Onlineartikel 19.12.2018

Die Fußsohle offenbarte die Ursache für diesen plötzlichen Herztod

Ein scheinbar gesunder älterer Mann kollabiert beim Frühstück und verstirbt. Nach Inspektion des Fußes konnten die Leipziger Ärzte die Ursache für den plötzlichen Herztod ausfindig machen – und die ist ziemlich ungewöhnlich.

Ärzte um Leon D. Kaulen und Dr. Karl-Philipp Rommel vom Herzzentrum der Universität Leipzig haben in „Clinical Research in Cardiology“  von einem über 80-jährigen Patienten berichtet, der beim Frühstück kollabiert war. Nach 15 Minuten Laienreanimation kam der Rettungsdienst und transportierte den im EKG durchgehend asystolen Patienten unter Reanimation ins Krankenhaus. Dort wurden nach insgesamt einstündiger Reanimation bei persistierender Asystolie, schwerer Laktatazidose und Hyperkaliämie die Bemühungen eingestellt, und der Patient verstarb.

Pigmentierte Raumforderung

Schon bei der Inspektion des Körpers fiel eine unregelmäßige, pigmentierte Raumforderung an der Unterseite des linken Fußes auf, die laut Ehefrau seit Monaten bestanden habe. Abgeklärt worden sei das nicht, denn ihr Mann habe seit sieben Jahren keinen Arzt mehr aufgesucht. Der Patient war langjähriger Hypertoniker, eine Tumorerkrankung war aber nicht bekannt gewesen. Auf Basis des klinischen Befunds wurde post mortem die Verdachtsdiagnose eines malignen Melanoms gestellt, die sich in der Autopsie dann bestätigte. Bei der weiteren pathologischen Abklärung fanden sich zahlreiche, bis zu 20 Millimeter große Raumforderungen in beiden Vorhöfen und Ventrikeln im Bereich von Epi-, Myo- und Endokard.

Mikroskopisch handelte es sich um atypische Melanozyten, die das Myokard gemeinsam mit Lymphozyten und Makrophagen infiltrierten. Daneben fanden sich weitere, ähnliche Metastasen in anderen Organen, darunter Lymphknoten, Lunge und Gastrointestinaltrakt. Die Koronargefäße waren nur gering sklerosiert und ohne relevante Stenosen. Hinweise auf abgelaufene Myokardinfarkte fanden sich nicht. Und auch sonst war das Herz in der Autopsie unauffällig. Wohl als Folge der Hypertonie fiel eine als geringgradig eingestufte, kardiale Hypertrophie auf.

Schon vorher kippte der Patient öfter um

Kardiale Metastasen können bei vielen Tumoren auftreten und das Epikard, das Perikard, das Myokard, das Endokard oder auch die Koronargefäße betreffen. Berichten zufolge findet sich bei bis zu 3,5% aller Tumorpatienten, die autopsiert werden, auch eine kardiale Beteiligung. Bei Patienten, die an malignem Melanom sterben, sind es sogar bis zu 60%. In aller Regel verursachen die kardialen Metastasen aber keine Probleme. Der Patient stirbt am Primärtumor oder an Metastasen in anderen Organen.

Anamnestisch ließ sich im Gespräch mit der Ehefrau eruieren, dass der Patienten in den Monaten vor seinem Tod mehrfach synkopiert war, ohne dass irgendwelche Prodromalsymptome aufgefallen wären. Darüber hinaus sei der Patient gesundheitlich wie immer gewesen. Dies alles spricht den Leipziger zufolge für ein rhythmogenes Geschehen als wahrscheinlichster Todesursache. In der Literatur sind kardiale Metastasen als Ausgangspunkt lebensbedrohlicher Arrhythmien wiederholt beschrieben worden, aber nur selten in Zusammenhang mit einem plötzlichen Herztod.

Literatur

Kaulen LD et al. Cardiac melanoma metastases as a cause of sudden cardiac death. Clin Res Cardiol 2018. doi: 10.1007/s00392-018-1402-4

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Bildnachweise
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Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018