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09.12.2016 | Kardiomyopathie | Nachrichten

Hypertonie, Adipositas, Diabetes

Drei Risikofaktoren vermeiden, das hält Herzinsuffizienz in Schach

Autor:
Peter Overbeck

Wer 45 bis 55 Jahre alt wird, ohne Hypertonie, Adipositas oder Diabetes zu entwickeln, hat gute Chancen, im weiteren Leben von einer Herzinsuffizienz verschont zu bleiben, wie Ergebnisse einer neuen Analyse belegen.

Man kann als Epidemiologe anhand einschlägiger Risikofaktoren ermitteln, wie hoch das Risiko für die künftige Entwicklung einer Herzinsuffizienz und der damit verbundene Verlust an Lebenszeit ist. Man kann das Ganze aber auch ins Positive kehren, indem man aufzeigt, welchen Gewinn an Lebensjahren die Vermeidung bestimmter Risikofaktoren bringt. Viele Experten glauben, dass dieser Ansatz in der Kommunikation mit Patienten über Verhaltensänderungen in Richtung herzgesunde Lebensweise mehr Erfolg verspricht.

Gewinn durch Risikovermeidung

Den „positiven“ Ansatz haben auch US-Forscher um Dr. John T. Wilkins aus Chicago bei ihrem Versuch gewählt, den durch Risikovermeidung erzielbaren Gewinn an von Herzinsuffizienz freien Lebensjahren zu quantifizieren. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass etwa Männer, die 45 Jahre alt werden und frei von Bluthochdruck, Fettleibigkeit (BMI über 30) und Diabetes sind, im Schnitt 10.6 Jahre länger frei von Herzinsuffizienz leben als gleichaltrige Männer mit allen drei Risikofaktoren. Bei Frauen dieses Alters betrug der entsprechende „Gewinn“ 14,9 mehr Lebensjahre ohne Herzinsuffizienz. Im Vergleich zu Personen mit einem, zwei oder drei Risikofaktoren sprangen für diesbezüglich gesund lebende Personen drei bis 15 zusätzliche Lebensjahre frei von Herzschwäche heraus.

Gesamtlebenszeit verlängert

Der prognostische Vorteil der Risikovermeidung spiegelte sich auch in einer längeren Gesamtlebenszeit wider. 45 Jahre alte Männer mit allen drei genannten Risikofaktoren lebten im Schnitt noch 25,8 Jahre, Männer ohne entsprechende Risikofaktoren dagegen noch 35,6 Jahre – also im Vergleich 9,8 Jahre länger. Bei Frauen dieser Altersklasse waren es 25,8 versus 38,8 Jahre an verbleibender Lebenszeit – also ein Plus von 13 Jahren Gesamtlebenszeit bei Risikovermeidung. Die für die Altersgruppe der 55-jährigen Personen ermittelten Ergebnisse gehen tendenziell in die gleiche Richtung.

Das relative Risiko, in der verbleibenden Lebenszeit eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, war bei 45-Jährigen ohne Risikofaktoren um 73% (Männer) und 85% (Frauen) niedriger als bei Personen mit allen drei Risikofaktoren.

Hohes Potenzial von präventiven Strategien

Die Gruppe um Wilkins stützt sich bei ihrer Analyse auf gepoolte individuelle Daten von Teilnehmern an vier in den USA durchgeführten Kohorten-Studien, nämlich Framingham Heart, Framingham Offspring, Chicago Heart Association Detection Project in Industry und ARIC (Atherosclerosis Risk In Communities). Mit Blick auf die Altersgruppe der 45-Jährigen waren es rund 19.000 analysierte Personen, bei denen im Verlauf von 516.537 Personenjahren insgesamt 1.677 neue Fälle von Herzinsuffizienz diagnostiziert worden waren. Eine Limitierung der Studie: Anhand der erhobenen Daten lässt sich nicht differenzieren, ob es sich um eine Herzinsuffizienz mit eingeschränkter oder noch erhaltener linksventrikulärer Auswurffraktion (systolische versus diastolische Herzinsuffizienz) gehandelt hat.

Nach Ansicht der Studienautoren führen diese Ergebnisse vor Augen, wie groß ungeachtet aller Verbesserungen in der Therapie bei manifester Herzinsuffizienz das Potenzial präventiver Strategien zur Vermeidung von Risikofaktoren für diese Herzerkrankung ist.

Literatur