Nachrichten 12.11.2016

Statine – Lebensretter auch bei Herzstillstand?

Personen, die einen Herzstillstand erleiden und vorher aus Gründen der kardiovaskulären Prävention Statine eingenommen hatten, haben anscheinend bessere Chancen, das Ereignis zu überleben als Personen ohne vorangegangene Statin-Therapie.

Statine sind eigentlich dazu da, durch Lipidsenkung kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt zu verhindern. Wenn es aber trotz Statin-Behandlung zu einem Herzstillstand kommt, scheinen zumindest die Überlebenschancen höher zu sein als ohne entsprechende Vorbehandlung. Darauf deuten Ergebnisse einer Studie hin, die Untersucher aus Taiwan bei AHA-Kongress in New Orleans vorgestellt haben.

Die Forscher um Dr. Ping-Hsun Yu vom Taipei Hospital Ministry of Health and Welfare in Taiwan haben aus einer nationalen Gesundheitsdatenbank Daten von 138.000 Personen, bei denen es außerhalb von Kliniken zu einem Herzstillstand gekommen war, für ihre Analyse herangezogen. Dabei stellten sie fest, dass eine vorangegangene Einnahme von Statinen innerhalb von 90 Tagen vor dem Ereignis im Vergleich zur Nicht-Einnahme mit signifikant höheren Überlebensraten assoziiert war.

So war die Wahrscheinlichkeit, nach dem Herzstillstand lebend ein Krankenhaus zu erreichen, relativ um 19% höher. Die Chance, lebend aus der Klinik entlassen zu werden, war um 47% höher. Und die Wahrscheinlichkeit, ein Jahr nach dem Ereignis noch am Leben zu sein, war im Vergleich um 50% höher. Die Assoziation mit einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit war bei Personen mit Typ- 2-Diabetes besonders ausgeprägt.

Eine Limitierung: Mehr als 95% der analysierten Opfer von Herzstillständen waren Asiaten. Ob die in der Studie gemachten Beobachtungen auch auf andere ethnische Populationen zutreffen, ist derzeit noch unklar.

Literatur

Ping-Hsun Yu: Use of statins before cardiac arrest may aid survival afterwards, Präsentation beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2016, 12. - 16. November 2016, New Orleans

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

STEMI – mein Alptraum – aus Fehlern lernen

Prof. Dr. Christoph Liebetrau, UK Heidelberg

Erstes Antidot gegen Faktor-Xa-Hemmer jetzt in Deutschland verfügbar

Andexanet-alfa, das erste in der EU zugelassene Faktor-Xa-Inhibitor-Antidot zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen bei Antikoagulation mit  Rivaroxaban oder Apixaban, ist seit dem 1. September verfügbar, teilt die Portola Deutschland GmbH mit

Neuartiger Lipidsenker besteht Test in erster Phase-III-Studie

Über positive „Top Line“-Ergebnisse  der ersten Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des innovativen Cholesterinsenkers Inclisiran  informiert aktuell der Hersteller. Im Detail wird die Studie in Kürze beim europäischen Kardiologenkongress vorgestellt.

Aus der Kardiothek

Auffälliges MRT bei 33-Jähriger – wie lautet Ihre Diagnose?

Ausgeprägtes „Late Gadolinium Enhancement“ (LGE) im MRT bei einer 33-jährigen Patientin, die mit ventrikulärer Tachykardie und eingeschränkter linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) aufgenommen wurde. Wie lautet Ihre Diagnose?

Risikoadjustierter Vergleich zwischen transapikaler TAVI und chirurgischem Aortenklappenersatz

PD Dr. Peter Stachon, UK Freiburg – Sprecher
vs. 
Prof. Rüdiger Autschbach, UK Aachen – Diskutant

Live Cases

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise
Vortrag von Ch. Liebetrau/© DGK 2019
Vortrag von M. Kreußer/© DGK 2019
Late Gadolineum Enhancement im MRT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Diskussion P. Stachon vs. R. Autschbach/© DGK 2019
Vortrag von T. Schmidt/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018
Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018/© DGK