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29.05.2018 | Kardiomyopathie | Nachrichten

Wechselseitige Beziehung?

Krebs könnte Schwangerschafts-Kardiomyopathie begünstigen – und umgekehrt

Autor:
Veronika Schlimpert

Frauen, die eine Schwangerschaft-Kardioymyopathie durchgemacht haben, erkranken auffällig häufig an Krebs. Deutsche Wissenschaftler vermuten, dass sich beide Erkrankungen gegenseitig beeinflussen könnten.

Krebs könnte die Entstehung einer Schwangerschaft-Kardiomyopathie begünstigen und umgekehrt. In einem deutschen Register kamen Krebserkrankungen bei Frauen, die an einer peripartalen Kardiomyopathie erkrankt waren, gehäuft vor, sowohl vor als auch nach Diagnose der Peripartum-Kardiomyopathie.

„Krebspatientinnen sollten gewarnt werden“

Frauen, die eine Krebserkrankung überlebt haben, sollten gewarnt werden, dass sie ein erhöhtes Risiko für eine Schwangerschafts-assoziierte Herzinsuffizienz haben, wird die Studienleiterin Prof. Denise Hilfiker-Kleiner in einer ESC-Pressemitteilung zitiert. Erstautorin Stella Schlothauer hat die Ergebnisse aktuell auf dem Heart Failure-Kongress in Wien  vorgestellt.

Eine Schwangerschaft-Kardiomyopathie ist eine akut lebensbedrohliche Komplikation. Innerhalb kürzester Zeit verschlechtert sich die Herzfunktion der betroffenen Frauen deutlich. Die Erkrankung kann in den letzten Schwangerschafts-Wochen bis sechs Monate nach der Geburt einsetzen. Für die Entstehung wird ein zelltoxisch wirkendes Spaltfragment des Stillhormons Prolaktin verantwortlich gemacht.

Höhere 10-Jahres-Prävalenz

Im Rahmen der aktuellen Studie wurden 207 Frauen mit peripartaler Kardiomyopathie bis zu 7,5 Jahre lang nachverfolgt. Neun Frauen hatten vor der Schwangerschaft eine Krebserkrankung durchgemacht (3 Lymphome, 2 Mammakarzinome, 2 Osteosarkome, 1 Melanom, 1 Prolaktinom), fünf Frauen sind in der Folge an einem Tumor erkrankt (3 Mammakarzinome, 1 Kolorektalkarzinom, 1 akute myeloische Leukämie).

Die betroffenen Frauen haben somit eine deutlich höhere 10-Jahres-Prävalenz (6,3%) für eine Krebserkrankung als gesunde Frauen gleichen Alters (0,59%). Hilfiker-Kleiner zufolge ist das Krebsrisiko für Frauen, die eine Schwangerschaft-Kardiomyopathie durchgemacht haben, um das Zehnfache erhöht.

Was sind die Ursachen?

Die deutschen Wissenschaftler vermuten, dass es zwischen beiden Erkrankungen eine physiologische Wechselwirkung geben könnte. Zum einen könne eine kardiotoxische Chemotherapie zu einer Herzschädigung führen, die sich Jahre später, wenn ein Stressor wie eine Schwangerschaft hinzukommt, zu einer Kardiomyopathie entwickele. Die Autoren könnten sich aber auch vorstellen, dass die Entstehung beider Erkrankungen durch genetische oder epigenetische Faktoren wechselseitig begünstigt werde. 

Tumormarker erhöht

Hinweise für einen gemeinsamen physiologischen Mechanismus lieferten Blutuntersuchungen von 47 Frauen, die im Zuge einer Schwangerschaft eine Kardiomyopathie entwickelt hatten, und von 29 Frauen, deren Schwangerschaft ohne Komplikationen verlief. 

Dabei stellte sich heraus, dass die erkrankten Frauen im Vergleich zu den gesunden Kontrollpersonen erhöhte Plasmakonzentrationen von bestimmten Tumormarkern aufweisen wie Her2/neu und sIL-6RA. Allerdings waren die Spiegel auch bei den Frauen erhöht, die nicht an Krebs erkrankten. Somit ist fraglich, ob dieser Befund tatsächlich ursächlich mit der Krebsentstehung in Verbindung steht. 

Gut möglich ist etwa auch, dass beide Erkrankungen durch gemeinsame Risikofaktoren begünstigt werden und die Assoziation deshalb zu sehen ist.

Engmaschiges Schwangerschafts-Monitoring von Krebspatientinnen

Ein engmaschiges Monitoring von schwangeren Frauen, die in der Vergangenheit eine Krebserkrankung durchgemacht haben, ist aber in jedem Falle sinnvoll. Denn dabei handele es sich um Hochrisiko-Schwangerschaften, betonte Hilfiker-Kleiner. Ob und in welchem Ausmaß ein Tumor die Entstehung einer Schwangerschafts-Kardiomyopathie begünstigen kann und die Frauen dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, müssen allerdings weitere Studien erst zeigen.

Auf der anderen Seite hält es die Kardiologin für essenziell, dass Frauen, die eine Schwangerschafts-Kardiomyopathie durchgemacht haben, regelmäßig an  routinemäßigen Krebsvorsorgeuntersuchungen teilnehmen.  

Literatur

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