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07.04.2017 | Kardiologische Notfälle | Nachrichten

Strukturdefizite erkennen und beheben

Positionspapier stärkt internistische Intensiv- und Notfallmedizin

Aufgrund des Mangels an speziell intensiv- und notfallmedizinisch qualifizierten Internisten werden Intensivstationen zunehmend von Ärzten anderer Fachrichtungen geleitet. Die meisten Patienten auf Intensivstation leiden allerdings an einer internistischen Erkrankung.  Die Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN), die unterstützenden Schwerpunktgesellschaften der Inneren Medizin, darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK), sowie der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) setzen sich deshalb in einem Stellungnahme für eine optimale Versorgungsqualität auf Intensivstationen ein.

Mit Sorge sehen wir seit langem die Defizite auf internistischen Intensivstationen im Hinblick auf eine qualifizierte Stationsleitung durch einen Internisten mit der Zusatzweiterbildung „Internistische Intensivmedizin“. Wie aktuelle Anlässe nun zeigen, kann das Fehlen eines qualifizierten Leiters für die jeweilige internistische Intensivstation den Verlust der Leitungsfunktion durch den Internisten nach sich ziehen: Konkret hat der Medizinische Dienst der Krankenkassen bei Überprüfungen verschiedener internistischer Intensivstationen das Fehlen einer durch die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin qualifizierten Leitung als Voraussetzung für die Abrechnung einer aufwendigen intensivmedizinischen Komplexbehandlung bemängelt. Als Konsequenz daraus haben bereits erste Krankenhausverwaltungen privater Träger im norddeutschen Raum internistischen Abteilungen die Verantwortung für ihre Intensivstation entzogen und diese den Anästhesiologen übertragen.

Wir halten solche Entwicklungen für nicht hinnehmbar, müssen aber vorhandene Strukturdefizite auch klar erkennen und beheben.

Neben der Intensivmedizin gewinnt auch die Klinische Notfall- und Akutmedizin immer mehr an Bedeutung. Für die stationäre Notfallversorgung entwickelt der Gemeinsame Bundesausschuss auf der Basis des neuen Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) derzeit Kriterien für die Teilnahme an einer abgestuften Notfallversorgung. Auch hier wird von den Internisten Präsenz in der Notfallversorgung erwartet, da die Mehrzahl der in den Notaufnahmen behandelten und stationär aufgenommenen Patienten internistisch ist. Von besonderer Bedeutung ist für uns auch hier, dass Internisten in Leitungspositionen bzw. -teams von Zentralen Notaufnahmen vertreten sind und so in geeigneter Weise Verantwortung für die internistischen Notfallpatienten übernehmen können.

Auch die Novellierung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) trägt der noch zunehmenden Bedeutung der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin innerhalb der Inneren Medizin durch eine beträchtliche Erweiterung der intensiv- und notfallmedizinischen Weiterbildungsinhalte Rechnung.

Wir halten es deshalb für dringend erforderlich, auf der Leitungsebene der internistischen Fachabteilungen/Kliniken/Departments die Strukturqualität der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin zu verbessern und folgende Maßnahmen möglichst schnell umzusetzen: 

  1. Die internistischen Fachabteilungen einer Klinik sollten eine gemeinsame Arbeitsgruppe gründen, in der der Status quo der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin an einem Standort evaluiert wird und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge entwickelt werden.
  2. Die Leitung der Internistischen Intensivstation beziehungsweise des internistischen Bereichs einer interdisziplinären Intensivstation sollte mit einer Internistin/einem Internisten besetzt werden, die/der über eine entsprechende Zusatzweiterbildung verfügt. In einer solchen Position sollte der überwiegende Anteil der Arbeitszeit für diese Leitungsaufgabe zur Verfügung stehen. Es müssen Karrierewege für Leitungen von Intensivstationen entwickelt werden, die diese Position auch längerfristig attraktiv machen. Ebenso sollten entsprechend qualifizierte Internisten Leitungspositionen in zentralen Notaufnahmen übernehmen bzw. in die dortigen Leitungsteams eingebunden werden. 
  3. Die Zahl internistischer Fachärzte, die die Zusatzweiterbildung Internistische Intensivmedizin oder, sobald verfügbar, Klinische Notfall- und Akutmedizin erwerben, muss dringend erhöht werden. Dazu müssen an den Kliniken entsprechende Rotationsmodelle unter Beteiligung aller internistischen Fachabteilungen etabliert werden. Entsprechende Beispiele haben wir auf http://www.dgim.de/Intensivnotfall/tabid/522/Default.aspx aufgeführt.
  4. Um hervorragend qualifizierten Nachwuchs für Oberarzt- und Leitungspositionen in der Intensiv- und Notfallmedizin auszubilden, sollte die neue MWBO nach unseren Wünschen auch die Option bieten, z.B. im Rahmen der Weiterbildung zum Facharzt Innere Medizin ohne Teilgebietsbezeichnung für längere Zeiträume (z.B. jeweils 15 Monate) auf die Intensivstation und die Notaufnahme zu rotieren. Im Anschluss sollte dann noch die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin oder Klinische Notfall- und Akutmedizin erworben werden. Auch in der schwerpunktbezogenen Weiterbildung sollten längere Rotationen auf die internistische Intensivstation und in die Notaufnahme angerechnet werden können.
  5. Nach dem neuen KHSG sollen Krankenhäuser, die an der Notfallversorgung teilnehmen, hierfür in Zukunft finanzielle Sonderzuschläge erhalten. Diese sollten zur Finanzierung solcher für die Notfallversorgung notwendigen Stellen bzw. Strukturen in der Inneren Medizin eingesetzt werden.


Wir möchten Sie bitten, Fragen, Kommentare, Lösungsvorschläge oder kritische Anmerkungen zu dieser Aktion an folgende E-Mail-Adresse zu senden: intensivnotfall@dgim.de.


Wir hoffen sehr, dass wir gemeinsam den Stellenwert der Internistischen Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland stärken können und bitten daher sehr um Ihre engagierte Mitarbeit.

 

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Prof. Dr. med. R. Riessen,
Präsident DGIIN

 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. U. Fölsch,
Generalsekretär DGIM

 

Dr. med. H.-F. Spies,
Präsident BDI

 

Literatur