Nachrichten 12.05.2020

Neues Medikament wirkt spezifisch bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie

Für die Behandlung einer hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie gibt es aktuell keine spezifische Medikation. Das könnte sich bald ändern. Laut einer Topline-Ankündigung hat sich ein neues Medikament als hochwirksam erwiesen.  

Es wäre das erste Medikament überhaupt, welches spezifisch gegen die obstruktive Form einer hypertrophen Kardiomyopathie (HCM) einsetzbar ist: Mavacamten hat sich in der Phase III-Studie EXPLORER-HCM als hochwirksam herausgestellt, das hat der Hersteller MyoKardia in Form einer „Topline“-Ankündigung vor der eigentlichen Studienpräsentation bekanntgegeben.

Myosin-Modulator Mavacamten

Bei Mavacamten (MYK-461) handelt es sich um einen Modulator des kardialen Myosins, der an der allosterischen Bindungsstelle des Motorproteins ansetzt. Durch diese Bindung werden die bei der HCM exzessiv vorhandenen Myosin-Aktin-Querbrückenverbindungen, die im Erkrankungsverlauf zur Hyperkontraktilität, linksventrikulären Hypertrophie und reduzierten Compliance führen, unterbunden.

Primärer Endpunkt hochsignifikant verbessert

Dieses spezifische Wirkprinzip scheint zu funktionieren. In einer Pressemitteilung verkündet der Hersteller, dass Mavacamten den primären Endpunkt der randomisierten placebokontrollierten EXPLORER-HCM-Studie nach 30-wöchiger Behandlung hochsignifikant verbessert hat (p = 0,0005).

Zusammengesetzt war der primäre Endpunkt sowohl aus funktionellen wie auch symptomatischen Aspekten der Erkrankung, konkret:

  1. entweder ein Anstieg der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 ) um ≥ 1,5 mL/kg/min bei gleichzeitiger Verbesserung um mindestens eine NYHA-Klasse oder 
  2. ein Anstieg der VO2 um ≥ 3,0 mL/kg/min ohne eine Verschlechterung der NYHA-Klasse.

Auch die Ergebnisse der sekundären Endpunkte fielen hochsignifikant aus mit einer Verbesserung des maximalen linksventrikulären Ausflusstraktgradientens (LVOT) (p < 0,0001), der NYHA-Klasse (p < 0,0001), der maximalen VO2 (p = 0,0006), des KCCQ-CSS-Scores („Kansas City Cardiomyopathy Clinical Summary“, p < 0,0001) und des „Symptom Questionnaire Shortness of Breath Domain“-Scores (p < 0,0001).

„Die außergewöhnlichen Daten der EXPLORER-Zulassungsstudie bestätigen die Fähigkeit von Mavacamten, der dynamischen Ausflussobstruktion von Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie entgegenzuwirken, deren Beschwerden zu kontrollieren und ihre Lebensqualität zu verbessern“, fasst der Studienleiter Dr. Lacopo Olivotto von der Careggi Universitätsklinik die Ergebnisse in der Pressemitteilung zusammen.

EXPLORER-HCM-Studie mit 251 Patienten

Insgesamt wurden in der EXPLORER-HCM-Studie 251 Patienten mit symptomatischer obstruktiver HCM (NYHA-Klasse II oder III) randomisiert entweder mit Mavacamten oder mit Placebo behandelt. Begonnen wurde die Therapie mit einer 5 mg-Dosis des neuen Medikamentes, die im Studienverlauf entsprechend der LVOT, linksventrikulären Auswurffraktion und Wirkstoffkonzentration im Plasma angepasst werden konnte (2,5–15 mg).

Laut Hersteller wurde die Therapie gut vertragen, die Nebenwirkungsraten waren auf Placebo-Niveau.

Hersteller plant Zulassung für Anfang nächstes Jahr

Die detaillierten Studienergebnisse werden laut Angaben des Unternehmens noch in diesem Jahr auf einem der kommenden wissenschaftlichen Kongresse präsentiert werden. Den Zulassungsantrag für das Medikament plant MyoKardia im ersten Quartal 2021 bei der FDA einzureichen.

Neben dieser Indikation wird Mavacamten noch zur Behandlung der nicht-obstruktiven Form der HCM sowie auch als Therapieoption für die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) erforscht.

Literatur

Pressemitteilung von MyoKardia: MyoKardia Announces Primary and All Secondary Endpoints Met in Phase 3 EXPLORER Clinical Trial of Mavacamten for the Treatment of Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy, veröffentlicht am 11. Mai 2020

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Kardio-MRT (CMR, Late Gadolinium Enhancement PSIR)/© Mohamed Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen