Nachrichten 19.07.2017

Die Laiendefibrillation macht einen Unterschied

Defibrillatoren an öffentlichen Orten können bei der Reanimation außerhalb des Krankenhauses wertvolle Hilfe leisten. Die bisherige Studienlage spricht dafür, dass nicht nur professionelle Ersthelfer, sondern auch Laien die Geräte nutzen sollten.

Automatische externe Defibrillatoren (AED) sind auch in Deutschland immer häufiger an öffentlichen Orten anzutreffen, beispielsweise in Bahnhöfen oder in Einkaufszentren. Der prinzipielle Nutzen dieser Maßnahme gilt als weitgehend unstrittig. Wie die AEDs in Reanimationssituationen ganz konkret am besten eingesetzt werden sollten, ist allerdings etwas unklar und auch von Land zu Land verschieden.

Es gibt Modelle, bei denen die AEDs primär von professionellen Ersthelfern genutzt werden, die vor einem Notarzt am Unglücksort eintreffen, also etwa von Polizisten oder Feuerwehrleuten. Andernorts werden mit Hilfe entsprechender Informationskampagnen sehr explizit auch Laien dazu angehalten, die Geräte zu nutzen. Das dritte Modell ist ein Mischmodell, bei dem registrierte Laienhelfer in der Nähe eines Unglücksorts über die Leitstelle – zum Beispiel mit Hilfe einer App – alarmiert werden und dann eine Laienreanimation durchführen, falls verfügbar inklusive AED.

Eine systematische Übersichtsarbeit in der Zeitschrift „Circulation“ hat jetzt verfügbare Beobachtungsstudien zum AED-Einsatz an öffentlichen Orten ausgewertet. Insgesamt 41 Studien konnten berücksichtigt werden. In 18 dieser Studien ging es um den AED-Einsatz durch zufällig vor Ort befindliche Laien, weitere 20 untersuchten den Einsatz durch professionelle, nicht-medizinische Ersthelfer, und drei Studien deckten beides ab.

Insgesamt war die Studienlage sehr heterogen, und die einzelnen Studien waren kaum vergleichbar, sodass keine formale Metaanalyse durchgeführt werden konnte. Die Wissenschaftler haben sich in erster Linie die Überlebensrate bis Ankunft im Krankenhaus angesehen. Sie lag im Mittel bei 40 %. In Studien mit Laien-Defibrillation betrug sie im Mittel 53 %. War der AED nur professionellen Ersthelfern zugänglich, waren es knapp 29 %.

Die Autoren schließen daraus, dass es Sinn macht, bei Einsatzstrategien für öffentlich platzierte AED Laien mit einzubeziehen. Sie regen außerdem an, Studien durchzuführen, in denen gezielt die Reanimation und Defibrillation durch registrierte, via Leitstelle alarmierte Laien untersucht wird. Dazu gab es nämlich keine einzige Studie, die den Auswahlkriterien genügte. Ein entsprechendes Projekt mit einer Notfall-App läuft in Deutschland derzeit im Raum Lübeck.

Literatur

Baekgaard J et al. The Effects of Public Access Defibrillation on Survival After Out-of-Hospital Cardiac Arrest: A Systematic Review of Observational Studies. Circulation. 7. Juli 2017; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.029067

Highlights

TCT-Kongress 2022

Hier finden Sie die Highlights der Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference 2022, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

Patientin mit NSTEMI – was sehen Sie in der Koronarangiographie?

Koronarangiographie (links: LAO5°/CRAN35°, rechts: RAO35°, CRA 35°) bei einer Patientin mit Nicht ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI). Wie lautet Ihre Diagnose?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Smartphone in der Kitteltasche: Welche Apps helfen im kardiologischen Alltag?

Gesundheitsapps gibt es inzwischen jede Menge – aber welche davon können Kardiologinnen und Kardiologen wirklich unterstützen? Dr. Victoria Johnson aus Gießen gab bei den DGK-Herztagen einen Überblick über die Optionen.

Studie zur Antikoagulation bei subklinischem Vorhofflimmern gestoppt

Die NOAH-AFNET-6-Studie sollte Aufschluss darüber geben, ob sich durch orale Antikoagulation auch bei asymptomatischem Vorhofflimmern thromboembolische Ereignisse verhindern lassen. Jetzt ist die vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. initiierte Studie vorzeitig gestoppt worden.

Ist Rhythmuskontrolle bei asymptomatischem Vorhofflimmern von Vorteil?

Infolge besserer Screeningmethoden wie Smartphone-Apps wächst die Zahl der Menschen mit detektiertem asymptomatischem Vorhofflimmern. Bezüglich der rhythmuskontrollierenden Therapie bei dieser Gruppe sollte ein Umdenken stattfinden, forderte ein Experte bei den DGK-Herztagen 2022.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie (links: LAO5°/CRAN35°, rechts: RAO35°, CRA 35°) bei einer Patientin mit Nicht ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI).

Verordnungsspielräume eines leitliniengerechten Therapiekonzepts aus Sicht der Kardiologen und Hausärzte

Single Pills haben sich in Studien im Vergleich zu Einzelwirkstoffen als vorteilhaft erwiesen. Sie kosten aber mehr als die losen Kombinationen. Dr. med. Georg Lübben gibt Tipps, wie Sie diese trotzdem wirtschaftlich verordnen können.

Young-BNK 2030: Eine Idee

Wie könnte eine Niederlassung 2030 aussehen? Wie findet man dann eine Praxis? Und wie läuft die Praxisversorgung? Dr med. Marvin Schwarz von der Young BNK berichtet über Zukunfts-Ideen der Young BNK.

TCT-Kongress 2022/© mandritoiu / stock.adobe.com
Kardio-Quiz September 2022/© Luise Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org