungswagen gebraucht hatte, bekannt waren. Zwischen Alarmierung der Leitstelle und der Landung der Drohne am Unfallort vergingen im Mittel 5 Minuten und 21 Sekunden. Die Rettungswägen brauchten im Mittel 22 Minuten, der Defi per Drohne war also gut 16 Minuten früher am Ort des Geschehens.

Der Clou an der Sache ist, dass der Flug allein auf Basis der in eine Steuersoftware eingegebenen GPS-Koordinaten erfolgt. Es gibt also keinen Menschen, der die Drohne lenkt. In Verbindung mit Apps, mit deren Hilfe registrierte Ersthelfer von Leitstellen an den Unglücksort gelotst werden, könnte so also ein vergleichsweise leicht zu verwaltendes, hoch automatisierbares zusätzliches Nothilfesystem aufgesetzt werden, das das konventionelle Rettungswesen ergänzt.

Eine andere Frage ist, ob das Geld, das Defi-Drohnen kosten, nicht auch in eine bessere Ausbildung von Laienhelfern und eine bessere Ausstattung des öffentlichen Raums mit Defibrillatoren fließen könnte. Möglicherweise ließe sich damit mehr erreichen.

Literatur