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11.08.2017 | Kardiomyopathie | Nachrichten

Vollständige Erholung der Herzfunktion

Schwangerschafts-Kardiomyopathie: Spezifische Therapie verspricht Heilung

Autor:
Veronika Schlimpert

Die Prognose einer Schwangerschafts-Kardiomyopathie ist schlecht. Für die betroffenen Frauen gibt es aber Hoffnung. Ein eigentlich zum Abstillen verwendetes Medikament kann die Krankheitsprogression offenbar aufhalten. Solche Erfolgsnachrichten gibt es aktuell von deutschen Wissenschaftlern.    

Für die peripartale Kardiomyopathie gibt es mittlerweile einen spezifischen Therapieansatz, der tatsächlich Heilung verspricht. Ein Medikament, das üblicherweise zum Abstillen eingesetzt wird, hat in einer aktuellen Studie bei vielen betroffenen Frauen eine vollständige Erholung der Herzfunktion bewirkt. Die Studienautoren um Denise Hilfiker-Kleiner von der Medizinischen Hochschule Hannover hoffen damit eine wirksame Therapie für die Schwangerschafts-Kardiomyopathie gefunden zu haben.

Bisher schlechte Prognose

Bisher war die Prognose einer peripartalen Kardiomyopathie schlecht. Die innerhalb der letzten Schwangerschaftswochen bis sechs Monate nach der Geburt einsetzende Erkrankung ist schnell fortschreitend und führt innerhalb kürzester Zeit zu einer deutlichen Verschlechterung der Herzfunktion mit dem klinischen Bild einer schweren Herzinsuffizienz. Die Folgen für die vorher gesunden jungen Frauen reichen von der Implantation eines Linksherzunterstützungssystems bis hin zu einer Herztransplantation und Tod.

In den letzten Jahren ist man der Pathogenese der Erkrankung immer weiter auf die Spur gekommen. Ein Mangel an antioxidativen Enzymen im Herzen führt zu einer erhöhten Sauerstoffradikalbildung, oxidativem Stress und in der Folge zur Spaltung des Stillhormons Prolaktin in ein 16-kDa-Fragment. Diese Subform des Hormons begünstigt die Zerstörung des Endothels, behindert die Mikrozirkulation im Herzen und bewirkt eine Funktionseinschränkung der Herzmuskelzellen.

Neuer spezifischer Therapieansatz

So kam man auf die Idee, durch Hemmung von Prolaktin die Produktion des toxischen Fragmentes zu verhindern. Das Konzept ging auf: Der Dopamin-D2-Rezeptor-Agonist Bromocriptin, eigentlich ein Medikament zum Abstillen, hat sich in ersten kleineren Pilot- und Registerstudien als wirksam erwiesen.

Prof. Denise Hilfiker-Kleiner und Kollegen wollten nun wissen, in welcher Dosierung Bromocriptin den größten Effekt erzielt und haben dafür 63 Frauen mit einer Peripartum-Kardiomyopathie (linksventrikuläre Ejektionsfraktion [LVEF] ≤ 35%) zu zwei Dosisregimen randomisiert: Sie erhielten entweder eine Woche lang 2,5 mg Bromocriptin, was der Dosis entspricht, die zum Abstillen verwendet wird, oder eine verlängerte Hochdosistherapie  (5 mg für 2 Wochen, danach 2,5 mg für 6 Wochen). Zusätzlich erhielten alle Patientinnen eine für die Herzinsuffizienz übliche Standardtherapie.

Therapie wirkt, egal in welcher Dosierung

Unter beiden Dosisregimen erholte sich die LVEF bei den meisten Frauen innerhalb von sechs Monaten deutlich; im Schnitt von 28 auf 49% mit der normalen Dosis und 27 auf 51% mit dem verlängerten Regime. In vielen Fällen trat sogar eine vollständige Erholung der Herzfunktion (LVEF ≥ 50%) ein. Mit der Hochdosistherapie war dies tendenziell öfter der Fall als mit der normalen Dosis (bei 68 vs. 52% der Frauen).

Hier zeige sich ein geringfügiger Vorteil für die verlängerte Therapie, schlussfolgern die Studienautoren. Dies decke sich mit ihrer eigenen Erfahrung, nach der kritisch kranke Patientinnen mit einer LVEF < 25% oder im kardiogenen Schock von einer verlängerten, höher dosierten Therapie profitieren. Diese Hypothese müsse aber in weiteren randomisierten Studien geprüft werden.

Keine Todesfälle, keine Transplantationen

Ansonsten ließen sich keine weiteren Unterschiede zwischen den Dosisregimen feststellen. In keiner der Gruppen war eine Herztransplantation oder die Implantation eines linksventrikulären Unterstützungssystems nötig, keine der Frauen verstarb. Generell wurde die Therapie gut vertragen.

Eine Vergleichs-Gruppe ohne Bromocriptin-Therapie gab es zwar nicht. Die Autoren hielten dies aufgrund der bisherigen Erfolge mit Bromocriptin für unethisch. Doch weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass es bisher keine prospektive Studie gab, in der Frauen mit einer Peripartum-Kardiomyopathie eine bessere Prognose gehabt hätten als in ihrer Studie. „Gerademal bei 7% aller Teilnehmerinnen war nach sechs Monaten noch eine schwere Einschränkung der linksventrikulären Funktion (<35%) festzustellen und nur 3% litten in der Folge an einer Herzinsuffizienz“, berichten die Kardiologen.

Zum Vergleich: In der IPAC-Studie, in der Frauen mit Schwangerschafts-Kardiomyopathie und Standardtherapie (aber ohne Bromocriptin) untersucht worden sind, litten noch 37% der Frauen nach sechs bis zwölf Monaten an einer Herzinsuffizienz, 19% benötigten eine Transplantation und 15% verstarben.

 

Literatur

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