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23.11.2016 | Kardiologische Notfälle | Nachrichten

AHA 2016: Aktualisierte RE-VERSE-AD-Daten

Dabigatran-Antidot in klinischer Studie erneut erfolgreich

Autor:
Peter Overbeck

Mit dem Wirkstoff Idarucizumab lässt sich in Notfällen die gerinnungshemmende Wirkung von Dabigatran binnen Minuten aufzuheben. Das bestätigen Ergebnisse einer aktualisierten Analyse von Daten der bislang größten Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit eines NOAK-Antidots in der klinischen Praxis.

Ziel der RE-VERSE-AD-Studie ist, Idarucizumab als spezifisches Dabigatran-Antidot in seltenen klinischen Notfallsituationen zu testen, in denen eine rasche Aufhebung der Gerinnungshemmung notwendig erscheint. Wirksamkeit und Sicherheit dieses vollständig humanisierten Antikörper-Fragments werden dementsprechend bei zwei mit Dabigatran behandelten Patientengruppen untersucht: Bei Patienten mit nicht beherrschbaren schweren Blutung unter Dabigatran (Gruppe A) sowie bei Patienten, die sich dringenden Operationen oder Interventionen unterziehen müssen und bei denen demzufolge eine rasche Normalisierung der Hämostase erforderlich ist. (Gruppe B).

Mittlerweile Daten von 494 Patienten

Basis der neuesten Analyse bilden die Daten von mittlerweile 494 älteren und zumeist multimorbiden Patienten (298 in Gruppe A und 196 in Gruppe B). Die Ergebnisse des aktuellen RE-VERSE-AD -Updates hat Studienleiter Dr. Charles Pollack aus Philadelphia beim Kongress der American Heart Association (AHA) in New Orleans präsentiert.

Die Studienteilnehmer erhielten 5 g Idarucizumab, verteilt auf zwei Bolus-Infusionen im kurzen Abstand von maximal 15 Minuten. Bestimmt wurde der Effekt auf die gerinnungshemmende Aktivität anhand der beiden Laborparameter verdünnte Thrombinzeit (diluted Thrombin Time, dTT) und Ecarin-Gerinnungszeit (ECT, Ecarin Clotting Time).

Rasche und komplette Aufhebung der Antikoagulation

Wie Pollack berichtete, lag die innerhalb von vier Stunden mit Idarucizumab erreichte mediane maximale Aufhebung der Gerinnungshemmung (primärer Endpunkt), gemessen an beiden Laborparametern, bei 100 Prozent. Die Antagonisierung der Gerinnungshemmung war bereits innerhalb von Minuten nach Verabreichen des Dabigatran-Antidots nachweisbar.

Die Auswertung der Gerinnungstests ergab bei 98,7% (Gruppe A) und 98,6% (Gruppe B) aller Patienten mit erhöhten Ausgangswerten eine Normalisierung der dTT-Werte und bei 81,5% (Gruppe A) und 83,5% (Gruppe B) eine Normalisierung der ECT-Werte innerhalb von vier Stunden nach Idarucizumab-Gabe.

In der Gruppe A war die Blutungsquelle bei 97 Patienten intrakraniell und bei 201 Patienten extrakraniell lokalisiert. Bei Patienten mit extrakraniellen Blutungen vergingen bis zum bestätigten Blutungsstillstand - basierend auf der klinischen Beurteilung durch die Untersucher vor Ort – je nach feststellbarer Lokalisation (gastrointestinal, nicht gastrointestinal) 3,5 bis 4,5 Stunden.

Intraoperative Hämostase zumeist „normal“

In Gruppe B wurde ein operativer Eingriff de facto bei 191 von 196 Patienten (97,4%) durchgeführt. Die intraoperative Hämostase wurde bei 93% aller Patienten als „normal“ beschrieben. Zwischen Idarucizumab-Gabe und Beginn des notfallmäßigen Eingriffs vergingen im Median 1,6 Stunden.

Bei 31 von 494 Patienten(6,3%) kam es innerhalb von 90 Tagen zu insgesamt 35 thrombotischen Ereignissen. Die Mehrzahl der betroffenen Patienten hatte zum Zeitpunkt dieser Ereignisse keine antithrombotische Therapie erhalten.

Zweite Dosis nur sehr selten verabreicht

Nur in sehr wenigen Fälle (1,4%) entschied man sich wegen einer im Zusammenhang mit Blutungsrezidiven (fünf Fälle) oder postoperativen Blutungen (zwei Fälle) festgestellten erneuten Zunahme der Dabigatran-Konzentration im Blut für eine zweite Idarucizumab-Gabe.
Die Raten für die Gesamtmortalität betrugen 12,3% (Gruppe A) und 12,4% (Gruppe B) nach 30 Tagen und 18,7% respektive 18,3% nach 90 Tagen. Die Studie biete keine Anhaltpunkte für Bedenken bezüglich der Sicherheit des Dabigatran-Antidots, betonte Pollack.

In Deutschland ist Idarucizumab als bislang einziges NOAK-Antidot seit Beginn dieses Jahres für Notfälle verfügbar.

Literatur

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