Nachrichten 26.10.2020

Leitlinien-Update: 7 neue Tipps für Erste Hilfe

Die American Heart Association und das US-amerikanische Rote Kreuz haben basierend auf den aktuellsten Forschungsergebnissen ein Update der wichtigsten Erste-Hilfe-Regeln veröffentlicht.

Jeder kann und sollte Erste Hilfe leisten. Um dabei immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen, werden die entsprechenden Leitlinien regelmäßig ergänzt. Dafür wurden vom First Aid Task Force of the International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) Reviews zu einzelnen Themen durchgeführt, die für Erste Hilfe wichtig sind.

Dazu zählen etwa Schlaganfallerkennung, ASS-Gabe bei Brustschmerzen oder das Stoppen von Blutungen. Die Ergebnisse dieser Reviews wurden dann von Vertretern der American Heart Association und des US-amerikanischen roten Kreuzes in die Erste-Hilfe-Leitlinien übernommen. Das sind die wichtigsten neuen Empfehlungen:

1. Ersthelfer sollten auf Anzeichen von Lähmung des Gesichts, der Arme oder einer ganzen Körperhälfte, auf einseitig reduzierte Griffstärke sowie Probleme beim Sprechen achten, um Menschen mit einem möglichen Schlaganfall zu identifizieren und ggf. den Notarzt zu rufen.

2. Nach Alarmieren des Rettungsdienstes sollten Ersthelfer Erwachsenen mit nicht traumatischen Brustschmerzen, die bei Bewusstsein sind, 162 bis 324 mg ASS zum Kauen und Schlucken geben. Das gilt für alle Erwachsenen ohne ASS-Allergie oder Empfehlung vom Arzt, kein ASS zu nehmen.

3. Erwachsene und Kinder, die bei Bewusstsein sind und möglicherweise eine Hypoglykämie haben, sollten Glukose bekommen. Wenn die Symptome schlimmer werden oder nach zehn Minuten nicht verschwinden, sollte der Rettungsdienst gerufen werden.

4. Ein Druckverband sollte sobald wie möglich verwendet werden, um lebensbedrohliche Blutungen der Extremitäten oder Blutungen, die sich mit direktem Druck nicht eindämmen lassen, zu stoppen.

5. Direkter Druck mit den Händen, und eine hämostatische Wundauflage, falls verfügbar, sollten bei lebensbedrohlichen Blutungen eingesetzt werden, wenn kein Druckverband angewandt werden kann oder bis dieser verfügbar ist.

6. Ein avulsierter Zahn sollte sofort wieder eingesetzt werden, um die Chance zu steigern, dass er wieder anwächst. Wenn das nicht möglich ist, sollte er in Salzlösung oder Frischhaltefolie so schnell wie möglich zum Zahnarzt gebracht werden. Ist beides nicht zur Hand, kann er auch in H-Milch transportiert werden, Leitungswasser ist dagegen nicht geeignet.

7. Für Menschen mit Hyperthermie oder Hitzschlag ist das Eintauchen des ganzen Körpers in kaltes Wasser die effektivste Technik, um schnell die Körpertemperatur zu senken. Das sollte so bald wie möglich geschehen und so lange, bis die Temperatur unter 39°C sinkt oder die Symptome verschwinden. Ist das nicht möglich, sind andere Formen der Kühlung sinnvoll, etwa durch Kühlakkus, kalte Duschen oder Ventilatoren.

Literatur

Pellegrino J et al. 2020 American Heart Association and American Red Cross Focused Update for First Aid. Circulation 2020. https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000000900


Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Was die Cholesterinwerte von Schwangeren über Herzinfarkte der Nachkommen verraten

Hypercholesterinämie in der Schwangerschaft könnte die kardiovaskuläre Gesundheit der Nachkommen im Erwachsenenalter beeinträchtigen. Forscher entdeckten unter anderem signifikante Korrelationen mit dem Auftreten schwerer Herzinfarkte.

Bestimmte Antibiotika könnten Herztod-Risiko von Dialysepatienten erhöhen

Dialysepflichtige Patienten sind besonders gefährdet, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Eine aktuelle Analyse legt nun nahe, dass bestimmte Antibiotika das Risiko erhöhen könnten. Was heißt das nun für die Praxis?

Screening von Sportlern: Wann eine Echokardiografie Sinn macht

Von den Leitlinien wird eine Echokardiografie als Screeningmethode bei Athleten bisher nicht empfohlen. Bei den DGK-Herztagen erläuterte ein Experte, warum ein zusätzlicher Einsatz dieser Methode Sinn machen kann – und wie sie sich sinnvoll implementieren lässt.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg