Nachrichten 16.06.2020

Neues Kardiomyopathie-Medikament: Welche Dosis wirkt am besten?

Ein neues Medikament kann die Überlebenschancen von Patienten mit einer ATTR-Kardiomyopathie deutlich verbessern. Jetzt ist klar, welche Dosis für die Behandlung am geeignetsten ist.

Tafamides heißt der Hoffnungsträger für Patienten mit ATTR-Kardiomyopathie. In einer 2018 beim ESC-Kongress in München publizierten Phase-III-Studie hat das neue Medikament seine Wirksamkeit bei dieser speziellen Kardiomyopathie bereits bewiesen. Nun sollte ein erweitertes Follow-up der Studie klären, welche Dosis sich für die Behandlung am besten eignet.

ATTR-Kardiomyopathie ist gar nicht so selten

In Abhängigkeit des Alters und der Herkunft weisen bis zu 20% der Patienten mit einem hypertrophen Herz eine genetische ATTR-Kardiomyopathie auf, verdeutlichte der Studienautor Prof. Thibaud Damy die Häufigkeit der Erkrankung beim virtuell stattfindenden Kongress der Heart Failure Association (HFA). Wenn die Erkrankung diagnostiziert wird, sind den Ärzten bisher allerdings extrem die Hände gebunden: eine von den Leitlinien empfohlene Therapie gibt es nämlich nicht.

Mit Tafamidis könnte sich das ändern. Das Medikament stabilisiert das Transthyretin-Protein (TTR), welches bei Patienten mit ATTR-Kardiomyopathie vermehrt in Form von Amyloid-Fibrillen im Herzen abgelagert wird, entweder als Konsequenz einer Mutation im TTR (genetische Form) oder aufgrund von Alterungsprozessen (sog. Alters-Amyloidose).

Tafamidis als neuer Hoffnungsträger

Bei der vor knapp zwei Jahren publizierten ATTR-ACT-Studie sind zwei Dosen des Medikaments (80 mg und 20 mg) gegen Placebo geprüft worden. Beide Dosen reduzierten das Sterberisiko der Patienten signifikant. Die Primäranalyse war jedoch nicht darauf angelegt, einen Unterschied zwischen beiden Dosierungen festzustellen.

In der jetzt publizierten Analyse wurden die beiden Therapiegruppen weiterverfolgt. Darüber hinaus wurden die ursprünglich zur Placebo-Gruppe zugeteilten Patienten nochmals randomisiert und erhielten ab sofort ebenfalls Tafamides entweder 80 mg oder 20 mg (2:1). Insgesamt schloss die neue Analyse damit 346 Patienten ein.

20 mg versus 80 mg

Bereits 30 Monate später zeigten sich schon deutliche Unterschiede zwischen beiden Dosis-Armen und zwar zugunsten der 80 mg-Dosis, mit der die Überlebenschancen der Patienten höher waren.

Mit der Zeit kristallisieren sich die Vorteile für die 80 mg-Dosis immer deutlicher heraus: Nach einem mittleren Follow-up von 51 Monaten war das Sterberisiko mit der 80 mg-Dosis um 43% signifikant geringer als mit der 20 mg-Dosis, nach Adjustierung auf Alter, NT-proBNP und der zu Studienbeginn gemessenen Distanz im 6-Minuten-Gehtest (p=0,003). Unterschiede bei den Nebenwirkungs-Raten gab es keine.

Frühe Diagnose ist essenziell

Damy hat deshalb einen klaren Favoriten: die 80 mg-Dosis ist die zu „bevorzugende Dosis“ von Tafamides. Ehe eine solche Behandlung aber überhaupt initiiert werden kann, muss die Diagnose der ATTR-Kardiomyopathie korrekt diagnostiziert werden, betonte der Amyloidose-Experte aus Créteil in Frankreich in der anschließenden Diskussion. An erster Stellte stehe hier die Knochenszintigrafie, so der Experte, in der das Herz von ATTR-Patienten aufleuchtet. Allein reicht diese Methode aber nicht aus, wie der Kardiologe weiter ausführte, denn es müsse eine Leichtketten-Amyloidose (AL) durch eine Gammopathie-Diagnostik differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden (weitere Details zur Diagnose erfahren Sie hier).

Literatur

Damy T: Tafamides 80 mg Demonstrates a Significant Survival Benefit over Tafamides 20 mg in Patients with Transthyretin Amyloid Cardiomyopathie. Vorgestellt in der virtuellen Sitzung “Late-Breaking Clinical Trials” im Rahmen des digitalen ESC-Programms „HFA Discoveries“

Highlights

Das Live-Kongress-Angebot der DGK

Zurück aus der Sommerpause: Sichern Sie sich den Zugang zu allen zertifizierten Vorträgen von DGK.Online 2021.

Corona, COVID-19 & Co.

Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Ausblick auf die DGK Herztage: „Endlich wieder ein persönlicher Austausch“

Die DGK Herztage finden vom 30.9 bis 02.10.2021 als Hybridkongress in Bonn und online statt. Es besteht somit seit Langem wieder die Möglichkeit eines persönlichen Austausches. Der Tagungspräsident für Kardiologie aktuell, Dr. Nobert Smetak, erzählt, worauf er sich besonders freut.

Bereits moderater Alkoholkonsum könnte Bluthochdruck begünstigen

Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

TAVI: Zerebrale Thromboembolien nur direkt danach nachweisbar

Ischämische Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen nach einer TAVI. Doch wann besteht ein erhöhtes Risiko? In MRT-Untersuchungen aus Deutschland ließen sich zerebale Thromboembolien nur in einer bestimmten Phase nachweisen.

Aus der Kardiothek

Raumforderung im rechten Vorhof – was war die Ursache?

Echokardiographie einer 65-jährigen Patientin, die sich wegen Luftnot vorstellt. Im apikalen 4-Kammerblick zeigt sich eine Raumforderung im rechten Vorhof.

Fehlbildung am Herzen – was sehen Sie im CT?

3-D Rekonstruktion einer kardialen Computertomographie. Welche kardiale Fehlbildung ist zu sehen?

Patientin mit einem thorakalen Schmerzereignis – wie lautet Ihre Diagnose?

Lävokardiografie (RAO 30°-Projektion) einer 54-jährigen Patientin nach einem thorakalen Schmerzereignis. Was ist zu sehen?

Neueste Kongressmeldungen

Ausblick auf die DGK Herztage: „Endlich wieder ein persönlicher Austausch“

Die DGK Herztage finden vom 30.9 bis 02.10.2021 als Hybridkongress in Bonn und online statt. Es besteht somit seit Langem wieder die Möglichkeit eines persönlichen Austausches. Der Tagungspräsident für Kardiologie aktuell, Dr. Nobert Smetak, erzählt, worauf er sich besonders freut.

Neuer Therapieansatz enttäuscht bei Patienten im kardiogenen Schock

Die Hoffnung, mit einem neuen, am Gefäßregulator Adrenomedullin ansetzenden Therapiekonzept die Behandlung von Patienten im kardiogenem Schock verbessern zu können, hat sich in einer Studie deutscher Kardiologen nicht erfüllt.

Blutdrucksenkung: Vierer-Kombi in niedriger Dosierung schlägt Monotherapie

Mit einer Fixkombination, die vier sehr niedrig dosierte Antihypertensiva in einer Kapsel vereint („Quadpill“), gelingt der Einstieg in eine blutdrucksenkende Therapie wesentlich besser als mit einer antihypertensiven Monotherapie, zeigt die QUARTET-Studie.

Neueste Kongresse

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

HRS-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) hatte rhythmologisch einige zu bieten: neue Pacing-Methoden, provokative Ergebnisse in puncto Alkohol und Vorhofflimmern und vieles mehr. Seit langem fand ein Kongress mal wieder als Vor-Ort-Event statt, in diesem Fall trafen sich die Experten in Boston. Alle Sessions konnten aber auch virtuell verfolgt werden. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier.

EuroPCR-Kongress 2021

Einer der weltweit führenden Kongresse für interventionelle kardiovaskuläre Medizin – der EuroPCR – fand in diesem Jahr vom 17. bis 20. Mai 2021 virtuell statt. Die wichtigsten Studienergebnisse sind für Sie in diesem Dossier zusammengetragen. 

DGK.Online 2021/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-Quiz August 2021/© F. Ammon, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Computertomographie/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlanen-Nürnberg
Laevokardiographie (RAO 30° Projektion)/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com
Digitaler HRS-Kongress 2021/© mandritoiu / stock.adobe.com
EuroPCR-Kongress 2021